Kreistagsmitglied Friedrich Iven besorgt

Wölfin hat sechs Welpen

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Mit einer Wildkamera ist dieses Foto von einem der sechs jungen Wölfe entstanden, die Friedrich Iven im Raum Barnstorf gesichtet hat. Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft, liegen Fotos von insgesamt vier Jungtieren vor.

Barnstorf - Von Anke Seidel. Es ist eine stattliche Wolfsfamilie: Sechs Welpen hat offensichtlich das Paar bekommen, das durch Sichtungen und genauso durch genetisch untersuchte Risse von Nutztieren im Raum Barnstorf/Goldenstedt dokumentiert ist.

Der Jäger und SPD-Kreistagsabgeordnete Friedrich Iven hat die sechs Jungtiere im Raum Cornau selbst gesehen – und einen Welpen der scheuen Wildtiere am 5. August mit der Kamera dokumentiert. Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen, hält diese Zahl für absolut realistisch. Ihm liegen bereits Nachweise für vier Welpen im Landkreis Diepholz vor. „Wölfe können bis zu neun Welpen in einem Wurf bekommen“, so Reding.

Den bisherigen Erkenntnissen zufolge sind die Welpen in einer Wurfhöhle auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände in Mäkel (Samtgemeinde Barnstorf) zur Welt gekommen.

„Wir bekommen ein Riesenproblem“

Im Kreisentwicklungsausschuss, der im Dorfgemeinschaftshaus Wachendorf tagte, wies Iven auf die Folgen dieser Wolfspopulation im Raum Barnstorf/Goldenstedt hin: „Wir bekommen ein Riesenproblem.“ Schließlich müssen jetzt insgesamt acht Wölfe Nahrung finden. Bei dieser Zahl könne man sich leicht ausrechnen, so Iven, wie viele Wölfe man in einigen Jahren haben werde.

Wolfsexpertin Britta Habbe, Vorgängerin von Raoul Reding, hatte bereits vor fünf Jahren rund 150 Zuhörern in Barnstorf die Biologie des Wolfs so erklärt: Wölfe leben in Familiengruppen. Diese Rudel bestehen aus dem Elternpaar, Jährlingen und Welpen. Im Schnitt besteht ein Rudel aus acht Tieren. 

Mit der Geschlechtsreife (zwischen elf und 22 Monaten) müssen die Jungtiere die Eltern verlassen und sich ein eigenes Revier suchen. Dabei wandern sie aus – in einer Nacht bis zu 70 Kilometer. Deshalb bleibt die Wolfsdichte in einer Region konstant. Das Territorium eines Rudels ist durchschnittlich 20.000 bis 30.000 Hektar groß. Das entspricht beispielsweise dem Gebiet der Samtgemeinde Barnstorf plus der Stadt Twistringen.

Bereits 76 Risse im Landkreis Diepholz

Aber die Natur halte sich bekanntlich nicht immer an solche Prognosen, gibt Friedrich Iven zu bedenken: „Ich habe nichts gegen den Wolf – aber da, wo er hinpasst!“ Im November 2014 waren im Landkreis Diepholz die ersten Nutztierrisse durch einen Wolf bestätigt worden – in der Samtgemeinde Barnstorf. 

Die Nutztierriss-Tabelle des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) weist bis heute 76 tote Nutztiere im Landkreis Diepholz aus – überwiegend in der Samtgemeinde Barnstorf, aber auch in Twistringen. Demnach tötete der Wolf 55 Schafe, 19 Stück Gatterwild und zwei Rinder oder Kälber. Zwei aktuell gemeldete Nutztierrisse in Rödenbeck im Südkreis sind noch in der Bearbeitung und deshalb noch nicht in der Tabelle enthalten.

Schäfer bemühen sich um Schutz

Dokumentiert aber ist: In der Gemeinde Goldenstedt im Nachbar-Landkreis Vechta tötete der Wolf seit 2014 exakt 38 Schafe. Als Leiter des Landkreis-Fachdienstes Kreisentwicklung beschrieb Detlef Tänzer im Fachausschuss den enormen Konflikt zwischen dem Wildtier Wolf und der Schafhaltung, die ein wichtiges Kulturgut in der Region sei. Tänzer schilderte die Anstrengungen und Bemühungen der Schäfereien, ihre Tiere vor dem Wolf zu schützen – aber auch die Grenzen. 

Elektrozäune zum Beispiel könnten in Niederungen mit Wasserführung nicht eingesetzt werden. Und: Herdenschutzhunde könnten nicht zusammen mit Hütehunden eingesetzt werden, zwischen diesen Tieren sei es bereits zu Konflikten gekommen. In der Diskussion sind zurzeit so genannte Sommerställe, um die Schafe wirksam vor dem Wolf zu schützen.

Der Meinungsaustausch in Wachendorf bewies: Der Wolf und der Nutztierschutz werden die Politik noch lange beschäftigen, weil in dem Konflikt keine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten in Sicht ist.

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