„Tag des Moores“ bietet viele Informationen / „Aufklärung an erster Stelle“

Sanfter Tourismus statt schweren Torfstechens

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Emely (7) nimmt die Torfersatzstoffe unter die Lupe.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Etwas scheu waren die Diepholzer Moorschnucken schon, die sich in einem kleinen Gatter beim „Tag des Moores“ in Barnstorf tummelten. Wenn neugierige Besucher an den Zaun herantraten, wichen die fünf Schafe gleich einen Schritt zurück. Beim kleinen Elias schienen die Tiere etwas zutraulicher. „Na“, sagte der Vierjährige und erntete auf seinen leisen Gruß prompt ein „Mäh“ aus der Runde.

Die kleine Herde der Schäferei Ulenhof aus Rehden war eine lebhafte Bereicherung der Ausstellung, die am Sonnabend im Rahmen des Barnstorfer Ballon-Fahrer-Festivals über die Bühne ging. Neun Kommunen aus der Diepholzer Moorniederung, teilweise in Kooperation mit örtlichen Einrichtungen, präsentierten sich auf der Meile. Da gab es Informationen über touristische Angebote, aber auch Hintergrundwissen zum Thema Naturschutz.

Die Aktion war zum wiederholten Mal in das Festival eingebunden und stieß damit auf eine breite Öffentlichkeit. Immerhin tummelten sich am Nachmittag mehrere tausend Besucher im Sundering. „Das ist eine tolle Verbindung, weil auch Leute herkommen, die wenig Ahnung von der Welt im Moor haben. Sie können hier etwas lernen“, erklärte stellvertretende Landrätin Ulrike Schröder in ihrer kurzen Eröffnungsrede.

Schröder schilderte ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Moor. Sie erinnerte an die schwere Arbeit des Torfstechens, an die schaurigen Geschichten, aber sie sprach auch von der Schönheit der Landschaft, die sie schon als Kind fasziniert habe. Heute gebe es viel Überlegungen und Beispiele, wie der sanfte Tourismus gefördert werden könne. Daneben werde großen Wert auf die Pflege und den Schutz der Natur gelegt, so Schröder weiter. Die Moore seien ein ganz wichtiger CO2-Speicher. Die Vernässung erfordere aber einen Spagat zwischen Umweltschutz und Landwirtschaft. „Das muss uns gelingen, damit alle damit leben können“, betonte die stellvertretende Landrätin.

Wie der Ausbeutung des Moore als Rohstofflieferant begegnet werden könnte, wurde am Gemeinschaftsstand der Gemeinde Wagenfeld und des Europäischen Fachzentrums Moor und Klima (EFMK) deutlich. „Wir haben den Fokus auf Torf-Ersatzstoffe gelegt“, erklärte EFMK-Geschäftsführer Jan Grabowsky und warb für die Verwendung von torffreier Blumenerde.

„Aufklärung steht an erster Stelle“, so Grabowsky. Um den Torfabbau zu reduzieren und die lebenswichtige Funktion der Moore zu erhalten, müsse der Weg über die Konsumenten gesucht und eine Verhaltsänderung erwirkt werden. Viele Verbraucher wüssten gar nicht, dass in einem handelsüblichen Sack Blumenerde bis zu 90 Prozent Torf enthalten seien. Alternativen lagen den Besuchern am Sonnabend buchstäblich zu Füßen. Der kurze Barfußpfad war mit Rindenhumus, Holzfaser und Kokosmehl ausgestattet.

Guten Anschauungsunterricht gab es auch am Stand des Barnstorfer Umwelt-Erlebnis-Zentrums. Einrichtungsleiter Dr. Oliver Nixdorf und Felicia Best gewährten einen mikroskopischen Blick auf Torfmoos und präsentierten Kleinstlebewesen aus Teichen. Diese können übrigens auch vor Ort bei Führungen über das idyllische Gelände am Bremer Dreh bewundert werden. Unterdessen warb das Naturschutz- und Informationszentrum (NIZ) für eine Fahrt ins Goldenstedter Moor. „Wir arbeiten ganz viel mit Kindern und Schulklassen“, sagte Referentin Ulrike Fröhle-Böske.

Eine gute Verknüpfung zwischen den einzelnen Ständen stellte ein Moor-Quiz dar. 161 Personen gaben ihren Laufzettel ab. Die beiden Hauptpreise, jeweils eine Ballonfahrt, gewannen Heiner Brüning und Rita Nuttelmann. Eine schöne Gelegenheit, das Moor aus der Vogelperspektive zu bewundern.

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