Susanne Best berichtet über ihre Arbeit im Familien- und Kinderservicebüro

Zentrale Aufgabe: Suche nach Tagesmüttern

+
Susanne Best steht insbesondere jungen Familien mit fachlichem Rat zur Seite und vermittelt Tagesmütter.

Barnstorf - Keine Jobgarantie, geringe Verdienstmöglichkeiten, unregelmäßige Arbeitszeiten: Es sind nicht die besten Rahmenbedingungen, die ein Job als Tagesmutter mit sich bringt. Da gehört schon viel Herzblut dazu, um diese Arbeit gewissenhaft auszuführen. Dabei hat die Tagespflege eine hohe gesellschaftliche Bedeutung. Sie stellt eine wichtige Alternative und Ergänzung zum Betreuungsangebot der Kindertagesstätten in der Samtgemeinde Barnstorf dar.

Die Kindertagespflege wird vom Familien- und Kinderservicebüro koordiniert. Die Anlaufstelle im Barnstorfer Rathaus besteht seit 2007. Mitarbeiterin Susanne Best bemüht sich in erster Linie um die Vermittlung von Tagesmüttern, aber auch um die Durchführung von Babysitterkursen, die Verteilung von Begrüßungspaketen an Neugeborene und die Unterstützung des Ferienangebotes im Lokalen Bündnis für Familie. „Ein recht umfangreiches Spektrum“, berichtet Best in der jüngsten Sitzung des Kinder-, Jugend-, Sozial- und Schulausschusses.

Best ist selbst Mutter von vier Kindern. Sie engagiert sich neben ihrer Halbtagsstelle bei der Kommune als Tagespflegeperson in Diepholz und weiß um die schwierigen Bedingungen, die eine solche Tätigkeit mit sich bringt. Ein Stundenlohn von 4,35 Euro inklusive Sachaufwand ist alles andere als attraktiv. Neben guten Verdienstmöglichkeiten fehlt es an Sicherheit. Viele Tagesmütter würden häufig in der Luft hängen, hätten keine langfristige Perspektive, weiß Best aus vielen Gesprächen.

„Zurzeit sind 17 Personen in der Kindertagespflege aktiv“, berichtet die Familienberaterin. „Hört sich viel an“, sagt sie. Aber etliche Personen würden nur bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze arbeiten, weil sie sich sonst selbst versichern müssten und dadurch zusätzliche Kosten entstünden. Hinzu komme, dass Tagesmütter auch Zeit für ihre eigene Familie haben wollten. Zwar würden manche auch rund um die Uhr arbeiten, aber das seien Ausnahmen.

Die Tagesmütter betreuten aktuell 50 Kinder in der Samtgemeinde Barnstorf. Die Tendenz sei rückläufig und zudem schwankend, stellt die Koordinatorin fest. Vor fünf Jahren seien es noch etwa 70 Kinder gewesen. Hier macht sich offenbar ein Wandel in der Betreuungslandschaft bemerkbar. Aber es liegt nicht etwa nur an ausgedehnten Öffnungszeiten der Kindergärten oder zusätzlichen Krippenplätzen, meint Best. Ein Grund sei auch die rückläufige Zahl an Tagespflegepersonen, so dass Eltern schlicht das Angebot fehle.

„Eine der zentralen Aufgaben ist, dass wir uns um neue Kräfte bemühen müssen“, unterstreicht die langjährige Leiterin des Familien- und Kinderservicebüros. Da immer wieder Tagesmütter ausschieden, sei es wichtig, neue Menschen für die flexible Kinderbetreuung zu gewinnen. Das Angebot müsse größer sein als die Nachfrage, so Best, damit Eltern auch die Auswahlmöglichkeit hätten. So viel steht fest: Gerade in der individuellen Betreuung müssen viele Fakoren zusammen passen.

Der Bildungsauftrag in der Kindertagespflege sei derselbe wie in Kindertagesstätten, erläutert Best. Im Rahmen der „Alltagsbildung“ müsse man schauen, was Kinder lernen wollten. Dabei spiele die enge Bindung zwischen Kind und Bezugsperson eine große Rolle. Hier sieht Best auch einen großen Vorteil der Kindertagesbetreuung. Wichtig sei zudem, eine dauerhafte Betreuung zu gewährleisten. Besonders im Kleinkindalter sollten Wechsel vermieden werden.

Für Susanne Best ist die Kindertagespflege ein wichtiger Baustein zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie ein Beitrag zur Familienfreundlichkeit der Kommune. Dass es sich um eine professionelle Dienstleistung handele, sei vielen Menschen jedoch nicht bekannt. „Manche Leute kennen das Angebot nicht. Sie wissen nicht, wie es funktioniert“, erklärt die Koordinatorin. Aus diesem Grund sei Werbung nötig, möglichst auch mit fremdsprachigen Informationsblättern.

Die Verwaltungsmitarbeiterin hat sich zum Ziel gesetzt, weitere Tagespflegepersonen zu gewinnen, auch wenn die Ausbildung in Zukunft umfangreicher sein werde. Darüber hinaus sei es wichtig, die Arbeit noch intensiver zu vernetzen. Was aus dem Kreis der Beteiligten ebenfalls gewünscht wird, ist eine bessere Vertretungsregelung. Doch dafür bedarf es wohl zunächst mehr Tagesmütter. Was Susanne Best positiv stimmt, sind die aktuellen Ergebnisse einer kreisweiten Umfrage. Demzufolge hätten die Tagesmütter in der Samtgemeinde Barnstorf sehr gute Noten von den Familien bekommen. ´

sp

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Bilder: Deutsche Frauen holen Sieg gegen Italien

Bilder: Deutsche Frauen holen Sieg gegen Italien

Eskalation: Palästinenser brechen Kontakte zu Israel ab

Eskalation: Palästinenser brechen Kontakte zu Israel ab

DFB-Frauen auf Kurs EM-Viertelfinale: 2:1 gegen Italien

DFB-Frauen auf Kurs EM-Viertelfinale: 2:1 gegen Italien

Tritt Prinz George in die Fußstapfen seines Vaters? 

Tritt Prinz George in die Fußstapfen seines Vaters? 

Meistgelesene Artikel

Philip Sander löst Simon Hammann als Schützenkönig von Twistringen ab

Philip Sander löst Simon Hammann als Schützenkönig von Twistringen ab

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Twistringer Schützen erleben Marathon der Glückseligkeit

Twistringer Schützen erleben Marathon der Glückseligkeit

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Kommentare