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Aus dem Amtsgericht: Verurteilter Barnstorfer Sexualstraftäter sucht Nähe zu Kindern

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Ein verurteilter Sexualstraftäter aus Barnstorf hat gegen eine richterliche Weisung verstoßen und trotz Verbotes die Tennisanlage im Flecken besucht. Symbo
Ein verurteilter Sexualstraftäter aus Barnstorf hat gegen eine richterliche Weisung verstoßen und trotz Verbotes die Tennisanlage im Flecken besucht. (Symbolfoto) © Claus Bergmann / Imago

Ein verurteilter Barnstorfer Sexualstraftäter hat vermutlich Weisungen der Führungsaufsicht missachtet, indem er eine Tennisanlage im Flecken besucht und die Nähe zu Kindern gesucht hat.

Barnstorf – Um einen möglichen Verstoß gegen Weisungen der Führungsaufsicht ging es jetzt in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Diepholz. Ein Rentner, der erst im Oktober 2021 aus mehrjähriger Haft entlassen worden war, sollte entgegen erlassener Weisungen im Mai 2022 einen Ort aufgesucht haben, an dem sich üblicherweise Kinder und Jugendliche aufhalten. Ein Urteil fällte das Gericht noch nicht, da der Erfolg einer therapeutischen Behandlung des Angeklagten ohne persönliche Anhörung des behandelnden Psychologen nicht sicher eingeschätzt werden konnte. Diese soll bei einem Fortsetzungstermin stattfinden.

Im September 2018 war der Angeklagte vom Amtsgericht Diepholz wegen schwerem sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer dreijährigen Haftstrafe rechtskräftig verurteilt worden. Nach Verbüßung der Haftstrafe kehrte der Rentner in seinen Heimatort Barnstorf zurück. Wegen der Schwere der Tat hatte das Landgericht Osnabrück eine fünfjährige Führungsaufsicht gegen den Rentner verhängt. Ihm wurde verboten, Plätze aufzusuchen, an denen sich üblicherweise Kinder und Jugendliche aufhalten, darunter explizit Sportstätten.

Für die Dauer der Führungsaufsicht wurde ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt, mit dem er sich einmal wöchentlich treffen musste. Ebenso wurde er in die polizeiliche Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern aufgenommen. Ergänzend besucht der Angeklagte bis heute einmal wöchentlich eine ambulante Sexualtherapie in Bremen.

Trotz dieser umfangreichen präventiven Maßnahmen, die der Vermeidung neuerlicher Taten dienen sollen, suchte der Angeklagte an einem Nachmittag im Mai vergangenen Jahres genau solch einen Ort auf. Während einer Trainingsstunde auf einer Tennisanlage machte einer der elf bis 15 Jahre alten Jungen seinen jetzt als Zeugen gehörten Trainer darauf aufmerksam, dass da „ein Mann auf der Terrasse“ sitze. Offensichtlich hatte der Junge Bedenken, bei seinem Toilettengang an dem Mann vorbeizugehen.

Dem erfahrenen Trainer waren der Mann und seine Verurteilung bekannt, außerdem war er in den vergangenen Wochen mehrfach von besorgten Eltern von Tenniskindern angesprochen worden, weil sich der besagte Mann auf dem Tennisgelände oder in dessen Nähe aufgehalten haben sollte. Da der Trainer den Vereinsvorstand zwecks Klärung über die Zulässigkeit des Aufenthaltes des Mannes auf dem Gelände nicht erreichen konnte, wandte er sich an die Polizei.

Die einschreitende Polizeibeamtin traf den Angeklagten auf einem Stuhl sitzend unmittelbar neben dem Spielfeld an. Auf Nachfrage habe der Mann angegeben, aus Langeweile den Kindern beim Sport zuzuschauen. Nach Klärung, dass tatsächlich ein entsprechendes Aufenthaltsverbot vorliegt, habe sie dem Mann einen Platzverweis erteilt.

Die Polizeibeamtin wurde sowohl vom Richter, als auch vom Verteidiger des Angeklagten intensiv zum Zustand und zum Verhalten des Mannes befragt. In seiner Einlassung hatte der Verteidiger angegeben, dass sein Mandant die Tennisanlage quasi gezwungenermaßen aufgesucht hätte. Bei einer Fischmahlzeit am Dümmer habe sich der Angeklagte den Magen verdorben. Er habe es nicht mehr geschafft, mit dem Fahrrad nach Hause zu fahren und habe seine Notdurft auf der Toilette der Tennisanlage verrichten müssen.

Die Polizeibeamtin bekräftigte noch einmal ihre zuvor gemachten Angaben bezüglich der Einlassung des Angeklagten am Vorfalltag: Der Mann habe ihr gegenüber nichts von Magenproblemen geäußert. Er habe sich körperlich völlig normal verhalten, konnte Fahrrad fahren und äußerte während der gesamten Zeit nicht den Wunsch, eine Toilette aufzusuchen.

Damit bestanden nach Wertung des ermittlungsführenden Richters keine Zweifel, dass der Angeklagte einen gezielten Verstoß gegen die Weisungen der Führungsaufsicht begangen hatte. Der bei der Verhandlung anwesende Bewährungshelfer des Angeklagten wurde intensiv zu seiner Einschätzung zum Erfolg der bisherigen therapeutischen und sonstigen begleitenden Maßnahmen befragt. Dem Richter war wichtig, eine möglichst verlässliche Prognose über das zukünftige Verhalten des Angeklagten zu erlangen. Dazu ist nach Übereinstimmung aller Beteiligten die Anhörung des behandelnden Psychotherapeuten erforderlich. Ein zeitnaher Fortsetzungstermin wurde daher anberaumt.  agu

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