„Was geht ab? Demokratie!“

Integratives Jugendkulturcamp in Barnstorf: Alle machen mit, nur die Deutschen fehlen

Gruppenfoto der Teilnehmer des Jugendcamps in Barnstorf mit selbst gemachten Kleidungsstücken.
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Zur Stärkung der Gruppendynamik gestalteten die Teilnehmer eigene Pullover und T-Shirts.

20 Kinder und Jugendliche haben beim Jugendkulturcamp in Barnstorf teilgenommen. Ferienprojektleiterin Isabell Gerken ist zufrieden mit dem Ablauf, nur deutsche Beteiligung hat sie vermisst.

Barnstorf – Sie lachen zusammen, tauschen sich aus und starten gemeinsame Projekte. Die Kinder und Jugendlichen, die beim Jugendkulturcamp in Barnstorf dabei waren, verstehen sich auch privat gut: Das integrative Projekt war ein voller Erfolg – gäbe es da nicht diesen einen Wermutstropfen: Es war kein einziger Teilnehmer ohne Migrationshintergrund beim Ferienprogramm des Vereins Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB) dabei.

Jugenkulturcamp Barnstorf: Begegnungspunkt mit dem Ziel der Integration

„Das Jugendcamp versteht sich als ein Begegnungspunkt mit dem Ziel der Integration“, sagt die pädagogische Projektleiterin Isabell Gerken. Sie ist seit 2017 dabei. Zweimal jährlich – das Coronajahr 2020 einmal ausgeklammert – lädt der VNB zum Camp in Barnstorf ein, „aber deutsche Jugendliche erreichen wir einfach gar nicht“, ärgert sich Gerken. Zwar seien alle 20 Plätze schnell vergriffen gewesen, jedoch ohne deutsche Beteiligung. „Das ist nicht ganz unser Ziel“, sagt sie. Denn Integration funktioniere in Deutschland dann am besten, wenn sich alle – auch diejenigen ohne Migrationshintergrund – für andere Kulturen interessieren.

Eigens choreografierte Tänze sind Teil des Barnstorfer Jugendcamps.

Eine Antwort auf die Frage, warum deutschen Kindern und Jugendlichen das Interesse am Camp in Barnstorf fehlt, habe Gerken nicht. An Werbung für das Ferienangebot habe es allerdings nicht gemangelt: „Ich habe sämtliche Einrichtungen – Schulen, Wohngruppen – angesprochen.“ Die Rückmeldung sei immer verhalten ausgefallen.

Dass das Jugendcamp ein positiver Faktor für die Integration sein kann, habe die Gruppe der Teilnehmenden in diesem Jahr gezeigt. „Es sind sehr viele Kulturen aufeinandergetroffen“, sagt Gerken. Trotzdem hätten sich über die zwei Wochen in den Herbstferien keine Kleingruppen innerhalb der großen Gruppe gebildet. Gerken: „Sie haben alle zusammengehalten. Jeder hat sich geholfen, alle waren super interessiert und haben viel voneinander gelernt. Es gab eine tolle Gruppendynamik.“

Das Ferienangebot

Das Jugendkulturcamp ist ein kulturell-kreatives und integratives Angebot des Vereins Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB) zur politischen Bildung, bei dem der Inklusionsgedanke ebenfalls eine Rolle einnimmt.

Im Rahmen des Förderprogramms „75 Jahre Demokratie in Niedersachsen – Alles klar!?“ vom Niedersächsischen Kultusministerium unterstützen des Weiteren die Heinrich-Dammann-Stiftung, der Landschaftsverband Weser-Hunte, das Paritätische Jugendwerk (PJW) und der Fachdienst Jugend vom Landkreis Diepholz dieses Ferienangebot.

Förderer speziell aus Barnstorf und Umgebung sind die Christian-Hülsmeyer-Schule, Pro Asyl, das Welthaus Barnstorf, die Oberschule Twistringen und der Syker Verein „Intakt – Integration durch Aktivität“.

Thematisch stand in diesem Jahr die politische Aufklärung unter dem Titel „Was geht ab? Demokratie!“ im Fokus des Jugendkulturcamps. Gerken: „Wir haben gesellschaftspolitische Themen künstlerisch umgesetzt.“ Unterteilt war das Programm in Ausflüge zur Stärkung des Wir-Gefühls, Freizeitphasen und Arbeitsphasen in Workshops. „Jeder konnte frei wählen, in welchen Workshop er am nächsten Tag geht“, erklärt Gerken. Die Workshops waren unter anderem kreatives Schreiben, Pullover selbst gestalten sowie Graffiti- und Tanzkurse.

Auch Graffiti-Kurse kamen bei den Jugendlichen gut an.

Gerken hatte Unterstützung von drei Künstlerinnen: Tänzerin sowie Spiel- und Medienpädagogin Milosch Spielvogel, Filmemacherin Samra Ghazal Alhamwi und die bildende Künstlerin Paula Löffler. Die ehemalige Teilnehmerin Rasale Ayyo unterstützt das Team seit einiger Zeit ehrenamtlich. Davor hat Gerken Hochachtung: „Sie opfert jedes Mal ihre Schulferien für das Jugendcamp.“

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