Antwort des Umweltministeriums

Wolf trabt auf Häuser zu: Ist das noch normales Verhalten?

Einen Wolf beobachtete Heimo Schulte, der nur 20 Meter von seiner Terrasse entfernt war. Foto: Schulte
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Heimo Schulte beobachtete einen Wolf, der nur 20 Meter von seiner Terrasse entfernt war.

Ein Wolf ist nun in der Samtgemeinde Barnstorf (Landkreis Diepholz) gesichtet worden. Er kam ganz nah an ein Haus. Ist das noch normales Verhalten?

  • Wolf in Samtgemeinde Barnstorf gesichtet
  • Wolf kam Wohnhaus in Rechtern sehr nah
  • Ist Verhalten des Wolfes noch normal? Umweltministerium antwortet

Rechtern - Heimo Schulte schaut aus dem Fenster seines Hauses in der Samtgemeinde Barnstorf und bemerkt einen großen Hund, der vom Hunteufer kommend über eine Weide läuft. Er kommt in seine Richtung. „Je näher er gekommen ist, umso deutlicher wurde: Es ist ein Wolf“, sagte Schulte. Ohne Vorsicht und ohne Deckung sei er auf die Häuser zu getrabt.

Heimo Schulte wohnt mit seiner Frau Ulrike am Dorfrand von Rechtern. „Bis zur Hunte sind es keine 100 Meter über unsere Obstwiese“, erklärt er. Nebenan ist eine Weide für Pferde und Rinder, auf der anderen Seite ist ein Reitplatz.

Wolf im Landkreis Diepholz gesichtet - Tier auf der Terrasse

Als der Wolf kaum noch 20 Meter von Schultes Haus entfernt war, öffnete der Beobachter die Tür und ging auf die Terrasse, „um besser sehen zu können“. Der Wolf habe ihn bemerkt und sei stehen geblieben. „Es scheint ihn aber nicht beunruhigt zu haben“, beschreibt er die Wolfsbegegnung. Das Tier sei daraufhin nicht weiter in Richtung Schultes Terrasse, sondern Richtung Reitplatz gelaufen. „Dann blieb er wieder stehen und kam zurück“, sagte er. Parallel zur Häuserreihe sei der Wolf gelaufen, rüber zum Nachbarn. „Den haben wir angerufen, denn dort stehen junge Kälber auf der Weide“, erklärte Schulte.

Der Wolf wurde auch von drei Pferden und Ponys bemerkt. Sie haben laut Schulte anders reagiert als bei Hunden: „Diese Pferde kennen Hunde und ignorieren sie in der Regel.“ Den Wolf hätten sie aber angegriffen und über die Weide gejagt. „Sie werden wohl das Raubtier erkannt und deshalb aggressiv reagiert haben“, glaubt Heimo Schulte. Für ihn sei die Begegnung faszinierend gewesen. „Angeblich haben nur wenige Menschen das Glück, einem Wolf so nahe zu kommen“, freute er sich. Trotzdem stellt sich ihm nun die Frage, ob das ein einmaliges Ereignis war. „Oder kommt er jetzt regelmäßig und bringt demnächst auch noch seine Kumpels mit?“

Wolf in Barnstorf gesichtet - Territorium eines Rudels

Lotta Cordes, stellvertretende Pressesprecherin des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt: „Der Bereich Barnstorf gehört zum Territorium eines Wolfsrudels.“ Grundsätzlich sei nicht ausgeschlossen, dass ein Wolf noch einmal an diesem Haus vorbei läuft. Die Anwesenheit von Wölfen in einem Gebiet bedeute aber nicht, dass sie ständig an einem Ort auftauchen.

Schulte sorgt sich auch um Kinder und Enkelkinder von Anwohnern, die im Sommer gerne auf den anliegenden Wiesen zelten: „Wie fühlt sich das für sie an? Können sie überhaupt noch zelten?“ Auch darauf hatte Cordes eine Antwort: „Auch in Gebieten, in denen Wölfe leben, kann man sich weiterhin frei bewegen und die Natur nutzen.“ Bei Begegnungen mit Wölfen sollten Menschen das Tier beobachten und respektvoll Abstand halten, so Cordes. Fühlt man sich unwohl, solle man sich langsam zurückziehen, aber nicht wegrennen. Zudem sei es wichtig, dass der Mensch dem Wolf genug Zeit und Raum zum Rückzug gibt.

Der Wolf, den er beobachtet hat, sei überhaupt nicht scheu gewesen, er schien neugierig und auf Ausschau nach leichter Beute gewesen zu sein, erklärte Schulte. Er fragte sich, ob dieser Wolf bereits als verhaltensauffällig einzustufen ist. „Nach erster Einschätzung der beschriebenen Situation, folgte der Wolf hier weiter seinem eingeschlagenen Weg“, erklärte Lotta Cordes. Im Bereich Barnstorf sei es aber im vergangenen Spätsommer und Herbst zu vermehrten Meldungen eines Wolfsrüden gekommen, der eine vergleichsweise hohe Toleranz für die Anwesenheit von Menschen zeigte, so das Niedersächsische Umweltministerium. Bei Begegnungen habe sich der Wolf aber immer zurückgezogen. Das Wolfsbüro beobachte die Situation vor Ort.

Mit Paint-Ball-Munition gegen den Wolf?

Muss man ihn bei Wiederholung abschießen? „Wäre es nicht richtiger, seine Lernfähigkeit und Intelligenz zu nutzen und die Grenzen deutlich zu machen?“, fragte Schulte und schlug vor, den Wolf scheu zu machen, sodass er lernt, die menschliche Umgebung und Nähe zu vermeiden.

Durch eigene Internetrecherche ist Heimo Schule auf Karsten Arnold, Projektleiter für die Stiftung Save-Wildlife im Nationalpark im Nordosten Brandenburgs, gestoßen. Arnold schlage vor, Wölfe, die Menschen zu nahe kommen, mit Paint-Ball-Munition zu beschießen und auf diese Weise zu vergrämen. Schulte findet diesen Vorschlag gut: „Das Vorgehen erscheint mir wirklich sinnvoller als die aktuelle Linie: Abwarten bis der Abschuss unausweichlich ist.“ 

Das Umweltministerium Niedersachsen schätzt die Erfolgschancen des Vergrämens als gering ein: „Diese Maßnahme ist im Umgang mit Wölfen schwierig durchzuführen.“ Sie funktioniere nur dann, wenn immer das selbe Tier dieser „Lernerfahrung“ ausgesetzt ist. Es sei aber fast unmöglich zu wissen, wann welcher Wolf wo auftaucht. Erfahrungen aus Schweden und den USA hätten gezeigt, dass die oben beschriebene Art der gezielten Vergrämung einzelner Tiere nur sehr begrenzte Erfolge bringt, so Cordes.

Das Niedersächsische Umweltministerium bittet darum, Begegnungen mit Wölfen zu melden, sodass Kontakt mit den Betroffenen aufgenommen werden kann, um die jeweilige Situation besser beurteilen zu können. Die Möglichkeit eine Sichtung zu melden, haben Betroffene über die Datenbank der Landesjägerschaft Niedersachsen (www.wolfsmonitoring.com) oder direkt über das Wolfsbüro unter Tel. 0511 / 30343034 oder per Mail an wolfsbuero@nlwkn-h.niedersachsen.de.

Zuletzt wurden im November 2019 mehrfach Wölfe im Landkreis Diepholz gesichtet.

Wolf im Normalfall für Menschen ungefährlich

„Der Wolf ist für den Menschen normalerweise ungefährlich. Die Tiere gehen den Menschen meist aus dem Weg, wobei junge Wölfe neugieriger sein können als ausgewachsene Tiere. Autos und Häuser werden vom Wolf nicht mit dem Menschen in Verbindung gebracht. Daher werden sie von den Tieren nicht als Bedrohung empfunden und nicht unbedingt gemieden. Wölfe nutzen Siedlungsbereiche als normale Bestandteile ihres Lebensraumes. Meist in der Dämmerung und bei Nacht, wenn sie vom Menschen weniger gestört werden. 

Manchmal kommen sie aber aber auch tagsüber in Siedlungsgebiete. Bei Begegnungen mit Menschen zieht sich das Tier in der Regel zurück. Der Rückzug kann fluchtartig geschehen oder in Ruhe, das ist abhängig von der individuellen Fluchtdistanz eines jeden einzelnen Individuums. Der Wolf entfernt sich zum Beispiel durch langsames Davontraben. Dabei kann es vorkommen, dass sich das Tier dabei auch mehrfach umdreht. Wenn ein Mensch in einiger Distanz steht, folgt ein Wolf häufig auch einfach weiter seinem eingeschlagenen Weg, wenn ihn dieser nicht wesentlich näher an den Menschen heranbringt. Jungtiere können unter Umständen eine Begegnungssituation noch nicht so gut einschätzen und reagieren dadurch weniger flüchtig oder sogar etwas neugierig. Aber auch sie ziehen sich in der Regel nach einer gewissen Zeit zurück.“

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