Werbung für mehr Windkraft

Windkraft-Investoren nehmen Twistringen-Barnstorf ins Visier

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Vor einigen Jahren war die Windkraft im Norden Barnstorfs noch dünn gesät. Inzwischen sind im Raum Aldorf einige Anlagen hinzugekommen. Wenn es nach den Plänen der Enertrag AG geht, könnte in weiter Ferne an der Grenze zu Twistringen ein weiterer Park sichtbar werden.

Barnstorf/Rüssen - Von Thomas Speckmann und Heiner Büntemeyer. Das Interesse an der Erzeugung von Windenergie ist groß, die Investoren stehen Schlange: Anträge für etwa 60 Anlagen in der Samtgemeinde Barnstorf liegen derzeit beim Landkreis Diepholz als Genehmigungsbehörde vor.

Ein Projektierer hat jetzt den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt, um für den „Interkommunalen Windpark Twistringen-Barnstorf“ zu werben.

Drei oder vier Windkraftanlagen für den Bereich Aldorf-Rüssen angedacht

Etwa 40 Zuhörer folgten der Einladung in „Annes Bauerngartencafé“ in Rüssen, um sich über das Vorhaben im Grenzgebiet der Nachbarkommunen zu informieren. Über den aktuellen Stand der Planung berichteten Vertreter der Enertrag AG, ein europaweit tätiges Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien mit Sitz im brandenburgischen Dauerthal. Mit am Tisch: Stefan Seltmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Bassumer Energiegenossenschaft, die sich ebenfalls für eine Realisierung des Windparks stark macht.

Die Rede ist von drei oder vier Windkraftanlagen, die im Bereich Aldorf-Rüssen entstehen sollen. Woran es zurzeit offenbar hapert, ist die planungsrechtliche Grundlage. Laut Projektentwickler Philipp Zimmermann ist der an den Landkreis Diepholz gerichtete Bauantrag zurückgestellt worden. Hintergrund ist ein entsprechender Beschluss der Samtgemeinde Barnstorf im Zuge der Änderung des Flächennutzungsplans. Damit will die Kommune einen Wildwuchs vermeiden, bis die neuen Sondergebiete für Winderenergie ausgewiesen sind.

Interessen von Anwohnern, Kommunen und Unternehmen in Einklang bringen

Ziel sei es, die Planung mit den Kommunen möglichst frühzeitig abzustimmen und um Akzeptanz des Projektes durch die Bürger zu werben, erklärte Enertrag-Planungsleiter Johannes Kauffmann. Die Kommunen stünden häufig vor dem Problem, unterschiedliche Interessen abwägen zu müssen, um eine möglichst einvernehmliche Lösung zu erreichen. Sein Unternehmen wolle dabei unterstützend zur Seite stehen, so Kauffmann. „Das machen wir nicht zum ersten Mal.“

Fraglich zum jetzigen Zeitpunkt ist allerdings, in wie weit die Interessen der Investoren im vorliegenden Fall überhaupt Berücksichtigung finden. Im aktuellen Entwurf für den neuen Flächennutzungsplan, der unlängst im Rat der Samtgemeinde Barnstorf auf den Weg gebracht wurde, spielt das Gebiet Aldorf-Rüssen keine Rolle. Und auch im Flächennutzungsplan der Stadt Twistringen ist der Bereich nicht für Windkraft dargestellt, wie Verwaltungsmitarbeiter Christian Gelhaus auf Anfrage dieser Zeitung erklärt.

Bassumer Energiegenossenschaft hat Geld, aber keine Projekte

Informierten bei einer Veranstaltung in Rüssen über ihre Windpark-Pläne: Philipp Zimmermann, Johannes Kauffmann und Michael Schulz (v.l.) von der Enertrag AG sowie Stefan Seltmann (2.v.r.) von der Bassumer Energiegenossenschaft

Bei der Versammlung in Rüssen räumten die Enertrag-Vertreter weitere Hürden ein. Noch sei unklar, ob die Stromtrasse als Freileitung oder als Erdkabel durch das Planungsgebiet geführt werde, so Zimmermann. Bei einer Freileitung müsste das auf vier Anlagen geplante Projekt wahrscheinlich auf drei Anlagen reduziert werden. Außerdem sei das Gelände als Rastvogelschutzgebiet von nationaler Bedeutung ausgewiesen. Untersuchungen des Unternehmens hätten jedoch in Übereinstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde ergeben, dass dessen Bedeutung lediglich lokal sei. Strittig sei zudem, ob der gesetzlich vorgeschriebene Abstand zu den Windkraftanlagen in Aldorf eingehalten werde. Hier gebe es noch Klärungbedarf, so der Projektentwickler.

Stefan Seltmann zeigte Möglichkeiten auf, wie Genossenschaften dazu beitragen können, durch Bürgerbeteiligung aus solchen Windkraftanlagen eine lokale Wertschöpfung zu erzielen. Aus dieser Idee sei im Jahr 2008 die Bassumer Energiegenossenschaft entstanden, der zurzeit 40 Mitglieder angehörten. „Geld ist vorhanden, aber uns fehlen Projekte“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende.

Bürgerbeteiligung zahlt sich aus

Er stellte sich hinter das Vorhaben, das auch zum kommunalen Klimaschutz-Aktionsprogramm passe. Die von den Bürgern geforderte Entschädigung könne durch eine Genossenschaftsbeteiligung erreicht werden, zumal Enertrag dieser Genossenschaft zwei Windkraftanlagen anbieten würde. Noch ein Argument sprach Seltmann an: Vor Ort erzeugte Energie mache Strom-Autobahnen entbehrlich. Auch das Stromnetz sollte den Bürgern gehören, das erhöhe die lokale Wertschöpfung. Auch in diesem Fall sei eine Bürgerbeteiligung in Form einer Genossenschaft den redite-orientierten Kapitalgesellschaften weit überlegen.

Die Beteiligung von Bürgern ist nicht neu und wird auch in der Samtgemeinde Barnstorf seit einigen Jahren praktiziert. Federführend ist hier die Energiegenossenschaft Huntetal, die neben ihren Solaranlagen im Schulzentrum an der Walsener Straße in Barnstorf am Windpark in Dickel beteiligt ist und nach wie vor in Verhandlungen über eine Beteiligung an den Windkraftanlagen in Aasbruch steht.

Samtgemeinde Barnstorf unter Zugzwang

Neben Enertrag gibt es zurzeit weitere Unternehmen und Investoren, die sich um Baugenehmigungen bemühen. Laut einer Anfrage im Februar liegen beim Landkreis Diepholz insgesamt 59 Vorbescheids- und Genehmigungsanträge vor. Davon sind allein 19 Anträge seit dem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Lüneburg eingegangen, das im Juni vergangenen Jahres die 52. Änderung des Flächennutzungsplans in wesentlichen Punkten für unwirksam erklärt hat.

Die Samtgemeinde Barnstorf steht nun unter Zugzwang. Der erste Entwurf zur Änderung des 60. Flächennutzungsplans liegt auf dem Tisch und geht nun in die frühzeitige Beteiligung. Laut Sachbearbeiterin Claudia Emker sollen die Träger öffentlicher Belange in den kommenden Wochen angeschrieben werden. Auch die Bürger sollen sich zur Planung äußern können. Der Termin für die Versammlung soll voraussichtlich im April sein.

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