Trendfrucht aus Südamerika

Junglandwirte wagen sich an den Anbau: Süßkartoffeln aus der Region

Sichtlich erfreut über die erste Süßkartoffelernte sind die vier Junglandwirte Lukas Reeßing, Patrick Nuttelmann, Sebastian Voss und Marius Kinkhorst (von links) auf ihrem vom Tunnel überdachten Feld.
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Sichtlich erfreut über die erste Süßkartoffelernte sind die vier Junglandwirte Lukas Reeßing, Patrick Nuttelmann, Sebastian Voss und Marius Kinkhorst (von links) auf ihrem vom Tunnel überdachten Feld.

Das Hauptanbaugebiet der anspruchsvollen Süßkartoffel liegt in Südamerika. Vier Junglandwirte aus Wohlstreck entschlossen sich, die Trendfrucht regional anzubauen, und standen vor einigen Herausforderungen.

Wohlstreck – Marius Kinkhorst, Patrick Nuttelmann, Sebastian Voss und Lukas Reeßing stecken hinter den Wohlstrecker Direktvermarktern. Die Begeisterung für historische Erntemaschinen und die Liebe zu ihrem Beruf hatten sie vor vier Jahren angetrieben. Daraus hat sich eine eher hobbymäßige Geschäftsidee mit Ausbaupotenzial und dann ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein entwickelt. Das Quartett baut auf einer überschaubaren Fläche in Wohlstreck Speisekartoffeln an und vermarktet sie an fünf Verkaufsstellen in der Samtgemeinde Barnstorf. Dann wagten sich die Junglandwirte im Alter zwischen 24 und 30 Jahren an den Anbau der Süßkartoffel. „Wir wollten etwas Neues ausprobieren und unser Angebot attraktiver gestalten“, so Nuttelmann.

Temperaturen im Norden Deutschlands für den Süßkartoffelanbau zu kalt

Generell seien die Temperaturen im Norden Deutschlands für den Süßkartoffelanbau zu kalt, weshalb es auch kaum regionale Anbieter gebe. Die vier Freunde wagten es trotzdem und besorgten sich über einen Züchter Setzlinge in Presstöpfen für eine Fläche von rund 500 Quadratmetern. Ein Teil des Feldes wurde zur besseren Wärmeregulierung unter einem Tunnel angebaut. Anfang Mai pflanzten sie die Setzlinge, um die frühen, warmen Temperaturen zu nutzen.

„Wir mussten uns die Techniken selbst aneignen, da es kaum Erfahrungen aus Norddeutschland gibt. Es gibt auch nur einige wenige Online-Foren, über die wir uns mit anderen austauschen konnten“, sagte Kinkhorst.

Ein Setzling der Süßkartoffel auf der Mulchfolie.

Ein Problem, das schnell aufkam, war der hohe Unkrautdruck. Da die vier Landwirte den Anbau der Süßkartoffeln hobbymäßig neben ihrer Tätigkeit als Landwirte angingen, war auch die Zeitaufwendung ein Problem. Sie entschieden sich dafür, die Setzlinge unter Mulchfolie zu pflanzen, um den Boden bedeckt zu halten. Eine künstliche Tröpfchenbewässerung sorgte bei minimalem Energieaufwand für eine maximale Wassernutzung, erklärte Nuttelmann.

Schnell hätten die Wohlstrecker Direktvermarkter während des Anbaus der Süßkartoffeln gemerkt, dass die Pflanzen stark auf Temperaturschwankungen reagieren. Um die 30 Grad benötigen die Pflanzen, damit sie gedeihen. Bei Temperaturen um die 20 Grad sei kaum Wachstum zu erkennen gewesen. „Das kannten wir so nicht und wir haben uns direkt gefragt, ob wir etwas falsch gemacht haben“, erklärte Lukas Reeßing.

Süßkartoffeln aus der Region: Mäusefraß macht Junglandwirten zu schaffen

Kurz vor der Ernte Ende Oktober machte den vier Junglandwirten Mäusefraß zu schaffen. Patrick Nuttelmann: „Da müssen wir uns in Zukunft noch etwas überlegen.“ Die Ernte gestaltete sich als aufwendig, da die Schale der Süßkartoffel dünn und empfindlich sei. „Mit viel Unterstützung, für die wir uns bedanken wollen, haben wir ein Drittel des Feldes schonend per Hand geerntet“, sagte Marius Kinkhorst.

Beim Rest des Feldes kam der Kartoffelroder zum Einsatz. Ob es Unterschiede in der Qualität gibt, werde sich noch zeigen. Eine Tonne verkaufsfähige Ware sei beim ersten Versuch in diesem Jahr herausgekommen. Die Knollen haben ein Gewicht von 200 bis 1 000 Gramm. „Zufrieden sind wir schon, nur wollen wir die nächsten Jahre noch am Anbau feilen“, so Patrick Nuttelmann.

Handarbeit war bei der Ernte der Knollen gefragt.

Eine Herausforderung nach der Ernte stellte die Lagerung der anspruchsvollen Knollen dar. Zehn Tage mussten die Süßkartoffeln bei rund 30 Grad gelagert werden damit sich der süße Geschmack entfaltete. Außerdem würden sich bei diesem Lagerungsprozess kleinere Beschädigungen schließen.

Kilo Süßkartoffeln kostet 5,50 Euro

Einzeln werden die Süßkartoffeln von den Junglandwirten bei den Verkaufsständen angeboten. Das Kilo kostet dabei 5,50 Euro. Um Verpackung zu sparen, wiegen sie die Kartoffeln einzeln ab und kleben einen Stückpreis dran. Bei einer trockenen und lichtgeschützten Lagerung bei um die 13 Grad halte sich eine Süßkartoffel sieben bis acht Monate.

Auch wenn das Risiko aufgrund der klimatischen Bedingungen im Norden Deutschlands hoch war, siegte am Ende der Reiz, Süßkartoffeln regional anzubieten. Was viele nicht wissen: Die Süßkartoffel zählt nicht zu den Arten der Kartoffel, sondern ähnlich wie die Möhre zu den Wurzelgemüsen.

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