300 Variationen von „Rotkäppchen & Co.“

Achim Amme mit Märchen für Erwachsene im Heimathaus Meyer-Köster in Barnstorf

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Am Büchertisch erläuterte Achim Amme dem interessierten Publikum seine Werke. 

Barnstorf - Christiane Roth vom „Treffpunkt Kultur“ hatte unter dem Titel „Rotkäppchen & Co.“ zu einer Märchenstunde nur für Erwachsene ins heimelige Heimathaus Meyer-Köster eingeladen. Folgerichtig begann sie die Vorstellung des Hamburger Märchenerzählers, Autor und Schauspielers Achim Amme mit den Worten: „Es war einmal …“ und versprach dem Publikum einen unterhaltsamen und lehrreichen Abend.

Amme legte sich gleich ordentlich ins Zeug mit dem weniger bekannten Märchen „Das Büerle“ der Gebrüder Grimm. Mit uriger Mimik und Gestik vermittelte er, wie das arme Bäuerlein, verachtet von den anderen Dorfbauern, es durch Gerissenheit zu großem Wohlstand bringt und sogar zum Schultheiß aufsteigt.

Beim Märchen „Der alte Großvater und der Enkel“ gelingt es Amme, beim Publikum ein spontanes Lächeln zu erzeugen, was aber im Hals stecken bleibt bei dem schaurigen Ammenmärchen von dem eigensinnigen Kind, das selbst im Sarg keine Ruhe findet und immer wieder sein Ärmchen ausstreckt.

Den Wettlauf zwischen Hase und Igel trägt er in plattdeutscher Sprache vor, wobei er mit einem Augenzwinkern kundtut: „In Bayern muss ich simultan übersetzen“. Wenn dann der hochmütige Hase zum 74. Mal hört „Ick bin all hier“ und tot zusammenbricht, stimmt das Publikum mit dem Buxtehuder „Swinegel“ in ein befreiendes Lachen ein.

Dies wird von Amme auch auf die Gesichter gezaubert, wenn er aus der Feder von Janosch „Der faule Heinz“ zelebriert und statt auf ein Kanapee die Beine auf einen Tisch legt – ein Markenzeichen von ihm.

Der Ringelnatz-Preisträger begeisterte dann in „Ammes Märchen“ mit eigener moderner Lyrik über den „Schmerzschreiwald“, „Zorro“ und das „Rumpelstilz“, wobei er sich teils von seiner komischen, aber auch melancholischen Seite zeigte.

Zum Thema „Rotkäppchen & Co.“ hätte Amme mehr als 300 Versionen beisteuern können, beschränkte sich aber auf eine kleine Auswahl: Im breitesten US-Slang lässt er in James Thurber´s Krimifassung das kleine Mädchen den Wolf mit einer „Browning“ erschießen. In der staubtrockenen Behördensprache von Thaddäus Troll wird der Wolf einer „Raubtiervernichtungsaktion“ unterzogen und wenn er sich szene-sprachlich in das Girlie Irmela mit Henna-gefärbten Haaren verwandelt, macht er mit dem Wolf „kurzen Prozess“.

Ohne Zugabe wollte das Publikum den Märchenerzähler nicht gehen lassen und dieser ließ sich nicht lange bitten: In einem Konglomerat aus Schneewittchen, Dornröschen und Rotkäppchen kehrte der Wolf immer wieder in die Schwieger-Straße 13 zurück, wo er am Ende von der Großmutter gefressen wird.

Den Abend beendete Achim Amme in Ringelnatz-Manier, indem er die „überflüssige Fischbrut“ nach Hause schickte.

In der Pause hatte Amme einen reichhaltigen Büchertisch aufgebaut, wo er interessierte Besucher beraten konnte.

An den Tischen im Heimathaus wurden Getränke kredenzt: Vor allen Dingen „Rotkäppchen-Sekt“ – mit und ohne Alkohol. 

 web

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