Tricks und Tipps für Umgang mit gefährlichen Situationen

Zivilcourage hat auch Grenzen

Etwa 40 Frauen kamen ins Hotel Roshop, um sich zum Thema Zivilcourage zu informieren. - Fotos: Brauns-Bömermann

Barnstorf - Was geht´s mich an? Was kann ich schon tun? Wie werde ich nicht zum Weggucker oder sogar Gaffer in einer Gefahrensituation? – Fragen über Fragen am internationalen Frauentag in Barnstorf.

Kriminalbeamter Michael Wessels kommt viel herum: Sein Credo: „Prävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Antworten lieferte Michael Wessels vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Diepholz. Der Kriminalbeamte referierte auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Ann-Kristin Hübner und des Landfrauenvereins Barnstorf zum Thema Zivilcourage. Etwa 40 Frauen waren der Einladung ins Hotel Roshop gefolgt. Sie lauschten den Ausführungen des Experten, stellten aber auch wichtige Fragen, die in möglichen Gefahrensituationen von lebenswichtiger Bedeutung sein könnten. Anregungen dazu gab es genug. Um die Frage zu klären, wo Zivilcourage anfängt und aufhört, schilderte Wessels vorab einige Fälle aus seiner langjährigen Praxis als Kriminalbeamter und der Arbeit im Präventionsteam. Dabei unterschied er zwischen Situationen, wo Menschen selbst betroffen sind und wo eine vermeintliche Straftat als Zeuge beobachtet wird. Grundsätzlich gilt: Alle Bürger sind von Gesetz wegen verpflichtet, bei einer Straftat im Rahmen ihrer Möglichkeiten einzugreifen. „Aber keine Angst“, so Wessels, „dazu gibt es ganz praktische Regeln“.

Im Rahmen ihrer persönlichen Möglichkeiten sollten Zeugen keinen blinden Aktionismus entfachen, sondern eher den defensiveren Umgang mit Gefahrensituationen pflegen. Will heißen: Zivilcourage hat auch Grenzen. Helfen, ohne sich selbst zu gefähren, lautet das Gebot der Stunde. Zeugen sollten andere Menschen dazu auffordern, in brenzligen Situationen aktiv und direkt mitzuhelfen, möglichst schnell den Notruf organisieren, sich um Opfer kümmern und sich als Zeuge zur Verfügung stellen. In diesem Zusammenhang sei es wichtig, Tätermerkmale zu beobachten und abzuspeichern. Wichtiger Tipp an dieser Stelle: Die eigenen Beobachtungen sollte man alleine aufschreiben, ohne sich mit anderen Beteiligten abzusprechen, um den Wert der Zeugenaussage nicht zu verfälschen.

Nothilfe und Notwehr seien natürlich ein verbrieftes Bürgerrecht. Sie dienten zur Abwehr, bürgten aber auch die Gefahr in sich, über das Ziel hinauszuschießen. „Besser ist, wenn Sie einen Menschen in Bedrängnis sehen, dass Sie versuchen, ihn aus der Gefahrenzone heraus zu nehmen“, riet Wessels.

Von der Tendenz, dass sich immer mehr Bürger einen „kleinen Waffenschein“ für zum Beispiel Gaspistolen anschaffen, hält Wessels gar nichts. Die Polizeiinspektion Diepholz behandele das ganz restriktiv, denn nach seiner Erfahrung würde Waffenbesitz immer nur Probleme mit sich bringen, auch für den Besitzer selbst. „Selbstverteidigungskurse bringen nur den gewünschten Nutzen, wenn Sie regelmäßig trainieren“, fügte der Beamte hinzu.

Wessels beschrieb Einbruchsdelikte, die durch aufmerksame Nachbarn und dem intakten sozialen Gefüge eines Wohnquartiers aufgedeckt wurden. In diesem Zusammenhang appellierte er an die Wachsamkeit der Bürger, die verdächtige Beobachtungen mitteilen sollten. „Das hat auch gar nichts mit denunzieren zu tun. Besser Sie rufen einmal mehr die Kollegen bei der Polizei, als einmal zu wenig!“, lautete der Rat des Experten.

„Täter probieren auch aus, ob sich Nachbarn kümmern“, berichtete Wessels. „Aber was tue ich, wenn ein Einbrecher bei mir im Haus ist und ich allein bin?“, lautete eine der besorgten Fragen aus der Runde der Zuhörerinnen. In solchen Momenten sei es wichtig, Licht und Krach zu erzeugen, sich in Sicherheit zu bringen, in dem man sich einschließe oder einen Fluchtweg benutze. Und was sollten Bewohner tun, wenn nachts jemand klingelt und um Hilfe bittet? Besonders im ländlich karg besiedelten Raum, fasse das Prinzip: „Ich sorge dafür, dass der Betroffene Hilfe bekommt. Aber in mein Haus muss ich ihn nicht lassen“.

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