Mario Mehren über die Zukunft des Standortes

Wintershall-Vorstand: „Wir wollen weiter ein starkes Barnstorf“

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Wintershall-Vorstandsvorsitzender Mario Mehren gab in Kassel einen Überblick über die wichtigsten Bilanzzahlen des Jahres 2018. In unserem Interview spricht er über die Zukunft des Standortes Barnstorf.

Barnstorf/Kassel – Der Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr und die Rekordzahlen ist das eine, der Blick in die Zukunft das andere – am Wintershall-Standort Barnstorf hat der angekündigte Stellenabbau im Zuge der Fusion mit dem Öl- und Gasunternehmen Dea für Unruhe und Unsicherheit gesorgt.

Aus Anlass des Jahrespressegesprächs in Kassel fragten wir Wintershall-Vorstandschef Mario Mehren nach dem Stand der Dinge. Die Fragen stellten Thomas Speckmann und Sven Reckmann.

Herr Mehren, die Fusion wird am Standort Barnstorf mit erheblichen Arbeitsplatzverlusten verbunden sein. Diese Entscheidung hat zu mitunter deutlicher Kritik geführt. Da wurden die Pläne auf politischer Ebene als „überzogen“, „dramatisch“ oder auch als „Schlag ins Gesicht“ bezeichnet, es wurden Nachverhandlungen gefordert. Wie bewerten Sie solche Äußerungen?

Veränderungen wie diese sind ein emotionales Thema, und zwar für uns alle. Das lässt niemanden kalt. Denn wir sind als Wintershall lange und eng mit Barnstorf verbunden. Ich selbst bin regelmäßig immer wieder vor Ort und wir alle pflegen einen engen Austausch und ein gutes Verhältnis. Da wiegen solche Nachrichten doppelt schwer. Aber wir müssen nach vorn blicken: Mit Wintershall und Dea schließen sich zwei deutsche Traditionsunternehmen zusammen. Das ist gut, bringt aber eben auch einschneidende Veränderungen. Das ist unvermeidlich.

Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers hat zu einem Gespräch ins Barnstorfer Rathaus geladen, bei dem Vertreter der Unternehmensführung, des Betriebsrates und der Gewerkschaft sowie die heimischen Abgeordneten mit am Tisch sitzen sollen. Welche Nachrichten haben Sie für diese im Gepäck?

Dass wir uns aktiv an der Allianz für Barnstorf beteiligen werden! Wir nehmen Verantwortung über unseren Tellerrand hinaus wahr. Unser Personalchef selbst wird sich vor Ort engagieren. Zusammen wollen wir schauen, ob es Kooperationsmöglichkeiten gibt. Etwa, ob gut ausgebildete Fachkräfte von uns für die regionale Wirtschaft interessant sind. Ob es Möglichkeiten gibt, in unseren Gebäuden Technikfirmen mit anzusiedeln. Unser neues Technologiezentrum breiter zu nutzen. Und wie wir die Ausbildung vor Ort fortsetzen. Denn wir wollen weiter einen starken Standort, ein starkes Barnstorf!

In Barnstorf sollen 180 von 280 Stellen wegfallen. Sehen Sie mit Blick auf die Verhandlungen noch Spielraum, diese Zahl zu reduzieren?

Vorsicht, die Stellen fallen nicht alle weg! Die Verwaltung unserer Deutschland-Aktivitäten wird nach Hamburg verlagert. Dort werden dann rund 120 Kollegen für Wintershall Dea arbeiten. Über die genauen Pläne informieren wir derzeit unsere Arbeitnehmervertretungen.

Einer der Hauptkritikpunkte ist, dass der Umfang des geplanten Stellenabbaus in so kurzer Zeit zwischen Fusion und Börsengang auf sozialverträgliche Weise gar nicht möglich ist. Was antworten Sie darauf?

„Wir wollen den Personalabbau sozialverträglich gestalten. Das ist unser Ziel und mein fester Wille. Über Instrumente, die dies ermöglichen, wie beispielsweise Altersregelungen, und auch den Zeitplan sprechen wir im Rahmen des Interessenausgleichs derzeit mit den Betriebsräten.

Am 30. März veranstaltet Wintershall einen „Tag der offenen Ausbildung“. Barnstorf soll Ausbildungszentrum bleiben, das wurde von Unternehmensseite bereits unterstrichen. Wie viele Auszubildende haben Sie zurzeit am Standort Barnstorf und wie viele werden es in Zukunft sein?

Wir haben mehr als 500 junge Menschen in den vergangenen Jahrzehnten bei Wintershall in Barnstorf ausgebildet. Ich finde, eine sehr beeindruckende Zahl! Wir haben aktuell 42 Azubis, auf diesem Niveau bleibt es auch. Ja, Barnstorf wird das Ausbildungszentrum für Wintershall Dea in Niedersachsen.

Eine persönliche Frage, Herr Mehren: Können wir Sie künftig auch noch in Barnstorf begrüßen? Oder sind Sie nur noch zwischen Russland und Argentinien unterwegs?

Ganz offen gesprochen, ich bin gern nah dran an den Wurzeln! Sobald der Zusammenschluss mit Dea unter Dach und Fach ist, bin ich wieder da. Zur Diskussion, ganz persönlich und gern auch nach Feierabend.

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