Weltreise-Zwillinge Hansen und Paul Hoepner stellen in Barnstorf neues Buch vor

Auf der Suche nach Wundern

Mit ihrer Weltreise-Lesung begeisterten die Hoepner-Zwillinge im Barnstorfer Ratssaal am Donnerstagabend rund 70 Zuhörer. - Foto: Mattlage

Barnstorf - Von Mareile Mattlage. Nachdem sie zuletzt 13 600 Kilometer mit dem Fahrrad von Deutschland nach China gefahren waren, haben die abenteuerhungrigen Berliner Zwillinge Hansen und Paul Hoepner nun noch einen drauf gesetzt: Wie Jules Vernes Romanfigur Phileas Fogg wollten sie es in nur 80 Tagen einmal um die ganze Welt schaffen – und zwar komplett ohne Geld. Ob ihnen dieses waghalsige Unterfangen gelingen konnte, berichteten sie am Donnerstagabend im Rathaus in Barnstorf mit einem Mix aus Lesung, Erzählung, Video- und Fotopräsentation sowie einer ordentlichen Portion Humor und Selbstironie rund 70 faszinierten Zuhörern.

Von Berlin aus reisen sie per Anhalter, Zug, Bus und Flugzeug um den Erdball. Die finanziellen Mittel wollen sie verdienen: als Handwerker, Umzugshelfer und Verkäufer selbst gestalteten Schmucks – Betteln ist ausgeschlossen. „Looking for a miracle“ (deutsch: „Auf der Suche nach einem Wunder“) steht auf dem Schild geschrieben, das sie statt eines Daumens hochhalten, wenn sie sich zum Trampen an die Straße stellen. Und um es kurz zu machen: Auf ihrer Weltreise haben die beiden Brüder nicht nur ein Wunder erlebt, sondern gleich mehrere.

Die vielen unterschiedlichen Menschen, die ihnen von Europa über Kanada bis nach Asien und Russland begegneten, unterstützen sie und ihr Vorhaben mit so viel Freude, Liebe und Großzügigkeit, dass die Zwillinge nach eigener Aussage schon beinahe „Angst um ihr Abenteuer hatten“, so gut sei es gelaufen. Teilweise seien sie so oft zum Essen eingeladen worden, dass sie gar keinen Hunger mehr hatten und nur noch aus Höflichkeit mitgegessen haben, erzählen Hansen und Paul Hoepner.

In Kanada fährt sie ein Mann mit Auto spontan über 800 Kilometer weit bis zu den Rocky Mountains, asiatische Polizisten organisieren einen ganzen Bus, vor Russland bestechen Passanten ungefragt einen Zugschaffner für sie, überall auf der Welt laden Fremde sie zu sich nach Hause oder in Ferienressorts ein, geben ihnen Jobs, schenken ihnen unaufgefordert Geld, bezahlen ihre Flüge – selbst in den ärmsten Ländern.

Die heute 34-Jährigen zeigen sich immer noch „sprachlos“ angesichts dieser Erlebnisse. „Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, dass wir für alles, was wir kriegen, auch etwas zurückgeben“, betonten die Zwillinge am Donnerstagabend. „Doch wir haben so viel bekommen, dass es schlichtweg nicht möglich war, diesen Vorsatz einzuhalten.“

Zwar hat es auch Tiefpunkte gegeben. Bei immer währendem Jetlag, keinen Möglichkeiten zum Duschen oder Waschen, verregneten Nächten ohne Dach überm Kopf und Zeitdruck im Genick können die Nerven schon mal blank liegen. Manchmal hätten sie sich so heftig gestritten, dass sie allein schon aus Zorn auf den anderen die Reise abbrechen oder alleine weiter machen wollten, lachen die Geschwister. „Unser Tipp für alle, die es selbst einmal versuchen wollen: Für so eine Reise braucht man jemanden, mit dem man sich so richtig schön fetzen und beleidigen kann!“

Doch ein einziger Blick reicht um zu wissen: Keiner kann lange ohne den anderen sein. Als Hansen plötzlich vom asiatischen Denguefieber niedergerissen wird, mit fast 42 Fieber zwei Mal ins Krankenhaus gebracht werden muss und es Paul vor Sorge fast in den Wahnsinn treibt, wie die zu Herzen gehenden Videoaufnahmen zeigen, bekommt man eine Ahnung davon, wie sehr die Brüder einander lieben.

Das Erstaunliche: Alles „Schlimme“, das den Weltenbummlern zustößt, sind Dinge wie Krankheit, Regen oder geschlossene Grenzen. Hatten also nie etwas mit anderen Menschen zu tun. Obwohl sie am Strand, in Parks, auf Verkehrsinseln und (unwissentlich) in kanadischen Schwarzbärenwäldern schlafen, werden Hansen und Paul Hoepner niemals überfallen, ausgeraubt, wird ihnen auch nur ein einziges Haar gekrümmt – weder von Mensch noch Tier.

Ihr Ziel, die 80 Tage, schaffen sie am Ende nicht. Doch wie sie erkennen sollen, ist dies in Wirklichkeit auch gar nicht der wahre Grund für ihr Abenteuer. Ein alter Mann, der ihnen im muslimischen Viertel in Indien begegnet, bringt es auf den Punkt: „Es ist eure Aufgabe zu zeigen, dass es überall auf der Welt gute Menschen gibt. Dass die Welt gut ist.“ Eine ältere Dame im Publikum in Barnstorf entgegnet darauf am Donnerstagabend gerührt: „Es stimmt! Man muss immer an das Gute glauben und das Beste hoffen!“

Ihre Erlebnisse haben Hansen und Paul Hoepner in dem Buch „Zwei um die Welt – in 80 Tagen ohne Geld“ verarbeitet und dokumentiert. Der inspirierende Reisebericht ist unter anderem in der Bibliothek in Barnstorf erhältlich.

Mehr zum Thema:

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Verden: Tanz macht Schule 

Verden: Tanz macht Schule 

Meistgelesene Artikel

Aktion gegen Drogenhandel: Beschuldigte in Syke und Bassum 

Aktion gegen Drogenhandel: Beschuldigte in Syke und Bassum 

Schüler (15) von Hund gebissen - Halter flüchtig

Schüler (15) von Hund gebissen - Halter flüchtig

Weihnachstmärkte am 3. Advent 

Weihnachstmärkte am 3. Advent 

Auch Sitzen kann eine körperliche Belastung sein

Auch Sitzen kann eine körperliche Belastung sein

Kommentare