„Versäumtes wird nachgeholt – Spurensuche zum Zweiten Weltkrieg“

Barnstorfer Schüler stellen neues Buch vor

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Die Schüler berichteten über die Entstehung des Buches und die Inhalte und überreichten ihren Interviewpartnern die ersten druckfrischen Exemplare.

Barnstorf - Von Sven Reckmann. Der letzte Teil berührte die Zuhörer im Barnstorfer Ratssaal an diesem Abend noch einmal tief, er machte betroffen, sprachlos. Schüler der Christian-Hülsmeyer-Schule und ihre Lehrerin Dorit Schierholz hatten ihr neues Buch vorgestellt, das den Titel trägt „Versäumtes wird nachgeholt – eine Spurensuche zum Zweiten Weltkrieg in Barnstorf“. Dazu hatten sie viele Interviews mit Zeitzeugen geführt.

Kurze Ausschnitte dieser Gespräche wurden nun zum Abschluss der Präsentationsveranstaltung vorgespielt, es waren Stimmen von Menschen zu hören direkt aus dieser Region. Sie erzählen von grauenhaften Erlebnissen, von Zerstörung und Tod, von Vertreibung und Flucht und vom schwierigen Neuanfang nach dem Krieg.

Unterlegt waren diese Stimmen mit Fotos aus der damaligen Zeit im Barnstorfer Raum, was den direkten Bezug zu dieser Region zusätzlich unterstrich.

Sekundenlange Stille herrschte, als der Film vorüber war, dann brandete Applaus auf als Anerkennung für die Arbeit der Schüler und der Verantwortlichen.

Erinnerungen prägen eine Gesellschaft

Die Barnstorfer Schüler haben einen Erinnerungsschatz gehoben und gesichert in Schrift und Ton. Nicht nur, um das Geschehene zu beschreiben, sondern auch, um daraus Lehren ziehen zu können. „Die Erinnerungskultur ist immer eine Frage an uns selbst, an das, was eine Gesellschaft erinnern möchte“, sagte Schierholz. Besonders heute werde das wichtig, „denn das Gedenken der Vergangenheit kann aufzeigen, auf welch dünnem Eis der Verständigung sich Gesellschaften befinden und wie schnell ein ziviler und menschlicher Umgang miteinander zerbricht.“

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse G10 berichteten über das Entstehen des Buches. 46 Zeitzeugen und andere Personen – größtenteils aus der Samtgemeinde – hatten sich für Interviews zur Verfügung gestellt und gaben einen Einblick in bewegende Lebensgeschichten. Die meisten der Gesprächspartner waren zur Buchpräsentation in den Barnstorfer Ratssaal gekommen und wurden mit einem Exemplar des frischgedruckten Buches sowie einer Rose zum Dank für das Mitwirken beschenkt.

In dem insgesamt knapp 100-seitigen Werk werden Themenfelder angesprochen wie: Das Leben im Zweiten Weltkrieg, Jugend in der NS-Zeit, Spuren des Krieges in Barnstorf, Kriegsgefangene sowie Flüchtlinge. Beleuchtet wird auch die Geschichte des Barnstorfers Walter Steffens, Olympiasieger 1936, sowie des Pastoren Harms und seiner Familie in Jacobidrebber.

Interviews zum Anhören aufgezeichnet

Neben den Interviews, die dem Buch als CD beigefügt sind, hatten die Schüler in Chroniken und Archiven zu ihren Themen nachgeforscht und besuchten unter anderem den Soldatenfriedhof Ysselstein in den Niederlanden, der an die Verfolgungs- und Vernichtungspolitik der Deutschen von 1933 bis 1945 erinnert.

An dem Projekt beteiligt waren: Hanan Ayyo, Leon Droste, Noah Grimm, Miriam Hajek, Leon Kenneweg, Jeanne Patrice Klöcker, Jonas Kröger, Janin Künning, Lea-Sophie Möckel, Felix Nico Müller, Nils Naber, Pia Rexforth, Lena Sander, Nico Schütte, Luca Marie Uhlhorn, Anna Freye, Lukas Diering, Tessa Harms, Nele Meyer und Aljoscha Wilms.

Ein so großes Buchprojekt ist nicht ohne Sponsoren möglich, denen bei dieser Gelegenheit ebenfalls gedankt wurde: Heimatverein Barnstorf, Friedrich-Plate-Stiftung, Kreissparkasse, Axel Knoerig, Landschaftsverband Hunte-Weser und Samtgemeinde Barnstorf.

Ein großer Dank ging ebenfalls an Sabine Klatte für die unermüdliche Korrektur der Texte sowie an Lina Meinecke (Gitarre) und Jonas Kröger (Klavier), die die Veranstaltung musikalisch begleiteten.

Dorit Schierholz stellte das Buch zusammen mit den Schülern vor.

Zum Abschluss dieses Abends wurden die Besucher gebeten, selbst aktiv zu werden: Unter der Überschrift „Erinnerungsfetzen“ konnten sie persönliche Erinnerungen in prägnanten Worten auf bereitliegende Stofffetzen formulieren und dann an einen Zaun heften. Es waren individuelle Botschaften, die alle noch ein langes Leben vor sich haben. Denn: „alle Ihre Gedanken zum Thema Erinnerung sind uns wichtig und wert, zu überdauern“, sagte Dorit Schierholz. Der Zaun soll später im Schulgebäude seinen Platz finden.

„Versäumtes wird nachgeholt“ ist in der Reihe „Geschichtswerkstatt Barnstorf“ erschienen und zum Preis von zehn Euro im Barnstorfer Rathaus sowie in der Buchhandlung Seitenwind erhältlich. Herausgeber ist das Welthaus.

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