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Interview: Wintershall-Deutschland-Chef Robert Frimpong über Zukunft der Erdgasförderung

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Von: Jannick Ripking

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Robert Frimpong beantwortet die Fragen der Kreiszeitung zur Zukunft der Erdgasförderung in Deutschland und Barnstorf.
Robert Frimpong beantwortet die Fragen der Kreiszeitung zur Zukunft der Erdgasförderung in Deutschland und Barnstorf. © Wintershall Dea/Yvonne Schmedemann

Die Wintershall Dea hat mit dem Rückbau ihrer Förderplätze begonnen. Von ursprünglich 90 Bohrungen sind nur noch 34 aktiv. Deutschland-Chef Robert Frimpong spricht im Interview über die Zukunft von Erdgas.

Barnstorf – Wie geht es weiter mit der Erdgasförderung? Kritiker fordern ein Ende – und zwar schnellstmöglich. Auch in dieser Region gibt es Bündnisse und Bürgerinitiativen, die sich dafür einsetzen, dass Bohrlöcher geschlossen werden. Eine Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach ist jetzt allerdings zu dem Ergebnis gekommen, dass 71 Prozent der 1 051 befragten Bürger der Auffassung sind, dass auch künftig in Niedersachsen Erdgas gefördert werden soll. Zuletzt befasste man sich auch im Landtag mit diesem Thema. Robert Frimpong, Managing Director von Wintershall Dea Deutschland, spricht im Interview mit der Kreiszeitung über die Erdgasförderung im Barnstorfer Raum, Rückbaupläne und Zukunftsvisionen.

Herr Frimpong, die Grünen forderten im Jahr 2020 ein konkretes Datum für das Ende der Erdgas- und Erdölförderung. Was halten Sie von dieser Forderung? Was spricht für und was gegen ein festgelegtes Datum?

Gas und Öl werden in Niedersachsen und Deutschland weiterhin benötigt und verbraucht. Eine vorzeitige Beendigung der Förderung würde das Klima nicht schonen. Im Gegenteil. Die fehlenden Mengen müssten – und zwar mit einer deutlich schlechteren CO2-Bilanz als bei unserer heimischen Förderung – importiert werden. Wie heißt das Sprichwort so schön: „Gut gemeint ist eben nicht immer gut“. Die aktuelle Allensbach-Umfrage ist eindeutig: Die Menschen wollen, dass in Niedersachsen weiter Erdgas gefördert wird. Über alle Bevölkerungsgruppen hinweg gibt es dafür eine Mehrheit, sogar bei den Anhängerinnen und Anhängern der Grünen.

Hat die Wintershall Dea für den Raum Barnstorf bereits Pläne, wann dort die letzte Bohrung zurückgebaut wird? Wenn ja, wie sehen diese Pläne aus?

Sie sprechen den Rückbau an, hierfür hat bei uns Anfang des Jahres in Barnstorf eine neue Abteilung ihre Arbeit aufgenommen. Hier bündeln wir alle Aufgaben rund um unsere Rückbau- und Rekultivierungsaktivitäten in ganz Deutschland. Dazu zählen das Verfüllen von Bohrungen sowie der Rückbau von Anlagen, Pipelines und Bohrplätzen. Denn ebenso wichtig wie die verantwortungsvolle Förderung von Gas und Öl ist es, dass wir die genutzten Flächen wieder verantwortungsvoll übergeben. Wenn wir über unsere laufenden Rückbau-Aktivitäten sprechen, haben wir 2019 im Erdölfeld Bockstedt mit dem Rückbau und der Verfüllung von Bohrungen begonnen. Aktuell läuft seit Herbst 2021 der Rückbau von nicht mehr benötigten Förderplätzen in Erdölfeldern in Barnstorf und Umgebung. Richtig ist aber auch: Viele Bohrungen haben das Ende ihres Lebenszyklus noch nicht erreicht. Klar ist aber auch, dass die Fördermengen, wie auch fast überall sonst in Deutschland, zurückgehen, weil die Reserven irgendwann erschöpft sind. In jüngster Vergangenheit hat Wintershall Dea bereits Bohrungen in Barnstorf geschlossen. Weitere werden derzeit zurückgebaut und es sollen noch mehr folgen.

Wie viele Bohrungen gibt es derzeit in der Barnstorfer Region? Wie sah die Situation noch vor einigen Jahren aus? Welche Bohrungen sollen als nächstes geschlossen werden?

Seit 2019 haben wir in Barnstorf und Umgebung 18 Bohrungen verfüllt. Im Herbst 2021 haben wir mit dem endgültigen Rückbau von acht ehemaligen Betriebs- und Förderplätzen begonnen, die in den Gemeinden und Ortsteilen Aldorf, Rödenbeck und Wohlstreck liegen. Nach Abschluss der Arbeiten gegen Mitte des Jahres werden die Flächen an die Landeigentümer übergeben und können dann wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Für die kommenden drei bis fünf Jahre planen wir die Verfüllung von weiteren 25 bis 30 Bohrungen, die sich heute nicht mehr in Betrieb befinden, sowie den Rückbau von rund 40 Förderplätzen. In der Vergangenheit unterhielten wir in Barnstorf und Umgebung bis zu 90 aktive Bohrungen. Derzeit hat der Förderbetrieb in Barnstorf noch 34 Bohrungen in Betrieb.

Bürgerinitiativen kritisieren, dass ihnen die Energiewende und der Rückbau der Erdgas- und Erdölförderung nicht schnell genug geht. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?

Erdgas ist in Deutschland heute ein zentraler Baustein im Energiemix, sowohl zum Heizen und zur Warmwassererzeugung als auch für die Stromversorgung. Gleichzeitig erfüllt Erdgas eine wichtige Aufgabe bei der Energiewende, denn Erdgas ermöglicht in einer Übergangsphase eine schnelle und kostengünstige Reduzierung von CO2-Emissionen. Das hat die neue Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag ausdrücklich bestätigt und dies ist auch eine aktuelle Empfehlung der EU-Kommission.

Auch Erdöl werden wir für unsere Mobilität noch eine Zeit lang brauchen. Und wir brauchen Öl als wichtigen Rohstoff für die moderne Gesellschaft. Denn die Industrieprodukte, die wir für ein modernes Leben brauchen, enthalten Öl. Die Bandbreite reicht von Windkraftanlagen über Karosserien für Elektro-Autos bis zu vermeintlich kleinen Konsumgütern wie Smartphones und Fußbällen. Sogar Mund- und Nasenschutzmasken, die wir jeden Tag tragen, enthalten Erdöl.

Der Landtag hat einen Förderzinserlass für Bohrungen über zehn Jahre beschlossen. Das lässt schließen, dass das eine weitere längerfristige Förderung für Unternehmen attraktiv macht. Kann der Beschluss direkten zeitlichen Einfluss auf ein Ende der Bohrungen haben?

Wir produzieren weiter in Deutschland Erdgas und Erdöl, weil unsere Produkte hier gebraucht werden. Wir stehen zu unseren Verpflichtungen und wollen weiter aus den bestehenden Lagerstätten fördern, weil die heimische Förderung ökonomisch wie auch ökologisch sinnvoll ist. Wir sind überzeugt: diesen wichtigen „Heimvorteil“ sollten wir nutzen.

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