„Wir müssen gemeinsam helfen“

Bürgermeisterin möchte Barnstorf zum „sicheren Hafen“ für Moria-Flüchtlinge machen

Nicht nur heimat-, sondern auch obdachlos: Tausende Flüchtlinge leben nach dem Großfeuer im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos unter freiem Himmel. Möglichst viele von ihnen zu retten, dafür machen sich immer mehr Initiativen und Organisationen sowie Städte und Gemeinden in Deutschland stark.
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Nicht nur heimat-, sondern auch obdachlos: Tausende Flüchtlinge leben nach dem Großfeuer im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos unter freiem Himmel. Möglichst viele von ihnen zu retten, dafür machen sich immer mehr Initiativen und Organisationen sowie Städte und Gemeinden in Deutschland stark.

Barnstorf – Es sind Bilder, die um die Welt gehen, die Tränen in die Augen treiben, die im Gedächtnis bleiben und die nachdenklich stimmen, Fragen aufwerfen. Der Großbrand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos lässt die Diskussion um die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland und weiteren EU-Staaten neu aufflammen.

Im Landkreis Diepholz haben sich mit Sulingen, Syke und Weyhe Städte und Gemeinden angeboten, „sichere Häfen“ zu werden und im Zuge des Feuers heimat- und obdachlos gewordene Asylsuchende aufzunehmen. Auch im Südkreis kommt Bewegung in die Bestrebungen, nicht mehr länger tatenlos zuzusehen.

Elke Oelmann, Bürgermeisterin des Fleckens Barnstorf, engagiert sich schon lange in der Flüchtlingsbewegung.

Jetzt, da sich die Situation auf Lesbos immer mehr zuspitzt, sei keine Zeit mehr, solche Entscheidung auf die lange Bank zu schieben. Damit man vielleicht auch die Menschen im Süden des Landkreises ins Boot holen kann, richtete sie am Wochenende einen Brief an ihre OrtsbürgermeisterkollegenFriedrich Iven (Drebber), Friedrich Bokelmann (Eydelstedt) und Theo Amelung (Drentwede) sowie an Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers und die Fraktionsvorsitzenden im Samtgemeinderat und in den Mitgliedsgemeinden.

Samtgemeinde-Bürgermeister: „Eine Aufnahme weiterer Flüchtlinge wäre möglich“

Bereits einen Tag danach gab es am Montag erste Überlegungen und Stimmungen.

„Eine Aufnahme weiterer Flüchtlinge wäre möglich“, äußerte sich Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers auf Nachfrage. Über das rechtliche Prozedere habe er sich bereits kurz schlaugemacht. „Für solch ein Vorhaben bedarf jedoch ein wenig Vorbereitung. Denn es ist ein Ratsbeschluss erforderlich und weitere Verfahren, die dann angestoßen werden müssen.“ Räumliche Kapazitäten habe man in Form leerstehender Gebäude, die eigentlich Ende des Jahres an die Eigentümer zurückgegeben werden sollten, da man keine Verwendung mehr dafür habe. „Das müssten wir dann rückgängig machen, aber darin sehe ich keine Probleme.“

„Wir müssen diese Menschen retten, so viele wir können“, gab Drentwedes Ortsbürgermeister Theo Amelung auf Nachfrage umgehend ein klares persönliches Statement, bevor er überhaupt den Brief in den Händen hielt. „Wir haben so viele leere Container hier in der Samtgemeinde, für die Miete bezahlt werden muss, jetzt und auch noch in den kommenden Jahren, obwohl diese schon länger leer stehen. Da können und müssen wir helfen.“

Thema wohl bei nächster Fraktionssitzung der SPD auf dem Tisch

„Wir werden uns mit diesem Thema wahrscheinlich in einer der nächsten Fraktionssitzung beschäftigen“, gab Drebbers Ortsbürgermeister Friedrich Iven eine erste Rückmeldung. Mehr noch sehe er, dass dieses Thema bei der SPD-Klausurtagung am 19. September in Barnstorf in großer Runde diskutiert werde. „Danach können wir mehr sagen.“

Noch ganz frisch hatten gestern Mittag Friedrich Bokelmann der Brief und das Anliegen Elke Oelmanns erreicht. „Ein sensibles Thema, dass ich zunächst mit meinen Ratskollegen besprechen muss, bevor wir diesbezüglich eine Richtung nennen können“, so der Eydelstedter Bürgermeister.

„Wer sich mit der Flüchtlingspolitik der EU und der Bundesrepublik beschäftigt, weiß was Sache ist und dass auf die unhaltbaren Zustände in Griechenland, der Türkei und anderen Ländern mehr als schleppend reagiert wird“, sagt Elke Oelmann über die Motivation, die sie zu diesem Schreiben veranlasst hat. Man höre viel von der Aufnahme unbegleiteter Jugendliche in Deutschland, viele Städte und Gemeinden hätten die „Seebrücken“-Initiative unterstützt und damit signalisiert, als „sichere Häfen“ Asylsuchende aufzunehmen. „Dass Sulingen, Weyhe und Syke jüngst ebenfalls diesen Schritt gegangen sind, hat mich bewegt, dieses auch für den weiteren Südkreis unseres Landkreises anzuregen“, erläutert sie. Der Bund möchte, dass die Bereitschaft zur Aufnahme von der Basis aus signalisiert wird, man möchte nicht einfach Zuteilungen überstülpen, denn es gehört mehr dazu, als nur eine Unterkunft zu bieten“, weiß die Grünen-Politikerin, die sich insbesondere auch von den Worten von Heinrich Bedford-Strohm, dem ranghöchsten Bischoff der Evangelischen Kirche Deutschlands, beeindruckt zeigte. „Wir müssen handeln“, lautete sein Appell. Sie selbst wisse, dass man nicht die Flüchtlingskrise der gesamten Welt stemmen könne. „Doch für jeden, den wir retten, retten wir seine eigene kleine Welt. Wir können unseren Teil dazu beitragen, die Not auf der Welt ein klein wenig zu lindern.“

In der Hoffnung mit den Ortschaften und weiteren Gemeinden und Städten zusammenzugehen, hoffe sie auf eine Abfrage in den Gemeinden, so dass der Verwaltungsausschuss einen entsprechenden Beschluss fassen könne. „Es ist wichtig, an einem Strang zu ziehen, ein gemeinsames Signal zu setzen, auch für die Bundesebene, um zu signalisieren: Refugees welcome.“

Brief von Elke Oelmann: Moria brennt – und was tun wir?

„Moria brennt – und was tun wir?“ – diese Frage wirft Barnstorfs Ortsbürgermeisterin Elke Oelmann in einem Brief an ihre kommunalpolitischen Mitstreiter auf:

„Im Flüchtlingslager Moria waren 12  000 Menschen untergebracht, obwohl es eigentlich nur für rund 2 500 Menschen geplant war, jetzt ist es abgebrannt und die Menschen sind nicht nur heimatlos, sondern auch obdachlos. Diese Menschen brauchen unsere Hilfe!

Es ist beschämend, dass die europäischen Länder sich über Aufnahmequoten streiten und dabei die Menschlichkeit vergessen. Leider macht die Bundesrepublik Deutschland dabei keine Ausnahme. Die christliche Nächstenliebe, die Solidarität mit unseren Mitmenschen und nicht zuletzt die Achtung der Menschenwürde fordern uns auf zu handeln.

Deshalb möchte ich die Samtgemeinde Barnstorf und die Mitgliedsgemeinden auffordern, dem Bündnis „Sichere Häfen“ beizutreten und unsere Hilfe anzubieten. So können wir dem Bund signalisieren, dass wir bereit sind Menschen in unserer Gemeinde aufzunehmen, die unsere Hilfe brauchen. Die letzte Entscheidung liegt dabei immer noch beim Innenminister.

Die Samtgemeinde Barnstorf und die Mitgliedsgemeinden haben sich in der Vergangenheit immer verantwortungsbewusst und auch über die Zuteilquoten hinaus, um geflüchtete Menschen gekümmert. Dies ist uns allen gemeinsam und mit zahlreichem ehrenamtlichem Engagement vieler Menschen in der Samtgemeinde gelungen. Die Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und dem Arbeitskreis Willkommen ist mehrmals öffentlich gelobt worden. Wir haben in unseren Gemeinden also Erfahrung und können auf Bewährtes zurückgreifen.

Lasst uns nicht nur zusehen, sondern handeln. Unsere Gemeinden müssen zu sicheren Häfen für Menschen in Not werden.“

Von Anja Schubert

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