Überraschende Funde im Baugebiet an der Walsener Straße / Kosten für Spurensuche muss Gemeinde tragen

Urnengräber aus vorrömischer Eisenzeit

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Dieses Urnengrab könnte bis zu 2800 Jahre alt sein. Das Tongefäß ist damals mit kleinen Steinen bedeckt worden.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Im Baugebiet an der Walsener Straße in Barnstorf kommt der Bagger nur noch sporadisch zum Einsatz. Gefragt ist zurzeit wesentlich feineres Handwerkszeug. Mit Kelle und Schaufel geht Grabungstechniker Ingo Jüdes auf Spurensuche. Grund sind historische Schätze, die bei ersten Erdarbeiten ans Tageslicht gekommen sind. Die entdeckten Urnen und menschlichen Überreste könnten bis zu 2800 Jahre alt sein.

„Bei dem Fundplatz handelt es sich um ein Gräberfeld, das durch zwei Kreisgräben und drei Urnenbestattungen sicher belegt ist“, berichtet Verwaltungsmitarbeiterin Claudia Emker unter Berufung auf erste Nachforschungen des Fachbüros „denkmal3D“, das mit den archäologischen Arbeiten vor Ort betraut ist. Nach bisherigen Erkenntnissen stammen die Funde aus der vorrömischen Eisenzeit, also zwischen achtem und erstem Jahrhundert vor Christus.

Die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises Diepholz hatte bereits im Sommer vergangenen Jahres, als die frühzeitigen Behördenbeteiligung für den Bebauungsplan „Vor dem Walsen“ lief, auf mögliche Schätze hingewiesen. „Aufgrund der Nähe zu bereits bekannten Fundstellen, der bisherigen Nutzung als landwirtschaftliche Fläche und der topografischen Lage am Rande des Ausläufers der Wildeshauser Geest muss im Plangebiet mit prähistorischen Funden und Befunden gerechnet werden“, hieß es in der Stellungnahme.

Der Fachdienst im Kreishaus gab den Vertretern des Fleckens Barnstorf mit auf den Weg, die Erdarbeiten rechtzeitig anzumelden, damit eine Beobachtung durch die archäologische Denkmalpflege und gegebenenfalls eine unverzügliche Bergung von archäologischen Funden stattfinden kann. Dieser Marschroute folgte die Kommune, als sie Ende November mit der Freilegung der Baustraße in dem viereinhalb Hektar großen Gebiet begann.

Nach Angaben der Verwaltung wurden bei den Bodenuntersuchungen zunächst drei Urnen entdeckt, die zum Teil noch in gutem Zustand sind. In den Tongefäßen befinden sich verbrannte Knochenreste. Darüber hinaus sind die Experten auf Pfostenspuren gestoßen, die ein Indiz für früheres Siedlungswesen sein könnten.

In der Anfangsphase galt die ringförmige Planstraße als Suchschnittkataster. Nun würden die Arbeiten auf umliegende Bauflächen ausgedehnt, berichtet Claudia Emker. Die Spurensuche erfolge in Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Vor Ort steht die Straßen- und Tiefbaufirma Wragge (Drebber) den Fachkräften zur Seite. Bodenfunde sollen aufgespürt, wissenschaftlich dokumentiert und gesichert werden.

„Einige Urnen sind sehr gut erhalten“, freut sich Grabungstechniker Jüdes. Und das, obwohl die Schätze teilweise nicht einmal einen halben Meter unter der Erdoberfläche liegen. Doch an anderen Stellen finden sich nur noch Scherben. Hier seien die Gefäße durch die Baggerarbeiten oder die landwirtschaftliche Nutzung der Fläche zerstört worden, vermutet der Fachmann.

Mit großer Sorgfalt sichert Jüdes die Funde, füllt Erde mit winzigen Knochenresten in Tüten ab, die dann später im Labor genau untersucht werden sollen. Daraus ließen sich dann möglicherweise Alter und Geschlecht der Menschen bestimmen. Alles wird genauestens in Wort und Bild dokumentiert. Mitarbeiterin Kirsten Bogatz erfasst die Daten direkt vor Ort im Computer. Dabei lässt sich das Team des Vechtaer Fachbüros auch von widrigen Witterungsbedingungen nicht abhalten.

Bislang haben die Spurensucher sieben Urnen aufgespürt und gesichert. Nach Angaben der Verwaltung bleiben die Funde nicht in Barnstorf. Statt in einer Ausstellung im Rathaus zu glänzen, wandern sie nach Hannover und gehen in Landesbesitz über. Auf den Kosten hingegen bleibt der Flecken Barnstorf sitzen. Nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz sind die Ausgaben für die fachgerechte archäologische Begleitung, Dokumentation und Bergung der Funde sowie möglicherweise entstehende Mehrkosten für den Maschineneinsatz vom Veranlasser der Maßnahme, sprich der Kommune, zu tragen.

Wie hoch die Rechnung ausfallen könnte, lässt die Verwaltung mit Blick auf die noch ausstehenden Arbeiten offen. „Es geht in den fünfstelligen Bereich“, vermutet Emker. Ob die nötigen Mittel aus dem Haushalt bereitgestellt oder vielleicht auch durch eine Anhebung der Grundstückspreise aufgefangen werden, ist dann wohl eine politische Entscheidung. Die Preise für die Bauplätze seien bislang noch nicht kalkuliert, heißt es.

Voraussichtlich Ende kommender Woche soll die Spurensuche im Baugebiet abgeschlossen sein. Genau lasse sich das zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen, erklärt Claudia Emker. Dafür müsse der weitere Verlauf der Grabungen abgewartet werden. Wer weiß, was die Fachleute noch in Barnstorf finden? Vielleicht einen Goldschatz, wie er im Frühjahr 2011 beim Bau der Nordeuropäischen Erdgasleitung in Syke-Gessel entdeckt wurde? Schön wär´s.

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