70. Geburtstag des Landfrauenvereins: 140 Gäste feiern bei „Botox to go“

„Weibsbilder“ außer Rand und Band

In die Jahre gekommen sind die Freundinnen aus der Eifel: Zum Senioren-Zumba angemeldet, bekennen sie „I Got You Babe“ und ihre tiefe Freundschaft trotz aller Unterschiedlichkeit.

Barnstorf - Von Simone Brauns-Bömermann. Daniel und Ulli, das männliche Servicepersonal bei Roshop zuständig für den Saal voller Landfrauen, werden den 70. Geburtstag der Landfrauen wohl kaum vergessen. Die rund 140 Gäste, vorwiegend „Weibsbilder“ wie Monty Python das weibliche Geschlecht neckisch nannte, auch nicht.

Aber auch der Tisch eins, Karin und Herr Abeling in Abwesenheit werden sich den 26. August 2017 merken. Nicht unschuldig daran war das unschlagbare Duo „Weibsbilder“ aus der Eifel mit den Kabarettistinnen Anke Brausch und Claudia Thiel.

Absage von Andreas Bourani - besingen die Damen sich eben selbst

Doch auf null: Samstagabend im Hotel Roshop. Feierstunde des Landfrauenvereins Barnstorf zum 70. Jubeltag. „Wisst Ihr noch?“, fragten sich Vorsitzende Imke Abeling und Renate Windeler aus dem Vorstand. Auf dem Stehtisch ein Beton-Gugelhupf mit sieben Kerzen, eine für jedes Jahrzehnt erlangte Emanzipation.

Vergessen die Absage von Andreas Bourani – sich und ihre Erfolge besingen können die Landfrauen selbst und hoben die Sektkelche: „Ein Hoch auf das, was vor uns liegt…“ skandierten die Kehlen. Was dann folgt, ist die „Longversion“ der Utensilien auf den Tischen: Gurken, Waschlappen, Quietsche-Enten, Duschhauben und der coole Spruch für jede Landfrau zum Mitnehmen: „Optimisten und Landfrauen. Sie stehen nicht im Regen, sie duschen unter Wolken“.

Ein riesiges Dankeschön ging an Ehrenvorsitzende Renate Runnebaum (links) und ehemalige Vorsitzende Heidrun Oetting.

Mit Frottee, Kittelschürze, Body-Fit-Dress, Schlafmaske und Senioren-Zumba „erledigte“ das Duo sein Publikum in Barnstorf. Mit ihrem Programm „Botox to go“ sind sie dem Schönheitswahn auf der Spur, riskieren eine dicke Lippe ohne Aufspritzen. Dabei fing mit Claudia als Bonanza-Girl alles so harmlos an: Sie fuhr auf die Farm, nur wusste sie nicht, dass es sich um eine Schönheitsfarm handelte. Es folgen zweieinhalb Stunden feinsinniger Humor mit deftigen Sprüchen, in deftiger Sprache aus Mündern zweier 1,60er Damen aus der Eifel, die es faustdick hinter den Ohren haben.

Wer vorne sitzt, bekommt sein Fett weg

Sie sind viele Charaktere und mit dem Untertitel der Show „Bei uns kriegst Du dein Fett weg“ saßen die Gäste an den vorderen Tischen eher schlecht: Wie Karin, die kommentieren sollte, was die Zwei so im Wellnesstempel bei Roshop trieben. Oder Tisch eins, der Schelte einsteckte, wenn die Lacher nicht sofort saßen: „Boh äh Barnstorf, dat kennt Ihr ja nich hier“. Auch Imke Abelings Privatleben wurde eingehend beleuchtet: „Du hast ja noch Söhne, vielleicht kommen wir da ins Geschäft?!“ versprach Anke Brausch ihrer zukünftigen Schwiegermama, aber bitte mit beiden Söhnen, denn ein Mann, so alt wie ihrer, nein das sei nichts für sie, Plural wäre schon besser: „Wenn das in Barnstorf geht, bleibe ich hier“.

Sexy in pinkfarbenen Frotteetuch und Plüsch-High-Heels, später mit Mega-Implantaten in Brust und Po, wegen des Gleichgewichts, als Promikind Tineke, die nur den Pabst heiratet, weil der nicht wie Bischöfe Geld ausgeben darf, aber viel besitzt. Zu guter Letzt singt sie als gealtertes „Babe“ zum Song „I Got You Babe“ erobert Anke Brausch alle Lachmuskeln. Claudia hat als „Opfer“- Charakter längst ein Auge auf den „leckeren“ Daniel im Saal geworfen und will beim Dank nur von ihm die Blumen. „Vielleicht überlegen wir uns doch noch heute Nacht hierzubleiben“, beide.

Keine Scheu vor derben Witzen

Die Kettenschnur der Kalauer, Witze, das Witzeln und Frotzeln, wird endlos, schön lang. Von Körperbehaarung und Brasilian Waxing, erotische Nutzfläche, Putzfrau Christel Müller aus der Zentraleifel im Fernsehen, die mehr als Gesicht fürs Radio geeignet ist, aber bestens Bescheid weiß mit dem 10er Pack „Stringtangas“. „Bei uns in der Eifel heißen die Arschkordeln und bei mir sind die bei de-Omma-schön-haken-und-mit-Heide-frisieren, in mir verschwunden“. Das hätte ihr aber Professor Lesch erklärt: „Das sei Physik, da geht die Materie mit Energie ab in das schwarze Loch“. Imke Abeling schaut Richtung der älteren Landfrauen und fragt sich: „Geht das alles noch?“. Die lachenden Gesichter geben die Antwort: „Es geht, es geht gut“. Aus ihrem Seniorendamenlied „Lass den Zivi in mein (Gitter)-bett“ wird in Barnstorf mit 142 Stimmen „Lass den Daniel in mein Bett“.

Je länger der Abend, desto derber die Witze, die Landfrauen bekunden den Grad ihrer Emanzipation. Und wenn Anke dann die verrutschten Silikonpolster an den Außenseiten der Oberschenkel zeigt, sind alle versöhnt. „Da stimmt doch wat nich. Ach egal, hat der Mann nen paar Griffe“. Die Tränen vor Lachen getrocknet, ist noch Autogrammstunde am neuesten Buch von Brausch: „Alt bist du erst, wenn der Bürgermeister zum Geburtstag gratuliert“. Ein Abend mit ausgelassenen Weibsbildern.

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