Neue Bildbeweise / Zwei tote Tiere

Spaziergänger begegnen Wolf in Drentwede

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Näher dran geht nicht: Der Wolf in Drentwede war kein bisschen ängstlich und blieb stehen, als sich die Spaziergänger näherten.

Drentwede - Von Anke Seidel. Der Wolf hält eine ganze Region in Atem: In Drentwede begegnete er am Sonnabend kurz vor 18 Uhr im Bereich zwischen Sportplatz und Bahn zwei Menschen, die mit ihrem Hund unterwegs waren.

Als sie das Wildtier – ganz offensichtlich eine Fähe, ein weibliches Tier – sichteten, stiegen sie vorsichtshalber in ihren Wagen. „Das Tier näherte sich dem Auto bis auf acht Meter“, berichtet Wolfsbeauftragter Dr. Marcel Holy.

Einer der Beteiligten sei dann ausgestiegen, um den Wolf zu fotografieren – was auch gelang. „Die Wölfin war kein bisschen ängstlich und blieb stehen, als ich aus dem Auto ausstieg. Sie stellte sich quer und sah mich an. Dort blieb sie stehen, bis ich wieder ins Auto eingestiegen war“, schildert der Fotograf, der namentlich nicht genannt werden möchte, seine Begegnung mit dem Wildtier.

Die Fotos liegen dem Wolfsbeauftragten vor. „Die Fotos sind authentisch. Ich war am Ort der Aufnahmen“, bestätigt Marcel Holy. Er hat ein weiteres Wolfsbild erhalten, das ein Spaziergänger im nur wenige Kilometer entfernten Wohlstreck aufnahm. Ihm hatte sich der Wolf etwa bis auf zehn Meter genähert, so Jagdpächter Heinrich Wiechers aus Drentwede. Einen weiteren Bildbeweis lieferte die Wildkamera, die Marcel Holy in Rüssen installiert hatte. Das Bild von einem Wolf war in der Nacht zum 27. Februar aufgenommen worden. Außerdem besitzt Holy zwei weitere Fotos aus einer Wildkamera im Drebber Moor, die höchstwahrscheinlich einen Wolf zeigen.

Das Kamerunschaf war in der Nacht von Freitag auf Sonnabend gerissen worden.

Der ehrenamtliche Wolfsberater stößt seit Monaten an seine zeitlichen Grenzen. Denn immer wieder ist er gefragt – am Wochenende außerdem bei zwei toten Tieren, die höchstwahrscheinlich vom Wolf gerissen worden waren: Ein Kamerunschaf und ein Hirschkalb, beide in Drentwede. Wie Heinrich Wiechers berichtet, war das Kamerunschaf in der Nacht von Freitag auf Sonnabend in einer Koppel an der Birkenstraße gerissen worden: „Das tote Tier lag acht Meter vom Schlafzimmerfenster entfernt.“ Die Besitzer, die Schafe als Hobby halten, hätten noch gegen 23 Uhr nach den insgesamt drei Tieren auf der Koppel gesehen. Sie ist mit einem etwa einem Meter hohen Zaun gesichert. Am toten Tier sei der für einen Wolf typische Kehlbiss festgestellt worden. Allerdings sei nicht viel vom Schaf gefressen worden: „Ein halbes Kilo vielleicht...“

Hier wurden Wölfe gesichtet

Der untergehenden Sonne entgegen: Mit einer Fotofalle gelang Helge John im Juli 2011 auf dem Truppenübungsplatz Munster-Nord dieser seltene Schnappschuss. © Helge John
Im August 2013 löst in Bergen auf einem Truppenübungsplatz dieser Welpe eine Fotofalle aus. © dpa
Am 10. April 2014 fotografierte Patrick Kölpin diesen Wolf bei Barnstorf. © Patrick Kölpin
Am 19. Januar läuft in Heinschenwalde im Landkreis Rotenburg dieser Wolf in eine Fotofalle. © Kuball
Das ist der Wolf, der sich am 27. Februar 2015 gegen 17 Uhr in der Nähe von Landesbergen ganz nah an ein Auto herantraute und sich fotografieren ließ. © Ulrich Runde
Ungewöhnlich: Sabrina Johannes fotografierte am 1. März 2015 diesen Wolf mitten in einem Wohngebiet. © Sabrina Johannes
Cedrik Ebenthal aus Wildeshausen hat den Wolf auch gesehen. Er war mit dem Hund auf dem Marschweg. "Ich dachte, mein Hund hat einen neuen Freund gefunden. Und dann wurden wir 100 Meter von dem (jungen) Wolf verfolgt. Er ist bis auf fünf Meter zu mir ran gekommen. Die beiden haben sich noch beschnuppert, bis ich gesehen habe, dass es kein Streuner, sondern der Wolf ist." © Cedrik Ebenthal
Am 28. Februar 2015 fotografierten Spaziergänger diesen Wolf in Drentwede. © Nutzungsrecht Mediengruppe Kreiszeitung
In mindestens fünf Fällen hat nachweislich der Wolf im Landkreis Diepholz Schafe gerisssen. Das beweisen DNA-Proben nach der Untersuchung im Senckenberg-Institut in Frankfurt. Weitere Untersuchungen laufen. © Patrick Kölpin
Ratschläge für den richtigen Umgang mit einem Wolf gibt etwa die Wolfsregion Lausitz auf ihrer Homepage (http://www.wolfsregion-lausitz.de/faq). © dpa
Eine zufällige Begegnung von Mensch und Wolf, etwa beim Pilzesuchen im Wolfsgebiet, ist sehr selten, da Wölfe den Menschen meist zuerst bemerken und sich dann nicht zeigen. © dpa-mzv
Dennoch ist sie, beispielsweise bei ungünstigen Windverhältnissen, nicht gänzlich auszuschließen. © dpa
Deutlich wahrscheinlicher ist im Wolfsgebiet aber eine zufällige Beobachtung vom Auto aus, wenn ein Wolf nachts eine Straße überquert. © dpa
Grundsätzlich gilt: Wenn Sie einen Wolf sehen, verhalten Sie sich bitte ruhig. © dpa
Bleiben Sie stehen und halten Sie Abstand. © picture-alliance/ dpa
Sprechen Sie das Tier ruhig an, falls es noch nicht auf Sie aufmerksam geworden ist. © dpa
Bevor es (vermutlich rasch) verschwindet, versuchen Sie sich sein Aussehen gut einzuprägen und melden Sie die Sichtung. © picture-alliance/ dpa
Von einem gesunden wildlebenden Wolf geht in der Regel keine Gefahr aus, denn der Mensch zählt nicht zu seiner natürlichen Beute. © dpa
Wölfe meiden normalerweise Begegnungen mit Menschen. © picture alliance / dpa
Sie reagieren auf Menschen mit äußerster Vorsicht und in der Regel nicht aggressiv. © dpa
Berichte über Angriffe aus früheren Jahrhunderten, lassen sich zum größten Teil auf tollwütige Wölfe zurückführen. © dpa
Die instinktive Vorsicht, die gesunde Wölfe vor Menschen haben, kann verloren gehen, wenn die Tiere zum Beispiel über lange Zeit gezielt angefüttert werden. © dpa
Eine daraus resultierende Gewöhnung kann zu problematischen Verhalten führen. © picture alliance / dpa
Weiter heißt es auch: Wölfe können nicht zwischen wildlebenden und domestizierten Huftieren unterscheiden. © picture alliance / dpa
Treffen sie bei ihren Streifzügen auf unzureichend geschützte Nutztiere, zum Beispiel eine Schafherde, ergreifen sie meist ihre Chance auf diese ungewöhnlich leicht zu überwältigende Beute. © picture alliance / dpa

Anders war das bei dem toten Hirschkalb, das am Sonntagmorgen auf einer Wiese an der Drentweder Straße Fresenheede gefunden worden war. Bis zu vier Kilogramm Fleisch fehlten. „Das Kalb ist ganz sicher in der Nacht davor geschlagen worden“, so Heinrich Wiechers. Das Tier sei in der Nähe eines Wohnhauses gefunden worden. „Höchstens hundert Meter“, so der Jagdpächter, habe der Abstand betragen.

Wolfsbeauftrager Marcel Holy hat beide Tiere untersucht – und bei beiden den wolfstypischen Kehlbiss entdeckt. Auch wenn alle Spuren auf einen Wolf hindeuten: Zweifelsfrei kann das nur das Ergebnis der DNA-Proben beweisen, die der Wolfsberater an den toten Tieren genommen hat.

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