Lebensmittelversorgung in Gefahr?

Tafeln befürchten geringere Waren-Auswahl aufgrund steigender Preise

Die Waren-Auswahl der gespendeten Lebensmittel an die Tafeln könnte mit den steigenden Preisen in den Supermärkten abnehmen.
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Die Waren-Auswahl der gespendeten Lebensmittel an die Tafeln könnte mit den steigenden Preisen in den Supermärkten abnehmen.

Landkreis Diepholz – Mit steigenden Preisen in den Supermärkten werden Lebensmittel immer teurer. Tafeln im Landkreis Diepholz befürchten, dass Verbrauchermärkte, Discounter und Bäckereien zukünftig ihre Einkaufspolitik an die Preisentwicklung anpassen könnten. Dadurch könnten die Schwankungen bei den Waren-Spenden an die Tafeln weiter zunehmen.

Tafel Bassum

„Die Lebensmittelversorgung ist aktuell auf dem Niveau, wie in den Vorjahren auch. Im Frühherbst hatten wir ein paar Wochen, in denen es wenig Obst und Gemüse gab. Lebensmittelspenden schwanken aber immer. Man weis nie, was man bekommt“, erklärt Anders Niedenführ, Leiter der Tafel in Bassum,

Eine Tendenz, wie sich das Warenaufkommen zukünftig entwickeln könnte, könne Niedenführ nicht geben: „Wenn beispielsweise die Preise für Obst und Gemüse längerfristig steigen, dann könnten Supermärkte ihre Waren knapper kalkulieren. Wenn sie ihre Einkaufspolitik anpassen, dann könnten weniger Waren für die Tafeln übrig bleiben.“

Auch die gestiegenen Kraftstoff-Preise stellen Herausforderungen für die Tafeln dar. Die gespendeten Waren müssen mittels Transportern bei den Discountern und Bäckereien eingesammelt und zu den Sammelstationen gebracht werden.

Tafel Twistringen

Ein ähnliches Bild zeichnet auch Urte Tegtmeyer, Sprecherin der Tafel Twistringen: „Die Menge an gespendeten Lebensmitteln aus den Lebensmittelmärkten schwankt wöchentlich. Hier ist kein genereller Rückgang, aber auch kein Zuwachs zu verzeichnen. Allerdings fährt die Tafel Twistringen seit einigen Wochen nur noch eine Tour pro Woche, um die Lebensmittelspenden der Märkte und Bäckereien abzuholen. Grund dafür sind fehlende Ehrenamtliche.“

Die Versorgung sei nach wie vor gut, wenngleich die Auswahl an Waren abnehme – hier insbesondere die Versorgung der Kunden mit Trockenwaren, die im vergangenen Jahr coronabedingt zugekauft werden mussten.

Wie auch in Bassum, sei in Twistringen die Versorgung mit Backwaren gut. „Hier werden zum Teil sogar mehr Waren angeboten, als die Kunden abnehmen können“, so Tegtmeyer.

In Twistringen spenden Verbrauchermärkte und Discounter sowie Bäckereien für die Tafel. Hinzu kommen Lebensmittelabgaben größerer Tafeln, wie zum Beispiel der Tafel Bremen. Hier sei bereits ein Rückgang der Lebensmittelspenden zu verzeichnen. Dies betreffe laut der Sprecherin der Tafel Twistringen insbesondere Tiefkühlwaren, wie zum Beispiel Pizza und Fisch.

Die Arbeit der Tafeln in Deutschland

Die mehr als 950 gemeinnützigen Tafeln in Deutschland sammeln überschüssige Lebensmittel und verteilen sie an Menschen in Not. Die Lebensmittelausgabe ist das Kerngeschäft der Tafeln und regional unterschiedlich organisiert. Viele Tafeln machen darüber hinaus noch mehr: Entsprechend dem Bedarf und den Möglichkeiten vor Ort bieten sie ihren Kunden Kleidung, Haushaltswaren, Möbel sowie zusätzliche Leistungen an – vom Bringdienst über einen warmen Mittagstisch bis zur Kinderbetreuung. Durch die Möglichkeit, beim Einkauf zu sparen, verschaffen die Tafeln sozial benachteiligten Menschen einen bescheidenen finanziellen Spielraum. Gleichzeitig schaffen sie Raum für Begegnung und damit den Rahmen zum Aufbau eines sozialen Netzwerks – das von Armut Betroffenen Halt gibt und sie dabei unterstützen kann, ihre Situation zu verbessern. Quelle: tafel.de

Welche Lebensmittel und Waren bei den Tafeln zukünftig knapp werden könnten, hänge in hohem Maße von der Einkaufspolitik der Supermärkte und Discounter ab. Tegtmeyer: „Hier wird sich möglicherweise ein verändertes Einkaufsverhalten hinsichtlich mehr Nachhaltigkeit niederschlagen.“

Generell spenden die Verbrauchermärkte mehr Frischware und Molkereiprodukte. Trockenwaren, wie Konserven, Mehl, Zucker und Frühstücks-Cerealien werden nur wenig gespendet. Auch die Lebensmittelspenden der großen Tafeln gehen zurück. Die Folge: weniger Auswahl für die Kunden.

Weitere Herausforderungen hätten die Tafeln aufgrund der steigenden Preise in den Supermärkten nicht zu befürchten. „Die aktuelle Situation bestätigt allerdings die sozialpolitische Forderung der Caritas. Schon vor Corona war der Regelbedarf zu niedrig angesetzt und auf Kante genäht. Durch die Verteuerung – insbesondere bei den Energiekosten – verringert sich das Budget für Lebensmittel“, erklärt Urte Tegtmeyer.

Tafel Barnstorf

Von einem Rückgang bei frischen Lebensmitteln, wie auch Milchprodukten spricht Erika Riekert-Lorenz von der Tafel Barnstorf. „Auch die Spenden von haltbaren Lebensmitteln und Trockenware sind etwas eingebrochen.“

Es sei jahreszeitlich bedingt, dass zum Winter hin weniger frische Waren gespendet werden. Klar sei aber, dass durch die steigenden Spritpreise auch die Fahrtkosten steigen. Die Lebensmittelspenden der Märkte müssten die ehrenamtlichen Kräfte der Tafel in Barnstorf erst einsammeln.

Bei der Anzahl der Ehrenamtlichen gebe es in Barnstorf hingegen keinen Einbruch: „Wir sind ein gutes Team“, sagt Riekert-Lorenz.

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