1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Barnstorf

Der Vorstand des Barnstorfer SV im Interview: „Wir verwalten im Moment nur“

Erstellt:

Von: Jannick Ripking

Kommentare

Zukunftsplanung des Barnstorfer SV: Die Vorstandsmitglieder (von links) Claudia Emker, Jürgen Düver und Rolf Hildebrand arbeiten an Ideen, um die Vorstandsarbeit zu verbessern.
Zukunftsplanung des Barnstorfer SV: Die Vorstandsmitglieder (von links) Claudia Emker, Jürgen Düver und Rolf Hildebrand arbeiten an Ideen, um die Vorstandsarbeit zu verbessern. © Jannick Ripking

Vorsitzender Jürgen Düver, Geschäftsführerin Claudia Emker und Jugendleiter Rolf Hildebrand sprechen im Interview über das Ehrenamt, die Vorstandsarbeit im Barnstorfer SV und Hoffnungen für die Zukunft.

Barnstorf – Ein einfaches „Weiter so“ wird es beim Barnstorfer Sportverein nicht geben, kündigt der aktuelle Vorstand kurz vor der Jahreshauptversammlung am Freitag, 20 Mai, an. Zu gering sei das ehrenamtliche Engagement derzeit im Verein, die Aufgaben auf zu wenige Köpfe verteilt.

Wenn Sie die Situation im Ehrenamt jetzt mit der vor 15 Jahren vergleichen, was ist heute anders?

Düver: Vor 15 Jahren hatten wir noch einen Vorstand bestehend aus sieben bis acht Personen, die regelmäßig zur Verfügung standen. Die Aufgaben waren auf mehr Schultern verteilt. Heute sind wir weniger und die Arbeit ist ja nicht weniger, sondern eher mehr geworden.

Hildebrand: Früher gab es insgesamt auch mehr Helfer, die Eltern von Kindern zum Beispiel.

Emker: Die Bereitschaft ist heute einfach nicht mehr so da wie früher. Das war damals schon angenehmer.

Was könnten die Gründe dafür sein, dass die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, gesunken ist?

Düver: Vielleicht ist es so, dass bei vielen auch privat oder beruflich die Belastung gestiegen ist.

Hildebrand: Die Arbeitswelt hat sich verändert.

Düver: Möglicherweise kann man sich deswegen heute die Zeit auch nicht mehr so freischaufeln. Vor 17 oder 18 Uhr schaffen ganz viele gar nicht mehr.

Emker: Und es fällt auf, dass sich keiner langfristig binden möchte. Die Kontinuität fehlt einfach bei einigen.

Was bedeutet das konkret bezogen auf die Vorstandsarbeit?

Emker: Es gibt natürlich Leute, die mithelfen wollen, aber nur auf Zuruf.

Düver: Und das ist dann einfach nicht planbar. Es gibt bestimmt auch den einen oder anderen, der die Verantwortung, die man dann eben auch hat, nicht tragen will. Ich glaube, es gibt eine gewisse Scheu.

Warum?

Emker: Manche überschätzen vielleicht auch die Aufgaben, die dann auf einen zukommen. Aber das sind falsche Ängste.

Düver: Ich glaube, einige denken, dass man als Vorstand eines Fußballvereins alle zwei Wochen bei Heimspielen am Spielfeldrand stehen und Aufgaben übernehmen muss. Aber das ist nicht so.

Emker: Wir können uns unsere Zeiten, wann wir etwas erledigen, selbst einteilen. Und, was auch wichtig ist, man muss sich nicht mit Fußball auskennen, wenn man bei uns ehrenamtlich im Vorstand mitarbeiten will.

Sie sagten bereits am Anfang, dass Sie deutlich weniger Mitglieder im Vorstand sind als noch vor 15 Jahren. Wie wirkt sich das auf das Tagesgeschäft aus?

Düver: All das, was notwendig ist, machen wir.

Hildebrand: Wir verwalten im Moment eigentlich die meiste Zeit nur noch. Viel mehr ist nicht drin.

Düver: Genau. Der Vereinsbetrieb wird am Laufen gehalten, aber es gibt fast nichts darüber hinaus. Viele Leute haben mich in letzter Zeit gefragt, warum wir dieses oder jenes nicht mehr anbieten, aber wie sollen wir das denn schaffen?

Was muss passieren, damit wieder mehr als das Notwendige im Verein organisiert oder angeboten werden kann?

Düver: Wir werden die Situation bei der Jahreshauptversammlung genau schildern. Mit Holger Rabbe scheidet ja auch einer aus dem Vorstand aus. Wenn sich keine neuen oder weiteren Vorstandsmitglieder finden lassen, dann haben wir irgendwann ein Problem.

Hildebrand: Die Verantwortung gehört mittelfristig in die Hand der jüngeren. Wir werden ja auch immer älter.

Wie lange wollen Sie noch im Vorstand bleiben?

Düver: Also ich habe mir kein festes Datum gesetzt. Aber es ist nicht so, dass wir alle an unseren Jobs kleben. Das Ziel muss sein, den Barnstorfer Sportverein zu erhalten und voranzubringen.

Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Düver: Wir wollen die Arbeit auf mehrere Köpfe verteilen. Wenn wir die offenen Posten besetzen können, ist das schon einmal ein Anfang.

Emker: Die Vorstandsposten sind laut Satzung vorgeschrieben. Aber man kann eine Satzung auch ändern und dann können dort ja weitere Ämter stehen.

Düver: Aber niemand muss direkt im Vorstand einsteigen. Wer sich einbringen will, ist immer gern gesehen.

Emker: Junge Leute bringen ja auch immer neue und frische Ideen mit.

Düver: Das ist das Ziel.

Angenommen, Sie erreichen Ihr Ziel. Was wären die nächsten Schritte?

Düver: Weil wir derzeit nur eine Herrenmannschaft haben, müssen wir uns verstärkt auf die Jugend konzentrieren.

Hildebrand: Meine Erfahrung hat mir über die Jahre gezeigt, wenn du zwei oder drei gute Trainer im Jugendbereich hast, dann hast du einen unheimlichen Zulauf.

Düver: Aber die Jugendtrainer sind dann auch drei Mal die Woche mit ihren Mannschaften beschäftigt oder unterwegs. Wir und sie bräuchten Unterstützung. Das ist das Fundament, um auch wieder Events organisieren und durchführen zu können.

Auch interessant

Kommentare