Berater in großer Sorge um Weidetiere

Barnstorf und Goldenstedt in Not: „Wolfsrudel muss entfernt werden“

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. „Bei Weidetierhaltern und Wolfsberatern in den Landkreisen Diepholz und Vechta liegen die Nerven blank“, so Wolfsberater Kurt Gödeke, der auf 28 gerissene Schafe, Kälber, Ziegen und Mufflons in nur 28 Tagen rund um Barnstorf verweist. Wie am Montag berichtet, ist am Samstag in Drebber-Ihlbrock ein Jungrind vermutlich von mehreren Wölfen gerissen worden.

Damit steigt die Zahl der Nutztierrisse im Raum Goldenstedt/Barnstorf auf 105 – der landesweite Spitzenwert. Gödeke ist in großer Sorge um die Weidetierhaltung in der Region: „Die Tierhalter wissen nicht mehr ein noch aus!“ Es sei völlig unmöglich, sämtliche Weiden mit hohen, wolfssicheren Zäunen zu schützen. Deshalb hat Kurt Gödeke einen Wunsch: „Das ganze Wolfsrudel muss entfernt werden.“

Als Wolfsberater im Ehrenamt ist er im Altkreis Sulingen erster Ansprechpartner bei einem Verdacht auf Wolfsriss. Spuren sichern, Proben nehmen, zum dafür zuständigen NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) schicken, Dokumentationen erarbeiten, Fragen der betroffenen Tierhalter beantworten: Bis zu fünf Stunden pro Fall ist der Wolfsberater dabei im Einsatz. Sechs Fälle hat er seit November 2014 abgewickelt.

Zahlreiche Fälle für Wolfsberater Holy

Das ist nicht einmal ein Zehntel dessen, was sein Kollege Dr. Marcel Holy im Südkreis leisten muss: Sage und schreibe 67 Fälle hat der Biologe seit November 2014 abgearbeitet. Diese Zahl nannte Holy auf Anfrage dieser Zeitung. Im Schnitt fahre er pro Fall rund 65 Kilometer und brauche für die Abarbeitung gut vier Stunden. Für seinen zeitlichen Aufwand, seine Fahrten und das Material für die Probenentnahme erhält Holy – wie alle anderen Wolfsberater auch – eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro. Diesen Sachverhalt will der ehrenamtliche Wolfsberater nicht kommentieren. Nur so viel fügt er noch knapp hinzu: „Das ist ein Verlustgeschäft.“

Was wünscht sich Dr. Holy? „Dass der Tag 30 Stunden hätte“, sagt der Biologe schmunzelnd, der immer wieder telefonische Nachfragen von verunsicherten Tierhaltern beantworten und seinen Einsatz als Wolfsberater mit seinen beruflichen Aufgaben in Einklang bringen muss. Das, was wegen des Ehrenamts liegen bleibt, muss er abends oder am Wochenende nachholen.

„Man sollte es ruhiger angehen“

Zwar erhält Holy von Fall zu Fall Unterstützung von seinen ehrenamtlichen Kollegen – auch aus dem Nachbar-Landkreis Vechta. Aber als ehrenamtlicher Wolfsberater für den Nordkreis Diepholz weiß Lars Pump, welche zeitliche Belastung für den jungen Familienvater im Südkreis noch bleibt. Im Nordkreis sei es in jüngster Zeit relativ ruhig. Acht Fälle hat Pump bisher bearbeitet – und außerdem Gespräche mit Tierhaltern geführt. Er kann verstehen, wie sie den Verlust eines Tieres an den Wolf empfinden. Betroffene ausgenommen, wünscht sich Pump aber grundsätzlich mehr Sachlichkeit in der Diskussion über den Wolf: „Man sollte es ruhiger angehen“, hofft er auf einen realitätsnahen, sachorientierten Dialog.

Erst vor 22 Tagen hatte der Wolf noch für drangvolle Enge in der Twistringer Penne gesorgt. Dort hatte Landesjägerschaftspräsident Helmut Dammann-Tamke in seiner Funktion als agrarpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion gefordert: „Wölfe, die durch wiederholte Nutztierrisse auffallen, müssen entnommen werden.“ Sprich: erschossen (wir berichteten). Dort war auch die Frage gestellt worden, ob die Wolfsberatung überhaupt noch ehrenamtlich geleistet werden kann.

Rubriklistenbild: © dpa

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