Jägermeister äußert sich

Wolfsrudel siedelt sich im Landkreis Diepholz an: Noch geschützt – bald bejagbar?

Mindestens ein Wolfsrudel hat sich im Landkreis Diepholz angesiedelt. Noch sind die Tiere streng geschützt. Sie könnten aber bejagbar werden – dann, wenn der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird. Kreisjägermeister Cord-Hinrich Hespe hält genau das für richtig. In naher Zukunft sieht er das aber nicht.

Landkreis Diepholz – Die einen schätzen ihn als faszinierendes Wildtier, die anderen geißeln ihn als unerwünschten Räuber: Der Wolf polarisiert. Mindestens ein Rudel hat sich seinen Lebensraum im Landkreis Diepholz erobert, nachgewiesen im Raum Barnstorf/Goldenstedt. Wahrscheinlich, so glauben Naturfreunde und Jäger gleichermaßen, lebt ein zweites in der Diepholzer Moorniederung. Noch sind die Tiere streng geschützt. Niedersachsen jedoch will den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen. Genau das hält Cord-Hinrich Hespe als Kreisjägermeister für richtig. Doch bis zum Abschuss ist es noch ein weiter Weg.

Wolfsrudel im Landkreis Diepholz: Mehr als 400 Wölfe in ganz Deutschland

Denn das Bundesumweltministerium erteilt der Initiative des Niedersächsischen Landtags, die Wolfspopulation durch Abschuss kontrollieren zu dürfen, eine klare Absage. Es verweist auf europaweit einheitliche Kriterien, die unbedingt berücksichtigt werden müssten. Der Naturschutzbund NABU hält die niedersächsische Wolfsverordnung ohnehin für rechtswidrig und hat bei der EU Beschwerde dagegen eingelegt.

Bald Beute für die Jäger? Der Wolf soll ins Jagdrecht und damit zum Abschuss freigegeben werden.

Doch für den Kreisjägermeister ist klar: „Das muss kommen“, sagt er zur Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht. Denn allein in Niedersachsen würden nachweislich bereits 35 Rudel und zwei territoriale Paare, sprich Wölfe auf der Suche nach einem eigenen Revier, leben. In Deutschland seien es mehr als 150 Rudel: „Wir reden in Deutschland über mehr als 400 Wölfe“, so Cord-Hinrich Hespe. Deren Zuwachs betrage pro Jahr 30 Prozent, betont der Kreisjägermeister – und erklärt die Dynamik an einem Rechenbeispiel.

Wolfsrudel im Landkreis Diepholz: Verhalten des Wildes ändert sich

Wenn ein Wolfspaar vier Welpen habe, dann wäre das Rudel in einem weiteren Jahr schon zehn Tiere stark. Denn ein ganzes Jahr bleiben die Jungtiere noch bei ihren Eltern, auch wenn neue Junge geboren werden – etwa im Mai/Juni. Bei zwei Rudeln im Landkreis Diepholz würde das 20 Wölfe in diesem Lebensraum bedeuten. Die reale Zahl kennt im Augenblick aber niemand. Für den Kreisjägermeister jedoch ist klar: „Der Wolf ist ein Kulturfolger und passt sich dem Menschen an.“

Erste Wahl bei seiner Beute sei Reh- und Damwild. „Das macht sich bei uns in der Region schon bemerkbar“, sagt Cord-Hinrich Hespe. Außerdem verhalte das Wild sich anders, sei viel scheuer als bisher. Ausgewachsenen Wildschweinen kann der Wolf kaum gefährlich werden, wie ein Video der Landesjägerschaft schon vor Jahren zeigte. „Frischlinge bis etwa 15 Kilogramm schaffen sie aber“, erläutert der Kreisjägermeister.

Warum die Wolfspopulation begrenzt werden muss, erklärt Cord-Hinrich Hespe mit Zahlen: „Schweden duldet nur die Obergrenze von 300 Wölfen.“ Und das bei einer Landesgröße von rund 450.300 Quadratkilometern sowie 10,3 Millionen Einwohnern, während im 357.400 Quadratkilometer großen Deutschland rund 82 Millionen Menschen leben – und besagte mehr als 400 Wölfe. Estland will seinen Wolfsbestand halbieren, bis zu 140 Tiere sollen dafür ihr Leben lassen – die bisher höchste Abschussquote seit Estlands EU-Beitritt.

Wölfe in Niedersachsen: Landwirtschaft und Nutztierhaltung müssen geschützt werden

Niedersachsen sei ein Flächenland, Landwirtschaft und Nutztierhaltung würden hier eine größere Rolle spielen als in anderen Bundesländern, betont der Kreisjägermeister. Zu deren Schutz die Landschaft einzuzäunen, „das kann nicht zielführend sein“, sagt Hespe. Und: In Niedersachsen gebe es „mehr Dorfbewohner und mehr Dorfkinder“. Auch sie müssten nachhaltig geschützt werden.

Noch ist die tatsächliche Bestandsdezimierung des Wolfes kein Thema. Selbst wenn der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen würde, müssten zunächst Managementpläne erarbeitet werden, die genau auf die Entwicklung der Wolfspopulation abgestimmt sind. Könnten dann alle knapp 2 000 Inhaber von Jagdscheinen im Landkreis Diepholz auf Wolfsjagd gehen? Cord-Hinrich Hespe verneint. „Das können nur Jagdpächter oder Eigenjagdbesitzer mit Jagdschein.“ Selbstverständlich müssten sie ihre Reviergrenzen beachten, sagt der in Drentwede lebende Kreisjägermeister: „Selbst ich kann nicht in Bassum oder Heiligenloh ein Reh jagen“, nennt er ein Beispiel, „das wäre Wilderei.“

Außerdem könnte die Jagdzeit ein starkes Regulativ sein. Denn nur in dieser streng begrenzten Zeit dürfte der Wolf dann bejagt werden. Solche Grenzen gelten für fast alle Tierarten. Ausnahme: das Schwarzwild, soweit es sich nicht um führende Bachen handelt – sprich Muttertiere mit Frischlingen.

Für Cord-Hinrich Hespe gehört der Wolf ins Jagdrecht.

Gerade um die gefährliche Afrikanische Schweinepest im Landkreis zu verhindern, werden Wildschweine stark bejagt. 1 090 Stück hatten die Jäger im Landkreis Diepholz im Jagdjahr 19/20 erlegt, so der Kreisjägermeister: „Das war Rekord“, denn im Vergleich zum Vorjahr lag die Steigerung bei 29 Prozent, sprich 18/19 waren 845 Wildschweine erlegt worden. Wie viele es 20/21 werden, steht noch nicht fest.

Cord-Hinrich Hespe schätzt aber, „dass wir uns zwischen diesen beiden Werten bewegen werden“. Die Listen müssen bis zum 15. Februar abgegeben werden.

Rubriklistenbild: © dpa/Lino Mirgeler

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

S04-Debakel nach Wirbel um Gross - RB bleibt an Bayern dran

S04-Debakel nach Wirbel um Gross - RB bleibt an Bayern dran

«Let's Dance»: Fußballer hängt «Mr. Tagesschau» ab

«Let's Dance»: Fußballer hängt «Mr. Tagesschau» ab

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Absolut genial: Was Sie mit Salz alles reinigen können

Absolut genial: Was Sie mit Salz alles reinigen können

Meistgelesene Artikel

Trotz Corona-Lockdown: Viele Leute treffen sich zum Feiern, Grillen, Prügeln und Bolzen

Trotz Corona-Lockdown: Viele Leute treffen sich zum Feiern, Grillen, Prügeln und Bolzen

Trotz Corona-Lockdown: Viele Leute treffen sich zum Feiern, Grillen, Prügeln und Bolzen
Schwerer Unfall auf der B61: Autofahrerin überschlägt sich mit ihrem Nissan

Schwerer Unfall auf der B61: Autofahrerin überschlägt sich mit ihrem Nissan

Schwerer Unfall auf der B61: Autofahrerin überschlägt sich mit ihrem Nissan
Nach Wohnungsbrand: Mieter hat alles verloren – aber eine Erkenntnis gewonnen ❤

Nach Wohnungsbrand: Mieter hat alles verloren – aber eine Erkenntnis gewonnen ❤

Nach Wohnungsbrand: Mieter hat alles verloren – aber eine Erkenntnis gewonnen ❤
Lena und Jörg Wantjer hauchen Hofstelle in Bahrenborstel neues Leben ein

Lena und Jörg Wantjer hauchen Hofstelle in Bahrenborstel neues Leben ein

Lena und Jörg Wantjer hauchen Hofstelle in Bahrenborstel neues Leben ein

Kommentare