2014 kam der „Wendepunkt“

Angehörigengruppe für Suchtkranke in Barnstorf besteht seit 20 Jahren

Logo des Fachbereichs „Wendepunkt“
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Seit 2014 gibt es den Fachbereich „Wendepunkt“ innerhalb des Blauen Kreuzes der evangelischen Kirche speziell für Angehörige von Suchtkranken.

Die Barnstorfer Angehörigengruppe für Suchterkrankte war vor 20 Jahren im BKE die erste in Deutschland. Gruppenleiterin Käthe Ellmann ist stolz auf das, was die Gruppe in dieser Zeit erreicht hat.

Barnstorf – „Es macht keinen Sinn, wenn man hilflos helfen will“, sagt Käthe Ellmann. Sie ist seit 15 Jahren Leiterin der Barnstorfer Angehörigengruppe für Suchterkrankte beim Blauen Kreuz in der evangelischen Kirche (BKE). Vor 20 Jahren hat sich diese Gruppe gegründet – „die erste nur für Angehörige überhaupt im Bundesverband“, sagt Ellmann. Die Gruppe hat sich jetzt zur Feier der Gründung in Schröders Gasthaus mit aktuellen und ehemaligen Mitgliedern getroffen. Käthe Ellmann blickt auf das zurück, was die Angehörigen aus Barnstorf in zwei Jahrzehnten erreichten. Und das ist eine ganze Menge.

Angehörigengruppe Barnstorf: Käthe Ellmann stieg vor 18 Jahren ein

„Angefangen hat alles mit sieben Angehörigen, die diese Gruppe gegründet haben“, erinnert sich Ellmann. Sie selbst war da noch nicht dabei, stieß aber vor 18 Jahren dazu. „Mittlerweile gibt es auf Bundesebene viele Angehörigengruppen“, sagt sie. „Das ist alles auf Barnstorf zurückzuführen. Was daraus erwachsen ist, ist wirklich gigantisch.“ Seit ihrem Beitritt engagiert sich Gruppenleiterin Käthe Ellmann auch auf Landes- und Bundesebene und macht sich für Angehörige von Suchtkranken in ganz Deutschland stark.

Der größte Meilenstein sei im Jahr 2014 die Gründung des Fachbereichs Angehörige im BKE unter dem Titel „Wendepunkt“ gewesen. Damit hätten Angehörige im Bundesverband einen ähnlichen Stellenwert wie Betroffene. „Sie haben damit im Blauen Kreuz eine Gleichstellung erfahren. Das ist ganz wichtig“, sagt Ellmann. Der Name „Wendepunkt“ sei ganz bewusst gewählt worden. „Der erste Schritt ist immer der schwerste“, sagt die Initiatorin. Im Falle der Angehörigen bedeute das, sich einzugestehen, dass man selbst Hilfe brauche. „Das ist dann der persönliche Wendepunkt“, erklärt Ellmann. Seit es den Fachbereich gibt, gibt es die anerkannte Schulung „AhA – Angehörige helfen Angehörigen“. Dort lernen sie, wie sie andere bei der Selbsthilfe unterstützen können. „Das Konzept habe ich mit erarbeitet“, sagt Ellmann.

Gruppenleiterin Käthe Ellmann ist stolz, was die Angehörigengruppe in 20 Jahren erreicht hat.

Dass es diese Angebote und Gruppen speziell für die Menschen gibt, die nicht direkt an einer Sucht erkrankt sind, sei enorm wichtig, denn „für Angehörige von Suchtkranken macht es keinen Sinn, in eine Betroffenengruppe zu gehen“, meint die Gruppenleiterin und spricht dabei aus Erfahrung, denn sie selbst war nie suchtkrank, ihr Mann allerdings schon. „Ich war zuerst mit ihm in einer gemischten Gruppe. Dort fühlte ich mich aber Fehl am Platz“, erinnert sie sich. „Es ging dort immer nur um sie, weil sie ja krank sind – nie um die Angehörigen.“

Bewusste Trennung von Angehörigen- und Betroffenengruppe

Also wechselte sie innerhalb von Barnstorf die Gruppe. Unter Gleichgesinnten fühlte sie sich verstanden, ihre Ängste, Sorgen und Bedürfnisse fanden Gehör. Von der Betroffenengruppe, die es im Flecken unter der Leitung von Peter Lorenz auch gibt, ist sie losgelöst. „Das haben halten wir ganz bewusst getrennt“, erzählt Ellmann. Die Trennung der Gruppen gebe es aber nicht, weil man sich nicht verstehe – ganz im Gegenteil: „Der Kontakt zur anderen Gruppe ist immer da“, sagt sie. Der Austausch sei darüber hinaus enorm wichtig. „Wir betrachten unsere Angehörigengruppe nicht als Konkurrenz, sondern als Teil des Ziels“. Und das sei am besten zu erreichen, wenn sich beide, der Betroffene und der Angehörige, nach vorn bewegen – gemeinsam, aber unabhängig voneinander.

Ellmann verspricht: „Man findet bei uns Menschen, die einen verstehen.“ Als Angehöriger eines suchtkranken Menschen entwickele man sogenannte Anpassungsreaktionen auf die Erkrankung, erklärt die Gruppenleiterin aus Barnstorf. Am auffälligsten sei dabei das Lügen. „Man lügt für den Betroffenen, deckt ihn und will nicht, dass etwas von der Sucht nach außen dringt“, sagt sie. Doch genau das sei falsch: „Das ist Selbstbetrug.“ Auch Angehörige müssten an sich arbeiten, um denen wirklich helfen zu können, die ihnen nahe stehen. „Die Anpassungsreaktion kann und muss rückgängig gemacht werden“, sagt Ellmann.

Zur Feier des 20-Jährigen Bestehens der Angehörigengruppe Barnstorf waren auch ehemalige Mitglieder eingeladen. Werner Zabock (rechts), einer der Gründer, kam auch.

Damit den Angehörigen möglichst früh geholfen werden kann, hat der Fachbereich „Wendepunkt“ im Jahr 2018 ein bundesweites Klinikkonzept erarbeitet. Auch da hatte die Leiterin der Barnstorfer Angehörigengruppe ihre Finger im Spiel. Das Konzept trägt den Titel „Angehörige beraten Angehörige (AbA) – jetzt“. „Das ist eine frühe Hilfe“, erklärt Ellmann. „Wenn Erkrankte zum ersten Mal klinisch behandelt werden, können Angehörige durch AbA direkt Hilfe erfahren – wenn sie denn möchten.“ Das Klinikkonzept soll Kontakte zu Anlaufstellen vermitteln und erste Ängste der Angehörigen in Bezug auf Sucht möglichst gering halten.

Teilnehmen

Wer als Angehöriger einer Person, die an einer Sucht erkrankt ist, Hilfe sucht, kann sich der Barnstorfer Gruppe des BKE anschließen. Die Mitglieder treffen sich jeden ersten und dritten Dienstag im Monat um 20 Uhr im Igel-Mehrgenerationenhaus.

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