Bürgerforum: Unerlaubte Nutzung umfasst 8,6 Hektar 

Viele Wegesränder geraten unter den Pflug

Wegeseitenränder bieten wichtige Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt. Zum Schutz der Natur setzt sich das Bürgerforum für eine Einhaltung der Grundstücksgrenzen ein. - Foto: Speckmann

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Zahlreiche Landwirte im Flecken Barnstorf werden in den kommenden Wochen Post bekommen. In den Schreiben weist die Gemeindeverwaltung auf diverse Grenzüberschreitungen hin. Wie sich auf Initiative des Bürgerforums herausgestellt hat, werden etliche Wegesränder unerlaubt als Acker- oder Weideland genutzt. Diese Flächen sollen nun für ökologische Zwecke zurückgewonnen werden.

Unter dem Motto „Wegesrand in Gemeindehand“ war das Bürgerforum der Samtgemeinde Barnstorf bereits vor einem Jahr in die Öffentlichkeit getreten. Doch dann wurde es still um das ambitionierte Projekt, Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt zurückzuerobern. „Wir hatten eine lange Findungsphase. Es war lange nicht klar, wie das Verfahren laufen sollte“, erklärt Sprecher Heiner Brüning.

Der Abgleich von Luftaufnahme und Katastereintrag macht deutlich: Im Flecken Barnstorf ist ein Teilstück eines Weges, rund 1809 Qudratmeter, komplett von der Bildfläche verschwunden.

Inzwischen ist es gelungen, stichhaltige Informationen zu sammeln und damit die Basis für ein aktives Vorgehen im Flecken Barnstorf zu legen. Mit Unterstützung eines Vermessungsbüros sind Flurkarten und Luftbilder verglichen worden. Das Ergebnis bestätigt, was die Vertreter des Bürgerforums bereits damals vermutet haben. Die Grenzüberschreitungen sind erheblich: „Auf 8,6 Hektar Gemeindeland findet unerlaubte landwirtschaftliche Nutzung statt.“ Etwa 150 Flächen sollen betroffen sein. In Wirklichkeit dürfte der Umfang der Fremdnutzung noch höher sein. Denn in die Berechnung sind nur Flächen eingeflossen, deren Grenzüberschreitung mindestens 250 Quadratmeter beträgt, erläutert Brüning. Er geht davon aus, dass die Situation in den übrigen Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Barnstorf ähnlich ist. Dort solle in den Jahren 2017 und 2018 ebenfalls eine Bestandsaufnahme gemacht werden. In der Endabrechnung könnten dann gut und gerne 30 Hektar zusammen kommen.

Betroffen seien vor allem Wegesränder, aber auch ganze Wege seien in landwirtschaftliche Nutzung übergegangen, sagt der Forumssprecher. Er zeigt auf eine aktuelle Luftbildaufnahme. Dort, wo laut Kataster eigentlich ein Wirtschaftsweg verlaufen müsste, befindet sich jetzt Ackerland. Mehr als 3000 Quadratmeter beträgt der Flächenraum in diesem Bereich. Forumsmitglied Dr. Oliver Nixdorf hat eine weitere Entdeckung nahe der Hunte gemacht. Dort sei ein Teil der geschotterten Zuwegung zur Kanu-Anlegestelle untergepflügt worden.

Wenn es um die Beschneidung der so genannten Wegrainen geht, bildet der Flecken Barnstorf keine Ausnahme. Auch in anderen Kommunen gebe es unerlaubte Grenzüberschreitungen, hat Brüning bei Recherchen festgestellt. Es sei ein widerrechtliches Verhalten, das aus Profitgründen entstehe und sich gegen das Gemeinwohl richte. „Wir wollen das nicht mehr hinnehmen“, meint der Forumssprecher. Politik und Verwaltung würden das Vorgehen unterstützen. Die Kommune habe auch die Kosten für die Datenermittlung, etwa 6.000 bis 7.000 Euro, übernommen.

Für die ermittelten Grenzüberschreitungen kommen etwa 80 bis 100 Grundstücksbesitzer beziehungsweise deren Pächter in Betracht. Die Eigentümer werden in Kürze angeschrieben und dazu aufgefordert, die markierten Flächen ab dem 1. Oktober 2016 als Brache liegen zu lassen. Verwaltung und Politik sollten dann im nächsten Jahr eine Begehung vornehmen und über die Nachnutzung beraten, erläutert Brüning die weiteren Schritte.

Für die Nutzung gebe es verschiedene Optionen. In vielen Fällen könnten die hinzugewonnenen Flächen als Brache am Wegesrand liegen bleiben oder auch zur Vernetzung von bereits bestehenden Biotopen dienen. Aber sie könnten auch Raum für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen bieten, zu denen eine Kommune verpflichtet ist, wenn sie beispielsweise neue Baugebiete schafft und damit Flächen versiegelt. In diesem Fall wäre eine massive Kostenersparnis möglich, meint der Forumsvertreter.

Das Bürgerforum will hier nicht locker lassen und sich dafür einsetzen, dass nach der nächsten Luftbild-Aktualisierung ein weiterer Flächenabgleich stattfindet, um die Einhaltung der Grenzen zu überprüfen. Wichtige Lebensräume, die unter den Pflug geraten sind, sollen langfristig zurückgewonnen werden. Brüning: „Das ist eine erhebliche ökologische Aufwertung für die freie Natur und das Gemeinwohl.“

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