In Barnstorf und umzu

Yorck-Philipp Müller-Dieckert und Carola Anders sind als Fledermaus-Botschafter aktiv

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Ein Braunes Langohr

Barnstorf - Von Gerhard Scheland. Die Augen des 41-jährigen Yorck-Philipp Müller-Dieckert und seiner acht Jahre jüngeren Lebensgefährtin Carola Anders leuchten. Es geht um das Thema Fledermäuse. Da sind beide fast schon Experten. Ihr Wissen stammt nicht aus einschlägiger Literatur oder aus Dokumentarfilmen. Müller-Dieckert und Anders haben sich ihre Kenntnisse in der Praxis angeeignet, überwiegend bei Schutz- und Monitoringmaßnahmen für und mit Fledermäusen im Harz.

Seit gut einem halben Jahr arbeiten die ehrenamtlichen aber außerordentlich engagierten Fledermausschützer daran, ihr Praxiswissen im Großraum Barnstorf an Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiterzugeben – als offizielle Fledermaus-Botschafter des Nabu. Ausgebildet wurde das seit 2017 im Flecken lebende Paar vom Nabu Niedersachsen. 

Der diplomierte Politikwissenschaftler Yorck-Philipp Müller-Dieckert ist hauptamtlich als pädagogischer Mitarbeiter beim Regionalbüro der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) auf dem Gelände des Barnstorfer Umwelt-Erlebnis-Zentrums (BUEZ) beschäftigt, die gelernte Hotelfachfrau Carola Anders hat sich seit Beginn ihres Studiums an der Universität Bremen für den Artenschutz eingesetzt.

Die gebürtige Dresdnerin ist in Bruchhausen-Vilsen aufgewachsen, ihr Lebensgefährte stammt aus dem südlichen Niedersachsen. Er ist in Northeim geboren und in Einbeck groß geworden. Sein Studium der Politikwissenschaft hat Müller-Dieckert in Halle an der Saale und in Potsdam absolviert. Kennen und lieben gelernt hat sich das Paar vor ein paar Jahren bei einem naturkundlichen Seminar. Schnell erkannten beide ihr Streben nach mehr Schutz für Fledermäuse und ihr gemeinsames Ziel, sich aktiv für die Flugtiere einzusetzen. 

Yorck-Philipp Müller-Dieckert und Carola Anders.

„Die unterschiedlichen Arten sind nicht nur durch den Rückgang der bäuerlichen Kulturlandschaften gefährdet“, betont Müller-Dieckert, „sondern auch durch den vermehrten Einsatz von Pestiziden in der Land- und Forstwirtschaft sowie im privaten Bereich.“ Und Carola Anders ergänzt, dass auch die steigende Zahl an Windkraftanlagen manchen Fledermausarten zu schaffen mache. Zudem würden durch verstärkte Dämmmaßnahmen an Häusern und das Abholzen von altem Baumbestand Lebensräume zerstört.

„Insgesamt gibt es eine ganze Reihe von Gefährdungsursachen für die heimischen Fledermäuse“, berichten Müller-Dieckert und Anders unisono. Von den aktuell in Deutschland lebenden 25 unterschiedlichen Arten sind alle gleichermaßen streng geschützt. „Ohne Schutzmaßnahmen wird die Artenvielfalt weiter reduziert, wenn nichts passiert, wird es irgendwann keine Fledermäuse mehr bei uns geben“, befürchten die beiden Botschafter.

Müller-Dieckert, von Hause aus Hobby-Ornithologe und bis heute Mitglied der Nabu-Gruppe Northeim, befasst sich seit sieben Jahren aktiv mit dem Fledermausschutz. Carola Anders hat ihre Leidenschaft für die nach eigenen Angaben „wunderschönen Tiere mit großem Sozialverhalten und seltsamen Sozialgeräuschen“ nur wenig später entdeckt. Die südniedersächsischen Naturschützer bekamen seinerzeit einen Monitoringauftrag, um die Bestandsentwicklung am Iberg zu dokumentieren. Daran hat sich der heute 41-Jährige beteiligt. „Richtig Fahrt aufgenommen haben die Schutzbemühungen aber erst, nachdem ich Carola kennengelernt habe.“

Unter einer Autobahnbrücke fing alles an

Der Politwissenschaftler erinnert sich an seinen ersten großen Einsatz in Northeim: „Wir, die Ortsgruppe-Northeim, haben damals eine der größten Wochenstuben von Wasserfledermäusen unter einer Autobahnbrücke in unsere Obhut genommen und auf dem Boden krabbelnde Jungtiere, die von ihren Müttern nicht mehr angenommen wurden und noch nicht flugfähig waren, eingesammelt“, berichtet Müller-Dieckert. „Und unter Aufsicht des in Northeim zuständigen Fledermausregionalbetreuers bei uns zu Hause mit Welpenersatzmilch von Hand aufgezogen“, ergänzt Carola Anders. 

Das Ziel war, die nur mehrere Gramm schweren Tiere nach einigen Wochen wieder auszuwildern. „Eine Garantie, dass die von uns groß gezogenen Kobolde der Nacht im Verbund mit ihren Artgenossen anschließend überleben, gibt es allerdings nicht. Diesbezüglich liegen bisher kaum wissenschaftlichen Erkenntnisse vor.“ Der gesamte Einsatz sei damals natürlich in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde gelaufen, denn für das nur mit wissenschaftlichem Auftrag erlaubte Fangen von Fledermäusen gelten strenge Schutzregeln.

„Faszinierend und abenteuerlich, geheimnisvoll und auch ein bisschen mystisch“, beschreiben die beiden Fledermausschützer ihr Engagement. „Und eine große Portion Begeisterung gehört natürlich auch dazu, sonst klappt das nicht.“

Eine noch nicht flugfähige Wasserfledermaus, die Müller-Dieckert und Anders zu Hause großziehen und anschließend wieder auswildern.

Bei ihren jetzigen Schutzbemühungen und der Aufklärungsarbeit in Barnstorf sind die beiden Fledermaus-Botschafter nach eigenem Empfinden sehr gut von den ansässigen Experten aufgenommen worden und unterstützen diese zum Beispiel beim Schließen der Lücken in der Kartierung der Vorkommen.

Yorck-Philipp Müller-Dieckert und Carola Anders haben sich vorgenommen, den Menschen im Großraum Barnstorf die Wichtigkeit des Fledermausschutzes durch geführte Exkursionen zu den Lebensräumen der Fledermäuse – für Kindergruppen ebenso wie für interessierte Erwachsene – ein Stückchen näherzubringen. 

„Es besteht ein enormer Nachholbedarf“, weiß Müller-Dieckert, „ich bin aber sicher, dass die Menschen hier leicht zu begeistern sind.“ Daneben appelliert er an die Bevölkerung, sich sofort mit ihm oder seiner Lebensgefährtin in Verbindung zu setzen, sollten sich Fragen zum Thema ergeben: Telefon 05442/8039494

Im Sommer ist das Paar häufig mit Detektor unterwegs

Beruflich plant Müller-Dieckert, Fachseminare zum Thema für bestimmte Zielgruppen wie Denkmalschützer, Architekten und Gebäudesanierer anzubieten. Parallel zu den Aufklärungsbemühungen bilden sich beide weiter, „weil es da im Landkreis Diepholz nicht viele gibt, die sich mit dem Thema beschäftigen“.

Die ersten Erkenntnisse ihres Schaffens für den Fledermausschutz im Landkreis Diepholz können die beiden Botschafter bereits verbuchen. Sie haben in Barnstorfer Ortslage ein großes Vorkommen an Wasserfledermäusen entdeckt, an den nahe gelegenen Teichen weitere ausgemacht und im umliegenden Wald gleich mehrere Arten registriert: Bechstein- und Bartfledermäuse, braune Langohrfledermäuse, Zwerg- und Wasserfledermäuse sowie den Großen und den Kleinen Abendsegler.

In den lauen Sommernächten ist das Paar fast allabendlich mit dem Detektor unterwegs und kehrt mit neuen Erkenntnissen über das Fledermaus-Vorkommen im Bereich Barnstorf zurück. „Auch dazu sind Interessierte ebenfalls immer willkommen“, würden sich die beiden Botschafter über Begleiter freuen.

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