Wiederwahl mit Hindernissen

Alsdorf bleibt Ortsbrandmeister in Drebber

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Nachdenkliche Blicke bei Bürgermeister Friedrich Iven (l.), der die Wiederwahl von Ortsbrandmeister Reimund Alsdorf leitete. Im ersten Durchgang fehlte die absolute Mehrheit.

Drebber - Von Thomas Speckmann. Bei einem einzigen Kandidaten sollte die Wiederwahl des Ortsbrandmeisters eigentlich reine Formsache sein. Doch die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Drebber standen bei ihrer Jahreshauptversammlung am Samstagabend plötzlich vor einem unerwarteten Problem: Reimund Alsdorf erhielt zunächst nicht die absolute Mehrheit.

Erst im zweiten Durchgang verbuchte der alte und neue Amtsinhaber die nötige Stimmenzahl. Bis zu den Wahlen lief die Versammlung im Feuerwehrhaus wie am Schnürchen. Die Kameraden stärkten sich mit einem Imbiss, arbeiteten die üblichen Regularien ab und wandten sich dann ihrem Ortsbrandmeister zu. 

Er hatte sich bei seiner ersten Wahl vor sieben Jahren in einer Kampfabstimmung gegen Stefan Flemer-Rensmeyer durchgesetzt und stellte sich nun für eine weitere Amtszeit zur Verfügung. „Einmal geht noch“, erklärte Alsdorf auf Nachfrage von Bürgermeister Friedrich Iven.

Iven spielte wie schon so oft den Wahlleiter und ließ zur Sammlung der Stimmzettel die Mütze eines Feuerwehrkameraden durch die Reihen der Aktiven wandern. Nach der Auszählung machten sich dann Sorgenfalten auf seiner Stirn breit: „Das sieht nicht gut aus“, stellte der Wahlleiter fest, der sich ein eindeutigeres Ergebnis für den Einzelkandidaten gewünscht hatte. Doch 15 Ja-Stimmen standen 11 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen gegenüber.

Absolute Mehrheit notwendig

„Jetzt haben wir keinen Ortsbrandmeister mehr“, resümierte Alsdorf. Er wies darauf hin, dass für seine Wahl eine absolute Mehrheit nötig gewesen wäre: „Ich weiß nicht, ob das allen bewusst war.“ Nun müssten sich die Mitglieder bis zum Ende seiner Amtszeit am 31. März 2018 einen neuen Ortsbrandmeister suchen. In der Versammlung herrschte Verwirrung. „Das kann doch nicht wahr sein, oder?“, meinte ein Kamerad und blickte in ratlose Gesichter.

In einer spontan einberufenen Versammlungspause gab es reichlich Klärungsbedarf. Horst Hoffschneider, der als zweiter Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands zu Gast war, bemühte das Brandschutzgesetz und bestätigte Alsdorfs Einschätzung. Für die Personenwahl sei mehr als die Hälfte der Stimmen erforderlich. Daran gab es nichts zu rütteln. Doch dann kam es zu einer weiteren entscheidenden Überraschung. Wahlleiter Iven ergriff das Wort: „Uns ist hier ein Formfehler unterlaufen.“

Wahl wiederholt

Bei eingehender Überprüfung der Wählerliste habe sich herausgestellt, dass einer der 30 Kameraden über eine Doppelmitgliedschaft verfüge. Da seine Heimatwehr in Diepholz sei, hätte er in Drebber nicht abstimmen dürfen, hieß es. Damit war der Weg frei für eine Wiederholung der Wahl. Die Mütze wanderte noch einmal durch die Reihen, diesmal mit einem etwas freundlicheren Ergebnis für Alsdorf: 18 Ja-Stimmen, 10 Nein-Stimmen, 1 Enthaltung. Damit war die Amtszeit für die nächsten sechs Jahre gesichert.

Gemeindebrandmeister Guido Schruth (r.) und zweiter Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender Horst Hoffschneider (2.v.r.) ehrten Wilhelm Aßling, Reimund Alsdorf und Helmut Meyer (v.l.).

Offenbar hatten einige Kameraden mit den Gegenstimmen ihre Unzufriedenheit mit dem Ortsbrandmeister zum Ausdruck bringen wollen. Eine Form der Kritik, die Stefan Flemer-Rensmeyer ablehnte. Er würdigte die Arbeit Alsdorfs, stellte aber auch fest, dass man es nicht jedem recht machen könne. In diesem Fall sollte die Kritik auf konstruktive Weise geäußert werden, indem man mit der Person spreche. Alsdorf nickte zustimmend mit dem Kopf: „Ihr wisst, wo ich wohne. Sprecht mich an und wir reden darüber.“

„Redet miteinander!“, lautete auch der Appell von Bürgermeister Iven, der Alsdorf bereits vor der Wahl den Rücken gestärkt hatte. Er lobte die Arbeit des Kommandochefs und seiner Kameraden. Höhepunkt des vergangenen Jahres seien die Kreiswettbewerbe gewesen. Bei der Ausrichtung habe die Ortsfeuerwehr mit Unterstützung der Vereine gezeigt, dass sie mit dem Slogan „Drebber kan dat“ nicht zu viel versprochen habe. „Ihr habt die Gemeinde Drebber hervorragend repräsentiert!“, betonte der Bürgermeister.

Neben Glückwünschen zur Wiederwahl konnte Alsdorf eine Ehrennadel für seine 25-jährige Mitgliedschaft entgegennehmen. Alterskamerad Helmut Meyer freute sich über eine Auszeichnung für 60-jährige Wehrzugehörigkeit. Wilhelm Aßling nahm für seine Verdienste die Ehrennadel des Kreisfeuerwehrverbands mit nach Hause.

Ein Kommentar zur Wahl von Thomas Speckmann

Auf Außenstehende wirkt die Freiwillige Feuerwehr Drebber wie eine homogene und funktionierende Truppe. Die Kameraden erfüllen ihre Pflicht bei Übungsdiensten und Einsätzen, glänzen mit vorderen Plätzen bei Wettbewerben und stemmen sogar eine Mammut-Veranstaltung wie die Kreiswettbewerbe mit mehreren tausend Teilnehmern und Besuchern. Dafür gebührt ihnen große Anerkennung. 

Doch die Wahl des Ortsbrandmeisters spricht eine andere Sprache. Wenn der Amtsinhaber als einziger Kandidat nur etwa die Hälfte der Stimmen erhält, ist das ein deutliches Indiz für Unzufriedenheit in der Truppe. Dass manche Kameraden ihre Zustimmung zur Wiederwahl versagen, ist natürlich ihr gutes, demokratisches Recht. Aber besser wäre es, die Kritik auch offen auszusprechen. 

Ortsbrandmeister Reimund Alsdorf hat seine Gesprächsbereitschaft angeboten und in der Versammlung Größe gezeigt. Es wäre durchaus verständlich gewesen, wenn er aufgrund der verhältnismäßig geringen Stimmenzahl eine weitere Amtszeit abgelehnt hätte. Doch er steht zu seiner Aufgabe. 

Nun braucht er auch den für seine Führungsarbeit so wichtigen Rückhalt aus seiner Kameradschaft. Darum sollte der erste Auftrag für alle Aktiven in diesem Jahr lauten, sich zusammenzusetzen und miteinander zu reden. Die Probleme müssen im internen Kreis auf den Tisch kommen, bevor sich der Schwelbrand in der Truppe ausbreitet. Einen Flächenbrand kann sich Drebber nicht leisten. Der Ort braucht eine starke, in sich geschlossene Feuerwehr.

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