Bessere Arbeitsbedingungen gewünscht

„Tagespflegepersonen sind wichtige Dienstleister“

Mehrere Tagesmütter aus dem Süden des Landkreises Diepholz suchten den Schulterschluss. Bei einem Treffen in Barnstorf machten die Teilnehmer, unterstützt von Referent Richard W. Bitter, auf die Schwierigkeiten ihrer beruflichen Situation aufmerksam.

Barnstorf - Als Leiterin des Familien- und Kinderservicebüros koordiniert Susanne Best die Kindertagespflege in der Samtgemeinde Barnstorf. Sie hält immer wieder Ausschau nach zusätzlichen Tagesmüttern, die eine wichtige Alternative zur Betreuung in den Kindertagesstätten darstellen.

Doch neue Kräfte zu finden, ist nicht gerade einfach. Geringe Verdienstmöglichkeiten, unregelmäßige Arbeitszeiten und fehlende Jobgarantie sind nicht die besten Argumente.

Faden nach langer Pause wieder aufgenommen

Doch mit diesen Problemen sind die Tagesmütter in Barnstorf nicht allein. Das zeigt die Begegnung mit weiteren Kräften aus dem Süden des Landkreises Diepholz. Die Betroffenen haben sich jetzt zum Erfahrungsaustausch in den Räumen der Ländlichen Erwachsenenbildung in Barnstorf getroffen. Damit wurde nach längerer Pause der Faden einer überregionalen Vernetzung wieder aufgenommen und weitergesponnen.

Ziel der Vernetzung sei es, neben dem kollegialen Austausch die Entwicklung von Perspektiven für eine moderne Kindertagespflege voranzutreiben, berichten die Tagespflegekräfte in einer Pressemitteilung. Sie wollen als Expertinnen in eigener Sache weitere Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen erreichen. Dafür erarbeiten sie gemeinsame Empfehlungen, die an die Entscheidungsträger in Verwaltung und Politik von Gemeinden und Landkreis adressiert sind.

Bezahlung derzeit nicht leistungsgerecht

Richard W. Bitter brachte die Probleme in seinem Vortrag „Tagesmütter – im Spannungsfeld zwischen Herz und Kommerz“ auf den Punkt. Der Referent aus Diepholz ging insbesondere auf die finanziellen Rahmenbedingungen ein, unter denen die Tagesmütter zurzeit ihre wichtige Betreuungsarbeit an den Kleinen leisten, und formulierte eine erste Forderung: „Wir müssen erreichen, dass das aktuelle Vergütungssystem an die heutige Zeit angepasst wird.“

Die Vergütungsstruktur stamme in ihrer Höhe und Systematik noch aus den Anfängen der Kindertagespflege. Sie zeuge nicht von einer leistungsgerechten Bezahlung, sondern von einem „Anerkennungsbetrag“. Auch bei günstigen Rahmenbedingungen würden Tagesmütter im Ergebnis nicht den gesetzlichen Mindestlohn erreichen, der für lohnabhängig Beschäftigte vorgeschrieben sei. Doch diese gesetzlichen Vorgaben würden auf ihren Personenkreis nicht zutreffen, da sie als Selbstständige gelten.

Ohne Tagesmütter müssten weitere Kitas gebaut werden

Die Tagespflegepersonen seien wichtige Dienstleister in der hiesigen Region, unterstrich Bitter. Allein in seiner Heimatstadt Diepholz würden sie ein Viertel der Kleinkinder im Alter von ein bis drei Jahren betreuen, sofern die Eltern diese Arbeit wegen Berufstätigkeit oder anderen Gründen nicht selbst erbringen könnten. „Gäbe es diese Betreuungsleistung der Tagesmütter nicht, müssten die Kommunen weitere Krippenplätze bauen und erheblich erweiterte Öffnungszeiten der Kitas zur Verfügung stellen“, zeigte sich Bitter überzeugt.

Trotz der Förderung durch Land und Bund bei den Investitionskosten – zurzeit in Höhe von 12 000 Euro je Krippenplatz – würde der zusätzliche Bedarf bei rückläufiger Betreuungsleistung durch Tagesmütter zu weiteren finanziellen Anstrengungen der Kommunen führen. Hingegen würden bei der Kindertagespflege keine Investitionskosten für die öffentliche Hand anfallen. Hier würden die Kräfte selbst adäquate Räume zur Verfügung stellen. Allein schon aus Kostengründen müssten die Kommunen und der Landkreis Diepholz als Träger der Jugendhilfe und -fürsorge ein großes Interesse an einer weiteren Konsolidierung der Kindertagespflege haben, meinte Bitter, der auf eine Verbesserung der Situation hofft: „Wir sind froh, dass die Politiker unseres Bereiches diese Problematik erkannt und Verbesserungsbereitschaft signalisiert haben.“

Die Teilnehmer des Treffens, das von Elisabeth Büdeker und Ilona Klausing organisiert wurde, zeigten sich zuversichtlich, dass nach dieser Auftaktveranstaltung die gemeindeübergreifende Vernetzung der Tagespflegepersonen ausgebaut wird. Sie hoffen, dass mit künftigen Veranstaltungen noch viele weitere der aktuell rund 190 Tagesmütter im Landkreis Diepholz erreicht werden können.

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