Der TSV Drentwede blickt auf 100 Jahre Vereinsgeschichte zurück

Vier Elemente und die „RentnerbÄnd“

Der Vorstand freut sich wegen der Corona-Krise auf Abstand zueinander über 100 Jahre TSV Drentwede. Frauenwartin Imke Bruns fehlt. Fotos: Brauns-Bömermann

Drentwede – Der Turn- und Sportverein (TSV) Drentwede schaut auf 100 Jahre Vereinsgeschichte zurück. Am 9. April jährte sich die Gründung zum hundertsten Mal. Die Chronik ist fertig und soll, sobald das Kontaktverbot aufgrund der Corona-Pandemie gelockert wird, in einem Festakt den Mitgliedern vorgestellt werden. Der für Freitag, 17. April, geplante Festabend muss aber ausfallen. Ob die weiteren Veranstaltungen im Juni stattfinden, entscheidet der Vorstand im Mai.

Peter Voss leitet die Geschicke seit 1976 als Vorstandsvorsitzender. Im Jubiläumsjahr zählt der TSV 503 Mitglieder, davon 323 männlich und 180 weiblich. Es gibt die „RentnerbÄnd“ und der Sportverein setzt auf eine Vier-Elemente-Lehre. „Sie beschreibt alles Sein anhand der vier Grundelemente Feuer, Wasser, Luft und Erde“, definieren Voss und sein Chronik-Team die bisherigen Erfolge.

Am 9. April 1920 wurde der Turnverein Drentwede im Holzkrug (heute Möbel Koch) gegründet. Heinrich Lüllmann erinnert sich, dass Karl Schmidt, Dr. Robert Weber, Hermann Lange und Fritz Barmbold zu den Gründern gehörten. In den 1920er-Jahren engagierten sich männliche Drentweder in der Feuerwehr, in der Kyffhäuser Kameradschaft und im Schützenverein. Als die jungen Drentweder den Wunsch äußerten, einen Sportverein zu gründen, stieß das nicht nur auf Gegenliebe: „All woor een Verein, in dem die Jungs datt Supen leert, wotoo schall dat goot ween?“ oder „Wenn se nich utlaßt sind, schüllt se man mehr arbeiten“, war die Meinung manch älterer Drentweder auf plattdeutsch. Die Jungen setzten sich dennoch durch: Es wurde geturnt, Leichtathletik betrieben und Fußball gespielt.

Chronik

Ein Auszug aus der Chronik: „In der Zeit des Dritten Reiches werden die Sportvereine 1933 von den Nationalsozialisten aufgelöst. Trotzdem schließen sich Drentweder am 18. Januar 1935 erneut zusammen und lassen unter Emil Albrecht (Lehrer in Drentwede) den Verein wieder aufleben. Sogar in den Kriegsjahren von 1939 bis 1945 gibt es verschiedene Aktivitäten. Bis zu seiner Auflösung am Kriegsende 1945 führt Emil Albrecht den Verein. In dieser Zeit steht noch das Turnen im Vordergrund. Durch das neu angeschaffte Turnpferd kann das Trainingsangebot erweitert werden. Als Runges Saal wegen Einlagerung von Kriegsgütern nicht mehr zur Verfügung steht, trifft sich die Drentweder Jugend auf Teggemanns Diele zum Turnen.“

Die Urkunde zur Neugründung des Turnverein Drentwede aus dem Jahr 1945.

Heute

Das größte Öffentlichkeitsinteresse hat heute die Sparte Fußball. Hierzu zählen die Erste und die Zweite Herren, die Alten Herren und Oldies sowie die Jugendabteilungen. Wenn in der Chronik von den vier Elementen gesprochen wird, ist das als Lob an alle Beteiligten am Sportbetrieb gemeint, so Voss.

Das erste Element ist beim TSV jeder aktive Spieler. Ohne sie würde es keinen Spielbetrieb geben. Das zweite Element sind die Trainer und Betreuer. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen motivieren und leiten sie ihre Spieler. Neben der Mannschaftsführung und dem Trainings- und Spielbetrieb seien die Trainer ein Vorbild für die Spieler und stehen bei Erfolg und Misserfolg im Rampenlicht.

Als drittes Element gelten die Familien und Partner der Sportler. „In der heutigen Zeit ist es nicht mehr selbstverständlich, für sein Hobby Familienfeste oder Sonntage hinten anzustellen, um sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen“, kommentiert Voss.

Das vierte Element sind die ehrenamtlichen Mitglieder, Sponsoren und die treuen Zuschauer. Der Vorstand um den zweiten Vorsitzenden Christian Böckermann, Geschäftsführer Maurice Schütte und Stellvertreter Julian Austerhoff dankt im Jubiläumsjahr ganz besonders dem Spartenleiter Fußball Sascha Budweg, Jugendleiter Karsten Bruns und Frauenwartin Imke Bruns. „Im Idealfall sind sie es, die mit ihrem Handeln immer wieder Menschen motivieren, Sport zu treiben.“

Und dann ist da noch die „RentnerbÄnd“: Sie sind diejenigen früheren Vereinsmitglieder, die immer wieder Einsätze fahren, um die Sportanlagen zu pflegen, an deren Erstellung sie oft in ihrer aktiven Zeit beteiligt waren. „Es wird immer schwieriger, Mitglieder zur Mithilfe zu bewegen in der heutigen Zeit“, beschreibt Voss ein Problem.

Seit 2018 sind Jürgen Hoormann, Heinz Heuer, Friedel Schütte, Werner Hellmers, Hans Marose, Günter Sander, Rolf Ohmann, Jürgen Panhorst, und Peter Voss dabei. Alfred Lange entschloss sich, Ende 2019 mitzumachen. Ziel der „RentnerbÄnd“ ist die Renovierung der Gemeinschaftshalle inklusive der Duschen und Umkleiden noch im Jahr 2020.

Sportplatz und Hallen

1949 konnte der TSV ein Grundstück an der Bahnhofstraße von Hofbesitzer Dietrich Harms aus Heiligenloh pachten. 1958 kaufte der Verein eine gebrauchte Baracke für Umkleide- und Waschgelegenheit. Die Gemeinde Drentwede entschloss sich, 1963 beim „Holzkrug“ ein Grundstück für ihren Sportverein zu erwerben.

Der TSV begann 1964 hier einen neuen Sportplatz anzulegen. Holz fällen, planieren und Einsaat erschwerten die Aktion. 1966 funktionierte die Drainage immer noch nicht, der Platz wurde erneut umgebrochen. 1969 war der Platz vermessen, 1970 fand die offizielle Einweihung statt.

1978 war der Windschutz gepflanzt und der Bau einer neuen Umkleidehalle geplant. Der Schießstand war integriert. Nach und nach erweiterte sich die Gemeinschaftshalle durch den Aufenthaltsraum und die Küche. Der Sportplatz besitzt seit 2017 eine Alubarriere, die Platz für 32 Werbeschilder für Sponsoren bietet. Flutlicht erleuchtet seit 1973 den Platz für die Fußballer.

Turnen im Freien ging immer, Turnen in der Halle sei aber in Drentwede von Anfang an erwünscht gewesen. Der sehnliche Wunsch erfüllte sich 1969 mit dem Bau der Turnhalle an der Schule. Sie konnte im Spätsommer 1970 eingeweiht werden. „Ab dem Zeitpunkt stiegen die Mitgliederzahlen des TSV stetig an“, erinnern sich die Chronikmacher des Vereins.

Wie in vielen Sportvereinen im Landkreis, startete auch Drentwede zur Gründung im Jahr 1920 mit einer Leichtathletik-Sparte. Sie erlebte bis heute eine wechselvolle Geschichte. Bald nach Gründung schloss sich die Sparte dem TV Heiligenloh an. 1964 startete Peter Voss als Trainer der Leichtathleten erneut durch und machte den Verein zu einem der erfolgreichsten Vereine im Kreis. Ab 1971 ruhte der Leichtathletikbetrieb wieder, bis es 1989 unter dem Motto „Laufen, ohne zu schnaufen“ mit dem Lauftreff ein neues Sportangebot gab. Ab 1994 erweiterte Voss das reine Laufangebot durch einen Dreikampf für Kinder und Schüler und hatte mit der Bandbreite Erfolg.

Sparten

„Das gab es auch als Sparte im TSV“, resümiert der heutige Vorstand mit einem weinenden Auge, aber stolz auf die Sparten, die blieben: Tischtennis (1984 bis 2019), Judo (1976 bis 1980), Faustball (1972 bis 1989).

Die Theatergruppe entschloss sich zur Eigenständigkeit und spielte ab 1980 bis 2018 als „Plattdeutsche Heimatbühne Drentwede“. Die Erfolge vor großem Publikum in Colnrade, Natenstedt und Bassum mit bis zu 560 Besuchern bleiben unvergessen. Das Fazit von Voss zum Lebenslauf eines Sportvereins: „Neue Sparten entstehen und verschwinden.“

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