Eigenentwurf zum Schutz der Pferde

Sonja Knüppel möchte Wolfs-Abwehrzaun bauen – das ist gar nicht so einfach

Wo kein Wolf raus kommt, kommt auch keiner rein: Sonja Knüppel hat für den Schutz ihrer Pferde die Umzäunung von Wolfsgehegen zugrunde gelegt.
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Wo kein Wolf raus kommt, kommt auch keiner rein: Sonja Knüppel hat für den Schutz ihrer Pferde die Umzäunung von Wolfsgehegen zugrunde gelegt.

Der Schutz vor Wolfsübergriffen ist nicht mehr länger nur bei den Nutztierhaltern ein Thema. Auch private Pferdebesitzer bangen um ihre vierbeinigen Freunde. Sonja Knüppel aus Barnstorf möchte nicht erst warten, bis ihren vier Großpferden etwas passiert. Präventiv möchte sie auf einer abgeteilten Fläche ihres Hofes eine Einzäunung – einen Pferch – zur Wolfsabwehr errichten, mit dem ihre Pferde in der Nacht geschützt sind, wenn diese ab Mai die Nächte wieder im Freien verbringen.

Barnstorf – Getreu dem Motto „Wo kein Wolf raus kommt, kommt auch keiner rein, orientierte sie sich bei ihrem Entwurf an der Umzäunung von Wolfsgehegen. „Doch ob ich dass so umsetzen darf, kann mir niemand so recht sagen“, so die Reiterin, die so kostengünstig wie möglich einfach nur ihre Lieblinge schützen will. „Nicht jeder Reiter schwimmt im Geld. Wir haben keine teuren Zuchtpferde und wollen nur die ‚Familienmitglieder’, die uns am Herzen liegen, schützen, bevor sie negative Erfahrungen mit dem Wolf machen. Denn dann sind die Tiere für’s Leben gezeichnet und im Gelände, wenn’s ganz böse kommt, aus Angst vor einer erneuten Auseinandersetzung, nicht mehr reitbar.“ Doch präventiv scheint es sehr schwierig zu sein, Zäune zu errichten. „So etwas ist für private Tierhalter erst erlaubt, wenn durch einen Zwischenfall Krisenintervention betrieben werden muss.“

Zaun zur Wolfsabwehr: Samtgemeinde Barnstorf verweist auf Bauamt

„Von dem Gedanken einer finanziellen Förderung habe ich mich schnell verabschiedet. Der Vorteil: Mehr Freiheit in der Planung“, sagt die Pferdefrau. Für ihren Denkansatz suchte sie erst Rat bei Wolfsexperte Dr. Marcel Holy und beim Nabu. „Richtig weitergeholfen hat das alles nicht.“ Die Samtgemeinde Barnstorf verwies Knüppel zwecks genauerer Informationen an das Bauamt des Landkreises. „Meiner Nachfrage, wie ich solch ein Zaunprojekt realisieren kann, folgte die Aufforderung, einen Bauantrag architektengestützt einzureichen. Doch auch hier kam der Hinweis, dass Nachbesserungen eventuell notwendig seien. Wie ich das von vornherein umgehen und gleich alles richtig machen kann, konnte mir keiner sagen.“ Jeder, den sie um Rat gefragt habe, habe sich freundlich bemüht, ihr zu helfen, betont Sonja Knüppel. „Aber es scheint bei Zaunbauten dieser Art insgesamt auch auf behördlicher Seite große Unsicherheiten zu geben.“

Barnstorf: „Vor sieben Jahren gab es hier die erste Wolfsspur“

Wenn sich Wolfsverfechter, Wolfsgegner, Nutztierhalter und auch private Tierhalter alle an einen Tisch setzen würden, um zum Wohl der eigenen Tiere, aber auch zum Wohl des Wolfes, Kompromisse zu finden, wäre das eine optimale Lösung. „Wenn ich verhindern kann, dass der Wolf an meine Pferde herankommt, gibt es keinen Negativkontakt und es könnte eine Koexistenz geben.“ Meine Pferde wären nicht verschreckt oder verletzt und der Wolf hätte gelernt, dass ihm dieser Beutezug nichts bringt“, versetzt sich Knüppel in die Psyche des Grautiers.

„Vor sieben Jahren gab es hier die erste Wolfsspur und es ist lange nichts passiert. Bis heute hat sich einiges verändert – auch in meinen Gefühlen für oder gegen den Wolf“, stellt sie heraus, dass sie „Meister Isegrim“ nicht unbedingt negativ gegenüber einstellt sei. „Wölfe sind faszinierende Tiere.“ Doch die Fotos von dem achtköpfigen Rudel in Telbrake und dass Nachbarn bereits von Nutztierrissen nicht verschont blieben, sorgt auch bei ihr für zunehmendes Magendrücken.

Einbruchssicher

„Wo kein Wolf rauskommt, kommt auch keiner rein“, so der Grundgedanke von Sonja Knüppel. Gut zwei Meter Höhe soll der Zaun aus engmaschigem Viereckgeflecht nach oben haben. Dazu im unteren Zaunbereich außenliegend eine stromführende Litze 20 Zentimeter über dem Boden mit 15 Zentimetern Abstand zum Geflechtzaun – als Untergrabschutz. 60 Zentimeter über dem Boden soll eine weitere stromführende Litze außenliegend angebracht werden, mit gleichem Abstand zum Zaungeflecht – als Kletterschutz und Schutz gegen das Durchbeißen des Geflechtzaunes. Nicht zuletzt eine doppelte stromgeführte Litze oberhalb auf der Entfernung von 15 und 30 Zentimetern soll als Überkletterschutz dienen.

„Der Geflechtzaun ist das haupttragende wolfsabweisende Element, das durch die zuvor genannten Maßnahmen verstärkt wird“, sagt Sonja Knüppel und betont, dass der Geflechtzaun nicht dazu diene, die Pferde innerhalb der Einfriedung zu halten. Dafür sollen die folgenden Maßnahmen sorgen: Zaunpfeiler aus Metall. Hinzu kommt eine Metallstange innenliegend auf der Höhe von 120 Zentimetern, über dem Boden wird der Zaun innen durch eine weitere Metallstange stabilisiert. Dies dient ebenso zur Sicherung der Pferde wie stromführende Breitbandlitzen innenliegend auf einer Höhe von 90 und 60 Zentimetern.

Ihr Mann Mirco, Jäger mit dem Revier direkt vor der Haustür, habe in der jüngsten Vergangenheit mehrere Tiere bei seinen Streifzügen den Wald gesehen. „Das beruhigt nicht gerade. Und in anderen Gegenden wurden auch schon Großpferde von Wölfen angegangen“, sagt sie. Da Großpferden die Möglichkeit zur Selbstverteidigung zugesprochen werde, seien präventive Schutzzäune für Hobbytierhalter fast unmöglich. Dem Argument, Wölfe würden nicht springen, sondern untergraben, um ihre Beute zu erhaschen, mit dem hohe Zäune Hobbytierhaltern präventiv hohe Zäune bisher verwehrt blieben, kann sie ebenfalls nicht folgen. Zwar sei die „springende“ Wölfin aus Goldenstedt tot (wir berichteten), „doch auch sie hat mit Sicherheit diese Fähigkeiten zum Beuteerwerb ihren Welpen weitergegeben.“

Wolf in Barnstorf: Zaunerrichtung hoher Aufwand mit rechtlichen Unsicherheiten

„Ich habe das Gefühl, ziemlich naiv gewesen zu sein, denn das eine Zaunerrichtung solch ein Aufwand mit rechtlichen Unsicherheiten wird, hätte ich nicht gedacht.“ Denn Sonja Knüppel weiß: Wird ihr Zaun genehmigt, ist es zunächst eine Duldung auf fünf Jahre. Diesbezüglich hat das Landesumweltministerium im November vergangenen Jahres den Bauaufsichtsbehörden der Landkreise eine kleine Hilfestellung gegeben. „Ich hoffe, dass das mein Vorhaben unterstützt.“

Tagsüber sollen die Pferde weiterhin auf den Weiden am Haus stehen.

Schutz von Pferden vor dem Wolf: Sonja Knüppel möchte Gleichgesinnte finden

Tagsüber seien ihre Tiere durch den Durchgangsverkehr und der Anwesenheit von Radfahrern und Spaziergängern auf den Weiden am Haus geschützt, ist die 47-Jährige froh und betont, dass sie nur diese kleine Fläche von rund 100 Laufmetern wolfssicher am Haus abzäunen möchte. „Ich möchte nicht, dass weder Kindern, die sich die Pferde anschauen noch Hunden von Spaziergängern etwas durch den Weidezaunstrom passiert“, sagt sie umsichtig und fügt hinzu „Der Geflechtzaun soll nicht dazu dienen, die Pferde innerhalb der Einfriedung zu halten.“ Hilfreich fände es Sonja Knüppel, wenn sich Gleichgesinnte finden würden, die in ihren Bauvorhaben bereits ähnliches umgesetzt haben oder planen.

„Ein Erfahrungsaustausch ist oft hilfreich, um alles richtig zu machen oder voranzukommen.“ Wer Sonja Knüppel kontaktieren möchte, kann dies per E-Mail an SonjaKnueppel@web.de gerne tun.

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