Hühner im Lockdown

Zum Schutz vor der Geflügelpest: Schierholzer Wiesenei hält Freiland-Hennen in Mobilställen

Mit Stroh, Picksteinen und automatischem Körnerstreuer sollen die 4 500 Legehennen beschäftigt werden.
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Mit Stroh, Picksteinen und automatischem Körnerstreuer sollen die 4 500 Legehennen beschäftigt werden.

Schierholz – Zum Schutz vor einer Ansteckung mit der Geflügelpest darf das Familienunternehmen Schierholzer Wiesenei Legehennen nicht nach draußen lassen. Mit dem Lockdown für die Hühner ist ein hoher Mehraufwand verbunden, denn die Tiere müssen beschäftigt werden.

Mitte November ordnete der Landkreis Diepholz die Stallpflicht für Geflügel-Betriebe an. Stallpflicht ist ein Mittel, um die Ausbreitung von Tierseuchen wie der Geflügelpest zu verhindern. Frei lebende Tiere sollen davon abgehalten werden, Nutztiere zu infizieren. Zugvögel bringen den Virus mit sich.

Insgesamt rund 600 000 Legehennen in 55 Betrieben sind im Landkreis Diepholz von den Einschränkungen betroffen.

Für Legehennenhalter mit Freilandbetrieb, wie dem in Schierholz, hat die Europäische Kommission eine Ausnahmegenehmigung vorgesehen. Allerdings ist diese begrenzt.

Nach 16 Wochen Stallpflicht dürfen Geflügelhalter die Freilandeier laut EU-Recht noch als Bodenhaltungseier vermarkten. Teilweise stellt das die Legehennenhalter vor große wirtschaftliche Probleme, denn nach diesen 16 Wochen müssen die Verpackungen geändert und der Preis pro Ei angepasst werden.

„Beim ersten Mal 2017 hat uns das fast den Kopf gekostet“, sagt Friederike Schierholz, „und aktuell erlebe ich ein Deja-vu.“ Die erste Frage der Kunden sei immer: Sind das jetzt noch Eier aus Freilandhaltung?

Ihre rund 4 500 Hühner hält die Familie Schierholz in drei Mobilställen. Das Besondere an ihnen: alle sechs Wochen werden sie umgestellt, damit die Hennen frische Weide haben und sich der Boden erholt.

Ein Hygienekonzept soll das Einschleppen des Erregers verhindern: Kleidung und Schuhwerk müssen beim Eintreten in den Stall gewechselt werden. Außerdem dürfen keine Fremden in die Ställe.

Im aktuellen Lockdown müssen die Tiere in den Ställen beschäftigt werden, um Verhaltensstörungen wie Federpicken oder Kannibalismus zu vermeiden. Dazu bieten die Landwirte den Hühnern unterschiedliche Beschäftigungsmöglichkeiten an. In zwei Drittel der Mobilställe sind Wasser, Futter, Legenester und Sitzstangen untergebracht. Im Wintergarten, wie das letzte Drittel, der Scharrbereich, auch genannt wird, werden Stroh, Maissilage, Picksteine, Luzerneheu sowie ein automatischer Körnerstreuer mit Hafer zur Beschäftigung angeboten.

Ebenso wie die Menschen würden sich ältere Tiere gestresst fühlen, wenn sie nicht wie gewohnt ins Freie dürfen: „Das ist schon eine Umgewöhnung, wenn nicht mehr wie sonst um Punkt zehn Uhr die Klappe aufgeht“, so Friederike Schierholz. Jüngere Hennen hätten das Freiland bisher noch gar nicht erleben dürfen und haben deshalb weniger Probleme mit dem Lockdown.

Einen Impfstoff gebe es für die Vielzahl an unterschiedlichen Erregern, die es in der Natur gibt, nicht, erklärt Stefan Meyer vom Landvolk Diepholz vor Ort.

Gerade zu den umsatzstärksten Zeiten an Ostern und zum Jahresende erschweren die Einschränkungen das Hauptgeschäft. „Wir als Direktvermarkter wollen die Nachfrage der Leute bedienen und gerade zwischen den Feiertagen machen sich viele den Kühlschrank wieder voll“, so Schierholz.

Damit die Hühner es nach dem Lockdown auf dem Freiland umso angenehmer haben, pflanzte Alexander Schierholz 3000 Pappeln, um die Tiere im Sommer vor der Sonne zu schützen.

Bleibt abzuwarten, wie lange der Lockdown noch andauert und wann die Tiere wieder ins Freie dürfen.

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