Steuer frisst 2,5 Millionen Euro

Landvolk will Rückzahlungen aus Windkraft-Prozessen „in die Zukunft“ investieren

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Konzentriert verfolgen die Teilnehmer an der Kreisverbandsversammlung in Eydelstedt den Vortrag darüber, wie das Geld aus den Rückzahlungen nach den Zivilprozessen verwendet werden soll – unter anderem für eine Image-Kampagne.

Eydelstedt - Von Anke Seidel. Keine Aussetzung der Mitgliedsbeiträge, dafür aber Investitionen „in die Zukunft“ und Stärkung der Rücklagen – so will der Landvolk-Verband Grafschaft Diepholz die Rückzahlungen aus den Windkraftprozessen verwenden. Dafür stimmten gestern bei der Kreisverbandsversammlung bei Kolshorn in Eydelstedt 165 von 168 Landvolk-Mitgliedern. Auf diese Rückzahlungen muss der Verband allerdings 30 Prozent Gewerbe- und Körperschaftssteuer zahlen – mehr als 2,5 Millionen Euro, so berichtete Geschäftsführer Jochen Thiering.

Er informierte die Mitglieder darüber, dass die liquiden Mittel des Landvolks und seiner beiden Tochter-Gesellschaften zurzeit 10,5 Millionen Euro betragen – inklusive der Rückzahlungen aus den Zivilprozessen gegen den ehemaligen Landvolk-Vorsitzenden Lampe und drei ehemalige Mitarbeiter. Sie müssen sich derzeit in einem Strafverfahren vor dem Landgericht in Verden verantworten. „Das Verfahren läuft auf vollen Touren. Ein Urteil Anfang Dezember ist nicht unwahrscheinlich“, so Theo Runge als Verbandsvorsitzender. „Weit über eine Million Euro“ habe der Verband bisher in Prozesskosten investiert, fügte er hinzu.

21.000 Euro davon wollten – abweichend vom bisherigen Kostenaufteilungs-Beschluss – die beiden Töchter, sprich Windenergie-Gesellschaften, vom Landvolk erstattet haben. Über diesen Antrag stimmten die Mitglieder gestern geheim ab. Das Ergebnis bestätigte mit 138 Nein-Stimmen und 22 Ja-Stimmen die Empfehlung des Vorstands: Keine Erstattung, weil davon allein die Kommanditisten der beiden Gesellschaften profitieren würden – nicht aber alle Landvolk-Mitglieder.

„Das Ziel ist es, nicht alles zu verplanen“

„Wenn man kein Geld hat, ist es nicht einfach – wenn man Geld hat, aber auch nicht“, sinnierte Runge mit Blick auf die intensiven Überlegungen des Vorstands, wie die Rückzahlungen optimal genutzt werden könnten. Das Ergebnis war ein Konzept, in dem „Bausteine“ in Höhe von 8,91 Millionen Euro verplant sind – inklusive besagter Steuerzahlungen.

„Das Ziel ist es, nicht alles zu verplanen. Es sollen Spielräume für die Zukunft bleiben“, erklärte Jochen Thiering und erinnerte daran, dass die bisherigen Rücklagen aufgebraucht seien durch die Gebäude-Erweiterung in Sulingen. Dafür müssten aber noch weitere 700.000 Euro investiert werden.

Außerdem setzt der Verband auf eine offensive Öffentlichkeitsarbeit, um Verbraucher über die moderne Landwirtschaft aufzuklären. Zwei Mitarbeiter beschäftigt der Verband für Aktionen, Bildung, Image-Pflege und agrarpolitische Pressearbeit. Diese Arbeit solle vor allem aus den laufenden Einnahmen der Tochtergesellschaften finanziert werden, hieß es in Eydelstedt.

Beteiligung an Kampagne „Echt Grün – Eure Landwirte“

„Echt Grün – Eure Landwirte“ lautet der Titel der Kampagne, an der sich das Landvolk mit maximal 70.000 Euro jährlich in einem Zeitraum von drei Jahren beteiligen will. Kugelschreiber, Buttons, Faltblätter und Aufkleber über die „Sattmacher“ (ein Landwirt ernährt pro Jahr 145 Menschen) lagen auf den Tischen.

Geplant sei ebenso, erklärte Thiering, die Agrar-, Sozial- und Rechtsberatung zu erweitern. Der Geschäftsführer rechnete vor, dass dadurch Kosten von 530.000 Euro entstehen – aber nur 270.000 Euro durch Mitgliedsbeiträge abgedeckt sind.

Das Konzept überzeugte die Mitglieder. Sie wählten Theo Runge außerdem in geheimer Abstimmung mit 154 Ja-Stimmen erneut zum Vorsitzenden, Jürgen Langhorst mit 162 Stimmen wieder zu seinem Stellvertreter und Jan Henrik Hespos mit 165 Stimmen zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden.

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