Pflügen im Funkloch

Martina Thesing über die Probleme der Eydelstedter Mobilfunkversorgung

Oftmals bleibt der Bildschirm des Handys schwarz, wenn Anwohner in Eydelstedt ein Telefonat führen möchten.
+
Oftmals bleibt der Bildschirm des Handys schwarz, wenn Anwohner in Eydelstedt ein Telefonat führen möchten.

Eydelstedt – Die instabile Mobilfunkversorgung in weiten Teilen Eydelstedts scheint vorerst keine langfristige Besserung zu erfahren. Das geht aus einem Schreiben der Telekom hervor, das Martina Thesing, stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Eydelstedt, kommentiert.

„Das Ergebnis ist wie prognostiziert, leider“, sagt Ingmar Braunert, Fachbereichsleiter bei der Samtgemeinde Barnstorf für die Bereiche Bau- und Liegenschaften.

Auf Anfrage vom hiesigen Bundestagabgeordneten Axel Knoerig zur Verbesserung der Mobilfunk-Verbindung antwortete die Telekom: „Zu Ihrer konkreten Anfrage für Eydelstedt muss ich Ihnen mitteilen, dass ein Ausbau aus heutiger Sicht leider nicht eigenwirtschaftlich umsetzbar ist. Auch die freundliche Bereitschaft der Gemeinde, geeignete Grundstücke für einen Mobilfunkstandort bereitzustellen, ändert nichts an der Tatsache, dass der Aufbau eines Masten vor dem Hintergrund der prognostizierten Nutzung nicht wirtschaftlich sein wird.“

Daher bleibe die Möglichkeit, nach Veröffentlichung der konkreten niedersächsischen Förderrichtlinie ein Verfahren nach den dort vorgegebenen Bedingungen auf den Weg zu bringen, auf das sich die Mobilfunkanbieter bewerben könnten. Je nach Ausführung der niedersächsischen Richtlinie werde zu berücksichtigen sein, dass im Betreibermodell die Kommunen einen Anteil der Kosten von zehn Prozent zu tragen hätten.

Stellungnahme der stellvertretenden Bürgermeisterin

Auf die bereits seit Jahren bekannte Problematik in Eydelstedt und das Antwortschreiben der Telekom nahm Martina Thesing als stellvertretende Bürgermeisterin nun Stellung: „Wir leben hier in Eydelstedt auf dem Land, im Dorf. Das Thema Breitband und Mobilfunk brennt seit Jahren in unserer Gemeinde. Die Versorgung ist zurzeit katastrophal. In den vergangenen Jahren haben wir vom Gemeinderat immer wieder auf unsere schlechte Versorgung hingewiesen und jetzt auch Kontakt zu den Politikern zu Beispiel mit Axel Knoerig und Marcel Scharrelmann aufgenommen.“

Es hätten sich nun in Bezug auf den Breitbandausbau „sichtbare Erfolge“ ergeben, an denen sich die Gemeinde Eydelstedt mit hohen Beiträgen beteiligt habe.

„Wir hoffen sehr, dass die Leerrohre bald mit Leben gefüllt werden“, so Thesing.

Die Gemeinde Eydelstedt habe eine Größe von 7 600 Hektar, etwa 30 Prozent der Samtgemeinde Barnstorf. Die Ausdehnung umfasse rund zehn Kilometer in Nord-Süd Richtung wie auch zehn Kilometer in Ost-West Richtung. Die derzeitigen Maststandorte der Mobilfunkversorgung befinden sich an der Bahnlinie Osnabrück-Bremen, demnach an der Nord-West Grenze der Gemeinde.

Der nächst gelegene Mobilfunkmast befindet sich an der Bahnstrecke in Barnstorf.

Eydelstedt verfüge über keine weiteren Maststandorte. Somit sei keine Netzabdeckung gegeben. Das Gemeindegebiet wäre zu groß.

Die stellvertretende Bürgermeisterin gab einige lokale Beispiele:

Landwirtschaft

5 000 Hektar des Gemeindegebietes seien landwirtschaftlich genutzte Flächen, die Zukunft von Ackerbau und Viehzucht liege im Smart Farming. „Es kann nicht sein, dass unsere Lohnunternehmer vom Mobilfunk Netz in Rumänien schwärmen und in Eydelstedt noch nicht einmal ein Telefongespräch hinbekommen. Hier betreiben wir Pflügen im Funkloch, statt Lenksysteme, die zentimetergenau den Traktor in Bahnen über die Äcker ziehen lassen. Aussaat, Düngung und Ernte könnten über Active Boxen, die sich mit dem Smartphone verbinden, gemanagt werden. Der Kugelschreiber hat mit dem Smartphone ausgedient.“

Lebensraum

Die Gemeinde habe Feuerwehreinsätze ohne Handyfunktion, Dorfgemeinschaftshäuser ohne Telefon und keinen Handyempfang.

„Sprüche wie: ,Da musst du bis zur Kreuzung gehen, da geht’s, da haste einen Balken’ sind bei uns jedem bekannt und der Witz daran ist uns verloren gegangen.“

Gespräche der Angehörigen mit Bewohnern der Seniorenwohnanlage „Haus Donstorf“ in Corona Zeiten seien per Tablet zwar möglich, aber meistens ohne Bild.

Die Tagespflegeeinrichtung „Loger Treff“ erhält keine Breitbandanbindung, da die Anbindung aufgrund der abgelegenen Lage zu unwirtschaftlich wäre (wir berichteten). Diese Probleme hätten auch weitere Bürger.

Die einzige verbliebene Hoffnung sei ein stabiler Mobilfunkempfang.

Eydelstedt hat eine Krippe, Kindergarten und eine Grundschule, Baugrundstücke seien gefragt, doch die Bürger benötigten Handyempfang.

Verkehr

Eydelstedt habe zehn Kilometer Landesstraße und zehn Kilometer Kreisstraße, „da will keiner nachts im Dunkeln einen Wildunfall haben und dann keinen Empfang. Wir sprechen hier von einem deutlichen Standortnachteil der Gemeinde Eydelstedt“, so Thesing.

Der Brief der Telekom an Axel Knoerig sei für die Gemeindeverwaltung enttäuschend, aber zeige auch einen Weg, den sie jetzt einschlagen könnten, um weiterzukommen.

„Wir werden die neuen Förderprogramme in der Verwaltung prüfen lassen. Im Betreibermodell muss die Gemeinde mitfinanzieren. Das werden wir im Gemeinderat besprechen und unsere Bürger informieren. Ich glaube, Eydelstedt hat gute Chancen auf Förderung. Wir sind stark betroffen von der 380-KV-Leitung. Hier kann das Land Niedersachsen uns Bürgern auch etwas zurückgeben. Mobilfunk ist eine sinnvolle Investition für die Zukunft unseres Dorfes“, erklärt die stellvertretende Bürgermeisterin Martina Thesing.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Meistgelesene Artikel

Erwischt: Landwirt kippt Müll in den Wald

Erwischt: Landwirt kippt Müll in den Wald

Erwischt: Landwirt kippt Müll in den Wald
Seniorin schließt ihr Diepholzer Geschäft nach einem Jahr

Seniorin schließt ihr Diepholzer Geschäft nach einem Jahr

Seniorin schließt ihr Diepholzer Geschäft nach einem Jahr
Fitness-Studio in Kirchweyhe startet mit neuem Konzept und neuem Namen

Fitness-Studio in Kirchweyhe startet mit neuem Konzept und neuem Namen

Fitness-Studio in Kirchweyhe startet mit neuem Konzept und neuem Namen

Kommentare