Angriff auf Schafherde

Wölfe im Kreis Diepholz: Mehrere Sichtungen bei Drentwede

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Auf eine Weide nahe der Bundesstraße 51 in Drentwede wurden Ende Oktober zwei Schafe getötet.

Rund um Drentwede und Goldenstedt sind in den vergangenen Wochen offenbar mehrfach Wölfe gesichtet worden. Die Jäger und Schafsbesitzer sind alarmiert und beobachten die Situation genau. Ende Oktober wurden zwei Schafe auf einen Schlag getötet.

  • Mehrfach wurden Wölfe im Landkreis Diepholz gesichtet
  • Zuletzt rund um Drentwede und Goldenstedt
  • Eingezäunte Schafe gerissen

Drentwede - In der Zooserie „Nashorn, Zebra & Co.“, die im Jahr 2011 gedreht wurde und nun im Westdeutschen Rundfunk wiederholt wird, heißt es, dass die Begegnung mit einem Wolf in der freien Natur so unwahrscheinlich sei wie ein Lottogewinn. Wenn diese Annahme heute noch Bestand hätte, wäre Sven Hoge wohl schon Multimillionär. Der Landwirt aus Bockstedt hat in den vergangenen Wochen mehrfach einen Wolf in der Nähe seines Hofes gesehen, zuletzt auf einer Straße zwischen Aldorf und Bockstedt. „Dort habe ich den Wolf dann fotografiert und sogar ein Video aufnehmen können“, berichtet der Landwirt.

Hinweise auf mehrere Wölfe

Sven Hoge hat seine Aufnahmen mit anderen aktuellen Bildern aus den Medien verglichen und ist davon überzeugt, dass es sich um den jungen Rüden handelt, der schon seit mehreren Monaten durch die Landschaft streift und offenbar wenig Scheu vor Menschen hat, wie der jüngste Spaziergang durch eine Wohnsiedlung in Goldenstedt zeigt. Allerdings stellt sich vielen Landwirten, Jägern und Naturschützern in diesen Tagen die Frage, ob es der einzige Wolf ist, der sich zurzeit in der heimischen Region aufhält. Inzwischen verdichten sich die Hinweise auf weitere Artgenossen.

„Es gibt immer wieder Sichtungen“, berichtet Hegeringleiter Cord-Hinrich Hespe aus Bockstedt, der mit seinen Mitgliedern aus dem Hegering Barnstorf in engem Austausch steht. Er geht davon aus, dass aktuell mindestens zwei Wölfe unterwegs sind. Darauf lasse auch die Beobachtung eines Jägers schließen, der kürzlich einen Wolf am späten Vormittag im Raum Drentwede gesehen habe. Nur etwa zwei Stunden später sei ein Wolf im Raum Goldenstedt fotografiert worden. „Das ist unwahrscheinlich, dass es dasselbe Tier ist“, meint Hespe aufgrund der großen Entfernung zwischen beiden Orten.

Video stärkt Verdacht auf weitere Wölfe

Diese Vermutung bestätigt ein Video, von dem Wolfsberater Dr. Marcel Holy im Gespräch mit dieser Zeitung berichtet. Er schildert eine Aufnahme, die Ende August entstanden sein und zwei Wölfe zeigen soll. Allerdings ließe sich die Identität nicht feststellen, weil das Video in der Dunkelheit gedreht worden sei und Details kaum zu erkennen wären. Ob es sich sogar um die Goldenstedter Wölfin handelt, von der es schon seit Monaten keine klaren Spuren oder Sichtungen gibt, ist fraglich.

Nähere Aufschlüsse über die Identität der Raubtiere könnten die DNA-Proben geben, die der Wolfsberater aus Hüde erst kürzlich auf einer Schafweide nahe der Bundesstraße 51 in Drentwede sichern konnte. Dort wurden am 30. Oktober zwei von acht Schafen getötet. Sie hätten die wolfstypischen Verletzungen und Bisse aufgewiesen, berichtet Tierhalter Günter Bokelmann gegenüber dieser Zeitung. Er ist mit Blick auf das vorliegende Bildmaterial überzeugt: „Das war ein Wolf.“

Bericht über Wolfsrisse im Urlaub erhalten

Bokelmann war gerade auf Urlaubsreise nach Frankreich, als ihn die Hiobsbotschaft aus der Heimat einholte. In diesem Moment musste er innehalten. Es wurden Erinnerungen wach, denn es war bereits das vierte Mal, dass sich der Schafhalter aus Heiligenloh mit einem Angriff eines Wolfes konfrontiert sah. Im Jahr 2015 wurden seine Schafe von der Goldenstedter Wölfin gerissen. 2017 musste er zwei weitere Übergriffe hinnehmen.

„Ich hatte die Weide wolfssicher eingezäunt und gehofft, dass nichts passiert“, so Bokelmann weiter. Aber der 1,20 Meter hohe Zaun, der mit zusätzlichen Litzen ausgestattet ist, reichte bei der Sprungkraft des Wolfes offenbar nicht aus. Unmittelbar nach dem Vorfall brachte seine Familie sämtliche Tiere, die sich auf der betreffenden Weide sowie auf sechs weiteren Flächen in der Gemeinde Drentwede aufhielten, in den Stall nach Heiligenloh.

Bokelmann will an Schafen festhalten - trotz Wölfen

Im Gegensatz zu vielen anderen Tierhaltern, die ihre kleinen Schafherden in den vergangenen Jahren aufgrund der zunehmenden Wolfsrisse aufgegeben haben, will Bokelmann gerne an der Beschäftigung festhalten. Allerdings stellen ihn die Schutzmaßnahmen vor eine Herausforderung. Die Ausrüstung der Weiden mit Elektrozäunen sei mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden. „Das sprengt meinen Haushalt“, sagt der Heiligenloher.

Er hofft nun, dass die jüngsten Risse von der Behörde anerkannt werden und es eine entsprechende Entschädigung gibt. Doch dafür muss zunächst das Ergebnis der DNA-Proben, die im Forschungsinstitut Senckenberg untersucht werden, abgewartet werden. Dies kann einige Wochen dauern. Gut möglich, dass der genetische Abgleich nähere Erkenntnisse über die Identität und Herkunft der Wölfe in der Region liefert.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir berichtet, dass sechs Schafe gerissen wurden, richtig ist, dass zwei von acht Tieren getötet wurden.

Wölfe sind in der Region inzwischen oft gesehene Gäste. Nun ist in Diepholz mehrfach ein Wolf gesichtet worden. Rinderzüchter berichten von einem Kalbsriss.

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