Worte der Mahnung und Hoffnung

Gedenken zum Volkstrauertag: „Tot ist nur, wer vergessen ist“

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Bei der Kranzniederlegung am Sonntagmorgen bekam Bürgermeister Theo Amelung (r.) Unterstützung von seinem Stellvertreter Dirk Meinecke und Ratskollege Wilhelm Dieke (v.l.).

Drentwede - Von Luka Spahr. Dichte Wolken schieben sich vor die Sonne. Die Bürger spannen ihre Regenschirme auf, ihre Gesichter sind nachdenklich, während sie den Worten von Bürgermeister Theo Amelung und Pastorin Ilka Strehlow lauschen.

„Noch heute müssen Menschen sterben und Diffamierungen erleiden, nur weil sie mutig für Freiheit, Recht und Menschenwürde eintreten“, erklärt der Ratsvorsitzende der Gemeinde Drentwede bei der Gedenkstunde anlässlich des Volkstrauertages.

Zwei Sonntage vor dem ersten Advent ist seit jeher der Tag derer, die in den Kriegen der Welt ihr Leben gelassen haben. Wie in vielen Kommunen des Landkreises Diepholz haben gestern Vormittag auch die Bürger in Drentwede der Opfer von Krieg und Verfolgung gedacht. Es ist eine von insgesamt zwölf Gedenkstunden in der Samtgemeinde Barnstorf.

Zur Kranzniederlegung am Denkmal neben dem Friedhof hatten sich insbesondere Vertreter von Vereinen und Feuerwehr eingefunden. Ansonsten waren kaum Dorfbewohner erschienen. Der Blick durch die Reihen machte deutlich, dass der Volkstrauertag offenbar nicht mehr den Rückhalt in der Gesellschaft besitzt, den er einmal hatte. „Man sieht hier auch immer dieselben Leute“, hörte man einige Teilnehmer murmeln. Und so zog die überschaubare Gruppe an der Straße entlang Richtung Denkmal. Bei der Kranzniederlegung verstummen die Stimmen in Gedenken an die Gefallenen.

Zum Volkstrauertag zeigten die örtlichen Vereine wieder Flagge am Denkmal in Drentwede. Pastorin Ilka Strehlow sprach einige erinnernde Worte.

„Über Erinnerungen wächst kein Gras. Herzensleid bricht Mauern und Ketten. Wirklich tot ist nur, wer vergessen ist“, erklärte Amelung in seiner Ansprache. Und weil das Vergessen nicht geschehen soll, zog die Gruppe nach der Kranzniederlegung durch den strömenden Regen weiter in die Kapelle auf dem Friedhof. Mit einem kleinen Gottesdienst sollte nicht nur der Opfer der beiden Weltkrieg gedacht, sondern auch die Gegenwart einbezogen werden. „Irgendwo gibt es immer auch heute noch Hass, Gewalt und Unrecht“, sagte Pastorin Ilka Strehlow in ihrer Predigt.

Amelung hatte dazu die passenden Zahlen parat. Auch heute befänden sich noch mehr als 6 500 deutsche Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz, vor allem in Afghanistan. Auch wenn der Kalte Krieg sowie der Erste und der Zweite Weltkrieg vorbei seien, kaum sei das neue Millennium angebrochen, habe sich die Welt mit einer anderen Art von Konflikt, dem Terrorismus, auseinandersetzen müssen, so der Bürgermeister.

Den Bogen von den nackten Zahlen zur Bedeutung von Krieg und Frieden für den Menschen schlug schließlich Strehlow wieder. Zur Verdeutlichung ihrer Worte, hatte die Pastorin den Anwesenden das Foto eines Gemäldes mitgebracht. Auf dem Werk „The Wounded Angel“, von Hugo Simberg im Jahr 1903 gemalt, ist ein niedergeschlagener und offensichtlich auch verletzter Engel auf einer Trage zu sehen. Diese wird von zwei Jungen gehalten. „Wenn selbst ein Engel so weggetragen werden muss, wo bleibt dann unsere Hoffnung?“, fragte Strehlow. Eine klare Antwort hierauf gebe es wohl nicht. Fest stehe nur: Die Schöpfung seufzt im Anblick von Hass, Krieg und Gewalt.

Die Hoffnung sei jedoch eine der wohl wichtigsten Eigenschaften des Menschen in solchen Situationen, so Strehlow weiter. Die Hoffnung ließe den Menschen Bäume pflanzen, deren Früchte er wohl niemals selbst sehen werde. Und die Hoffnung sage auch, dass der Engel auf dem gezeigten Gemälde bald gesunden werde, um seine Botschaft wieder in die Welt zu tragen.

Mit diesen schweren, aber auch Hoffnung und Mut stiftenden Worten gedachten die Drentweder am Sonntag nicht nur der Gefallenen, sondern auch all jener Menschen, die noch heute verfolgt werden oder unter Krieg leiden. Denn, wie Amelung es formulierte: „Tot ist nur, wer vergessen ist.“

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