Abschied von der Christian-Hülsmeyer-Schule

Ulrich Zieske hinterlässt ein „wertvolles Liebhaberstück“

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Zur Verabschiedung in den Ruhestand freute sich Ulrich Zieske (r.) über zahlreiche Geschenke. Seine bereits pensionierten Kollegen Rolf Häsemeyer, Wolfgang Müllner, Gerd Pleister und Uwe Lamp (l.) überreichten einen wertvollen Koffer, der zunächst auf unkonventionellen Wegen geöffnet werden sollte. Dabei hatte sich Ferdinand Blaesen mächtig ins Zeug gelegt.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Musik, Musik, Musik: Die Abschiedsfeier von Ulrich Zieske hatte Konzertcharakter. Immer wieder trat die Lehrerband auf, um die rund 100 Gäste mit ausgewählten Stücken zu unterhalten. Dabei saß der scheidende Leiter der Christian-Hülsmeyer-Schule am Montagabend nicht etwa als Zuhörer im Publikum, sondern wirkte selbst aktiv mit. Zurückhaltend, aber betont, zupfte er an seinem Bass, so wie er es ganz oft bei feierlichen Veranstaltungen während seiner 26 Dienstjahre in Barnstorf getan hatte.

Den flexiblen Umgang mit diversen Instrumenten und die Erforschung neuer Arrangements wusste die Band stets zu schätzen. Sie verlieh ihrem vielseitigen Mitstreiter die Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit. Wohl in der Hoffnung, dass es bei künftigen Wiedersehensfeiern ein Comeback gibt. Denn so viel steht fest: Musik ist die große Leidenschaft des 63-jährigen Lemförders. Entsprechend groß war die Freude, als zum Ende seiner Laufbahn nun vier Schüler des Abschlussjahrgangs 1999 erschienen und sich noch einmal zum Gesangsquartett „Trio und een“ formierten.

Der Letzte der alten Garde geht

„Willkommen im Ruhestand“, riefen ihm mehrere Senioren zu, die sich bereits vor Jahren aus dem Schuldienst verabschiedet hatten und nun bei der Feier in Tiemanns Hotel in Stemshorn ein Stelldichein gaben. Der komplette Personalbestand der Oberschule wechselte in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten. Nun ging der letzte Mann der alten Garde von Bord. „Der Kapitän verlässt das Schiff“, stellten Konrektor Andreas Beine und Stellvertreterin Ina Gärtner in ihrer Laudatio fest.

Als Zieske im Sommer 1991 nach Barnstorf gekommen sei, habe er die Schule als „schrottreifen Oldtimer“ vorgefunden. Heute sei das Haus ein „wertvolles Liebhaberstück“, das von anderen Schulstandorten beneidet werde. Aber es gehe nicht nur um das Gebäude, sondern vor allem darum, was die Schule inhaltlich ausmache, stellten die Konrektoren fest. Sie lobten Zieske für sein verantwortungsvolles Engagement bei der Entwicklung und Leitung der Schule und kamen zu dem Schluss: „In Barnstorf wird man Sie nicht so schnell vergessen!“

40 Jahre Schuldienst, auf die Zieske stolz sein darf

Der Oberschuldirektor könne stolz darauf sein, was er beruflich erreicht habe, erklärte Sandra Schenck, Dezernentin der Landesschulbehörde, in ihrem Grußwort. Sie skizzierte den Werdegang des gebürtigen Rheinländers, der im August 1977 in den niedersächsischen Schuldienst eintrat und schnell bereit war, Verantwortung zu übernehmen. Nach leitender Tätigkeit an der Haupt- und Realschule mit Orientierungsstufe in Lemförde kam er im Jahr 1991 nach Barnstorf.

Schenck erinnerte an die Worte bei seiner Amtseinführung. Schon damals seien ihm guter Unterricht und das Vorwärtskommen der Schüler wichtig gewesen. Innovation und Engagement in der schulischen Qualitätsentwicklung würden an den zahlreichen Auszeichnungen deutlich, die die Schule erhalten habe. Zuletzt hatte die Oberschule mit gymnasialem Zweig den zweiten Platz im landesweiten Wettbewerb „Starke Schule“ belegt. Das war auch dem Schulträger nicht entgangen.

Der gute Ruf der Schule - ein Werk des scheidenden Lehrers

„Die Schule in Barnstorf hat jetzt einen außergewöhnlich guten Ruf. Dazu hast du beigetragen, das ist dein Werk“, lobte stellvertretender Landrat Heiner Richmann das Schaffen des scheidenden Leiters. Er sei ein Glücksfall für Barnstorf gewesen, habe jede Veränderung in der Schullandschaft als Herausforderung und Ansporn gesehen, sei es bei der Einführung der Ganztagsschule oder anderen Neuerungen. Neben den schulischen Leistungen sprach Richmann das kommunalpolitische Engagement des Sozialdemokraten an, der während seiner 25-jährigen Ratstätigkeit fünf Jahre als Bürgermeister des Fleckens Lemförde wirkte.

Dass gerade in den Anfangsjahren, als es um die Sanierung des Gebäudes und die Übertragung der Trägerschaft von der Samtgemeinde Barnstorf auf den Landkreis Diepholz, einige Steine aus dem Weg geräumt werden mussten, wurde im Gespräch mit Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers deutlich. Er lobte Zieske für dessen Weitsicht, Entschlusskraft, Ruhe und Leidenschaft.

Nach der Schule vielleicht studieren

Zieske selbst gab sich bescheiden: „Dass die Schule so geworden ist, das liegt an den Lehrern.“ Als er damals die Leitung übernommen habe, habe es bereits eine Menge toller Sachen gegeben. In diesem Zusammenhang lenkte er den Blick auf die Partnerschaft mit Schulen in Frankreich, England, Sachsen und den Niederlanden, die zum Teil heute noch Bestand haben. Die Schulfahrt nach Rom im März 2015 sei ebenfalls eines der Erlebnisse, die er nicht vergessen werde.

Wohin die Reise im Ruhestand geht, ließ das umgedichtete Lied „Westerland“ von den Ärzten erahnen. Es gebe noch viel Dinge, die er gerne machen wolle, ließ Zieske am Rande der unterhaltsamen und kurzweiligen Feier durchblicken. Mehr Zeit mit seiner Frau Hannelore sowie den Kindern und Enkelkindern verbringen und vielleicht noch einmal ein Studium aufnehmen. Stichwort: Künstliche Intelligenz.

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