„Stammtisch Gesundheit“ bietet Veranstaltungsreihe zur vorgeburtlichen Diagnostik an / „Unser Kind ist willkommen!?“

„Da gibt es keine einfachen Antworten“

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Sie werben für die Veranstaltungsreihe „Unser Kind ist willkommen!?“ (v.l.): Magdalene Küppers-Schmelz, Sabine Düver und Hannelore Knost (alle IGEL/Stammtisch Gesundheit), Sabine Hirtler und Christiane Rießelmann (Lebenshilfe Grafschaft Diepholz, beide Referentinnen).

Barnstorf - „Unser Kind ist willkommen!?“ So heißt eine Veranstaltungsreihe, die der Barnstorfer „Stammtisch Gesundheit“ im IGEL demnächst anbietet. Und ganz bewusst haben die Initiatoren sowohl ein Ausrufezeichen als auch ein Fragezeichen hinter den Titel gesetzt.

Es geht um Konflikte, um Diskussionen, um Zwiespälte, um Entscheidungszwänge. Das Thema ist kein einfaches: Vorgeburtliche Untersuchungen in der Diskussion. Diesen Themenkomplex will der „Stammtisch Gesundheit“ in fünf Veranstaltungen vielfältig beleuchten. Auftakt ist am Mittwoch, 30. September.

„Noch nie konnten schwangere Frauen zwischen so vielen Untersuchungsmöglichkeiten wählen“, sagt Sabine Düver vom Stammtisch Gesundheit, die die Reihe mit initiiert hat, „noch nie mussten sie aber auch so viele Entscheidungen treffen.“

Bei auffälligen Ergebnissen könnten werdende Eltern in Konflikte geraten, die sie ganz individuell für sich lösen müssen.

„ln den letzten Jahren ist Inklusion ein großes Thema, das durch alle Medien geht“, fügt Magdalene Küppers-Schmelz hinzu, die ebenfalls zu den Organisatorinnen gehört. „Die Frage ist immer wieder, wie Kindern mit Behinderung mehr gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden kann.“ Gleichzeitig stehen werdende Eltern durch ein immer größeres Angebot von Pränataldiagnostik vor schweren Entscheidungen: Nehme ich die vorgeburtlichen Untersuchungen (Bluttest, Fruchtwasser-Untersuchung) in Anspruch? Wie entscheide ich mich, wenn eine Behinderung diagnostiziert wird? Zurzeit werde geprüft, ob der Bluttest, mit dem Trisomie 2l festgestellt werden kann, eine Kassenleistung werden soll, berichten die beiden Frauen. Auf ethische Überlegungen zum vorzeitigen Beenden des Lebens und Entscheidungsnöte der werdenden Eltern stoße man in diesem Zusammenhang selten.

Der Stammtisch Gesundheit beschäftigte sich mit solchen Fragen: Ist die Pränataldiagnostik ein Segen für die werdenden Familien? Führt sie zu einer Selektion von Kindern mit Behinderung? Verstärkt sie den (gesellschaftlichen) Druck, sich gegen ein Kind mit eventueller Behinderung zu entscheiden? Oder erleichtert sie die bewusste Entscheidung für ein Kind mit Behinderung?

Schon bald sei deutlich geworden, wie komplex und vielschichtig das Thema ist. „Da gibt es keine einfachen Antworten“, sagt Magdalene Küppers-Schmelz. Es gehe um gesellschaftliche, medizinische, ethische und pädagogische Fragen und nicht zuletzt um den Alltag vieler Familien. Denn jede Entscheidung – egal, wie sie getroffen wird – hat Konsequenzen. Besonders Frauen fühlten sich oft damit allein gelassen. Um diesen Themenkomplex stärker ins Gespräch zu bringen, suchten sich die Mitglieder des „Stammtisches Gesundheit“ Mitstreiter, um eine Veranstaltungsreihe zu ermöglichen. Die Lebenshilfe Grafschaft Diepholz sowie die Katholische Erwachsenenbildung sagten gleich die Mitarbeit zu. Auch bei angefragten Referenten sowie bei der Suche nach Räumen liefen die Organisatorinnen „offene Türen“ ein.

Die fünf Veranstaltungen finden in Barnstorf, Diep-holz und Twistringen statt, der Eintritt ist frei. Eine Übersicht über die Termine:

-Mittwoch, 30. September, 19.30 Uhr, Filmabend

„Um zu überleben, brauchst du die besten Gene“

Veranstaltungsort: Bibliothek Barnstorf.

-Mittwoch, 14. Oktober, 19.30 Uhr, Referat:

„Macht Wissen Ohnmacht? Entscheidungszwänge in der Schwangerschaft“

Referentin: Judith Hennemann, Cara e.V. Beratungsstelle zu Schwangerschaft und vorgeburtlicher Diagnostik, Bremen

Ort: AOK Diepholz.

-Donnerstag, 5. November, 19.30 Uhr, Referat:

„Ethische Aspekte zur vorgeburtlichen Diagnostik – Pro und contra“

Referent: Prof. Dr. Elmar Kos, Professor für Moraltheologie, Uni Osnabrück, Uni Vechta (Veranstaltung der Kath. Erwachsenenbildung)

Ort: Hildegard-von-Bingen-Gymnasium Twistringen

-Montag, 23. Nov., 19.30 Uhr.

„Darf ich mich über ein Kind mit Behinderung freuen? Eltern zwischen Freude und Herausforderung“

Referenten: Eltern von Kindern mit Handicap

Ort: Paul-Moor-Schule der Lebenshilfe in Diepholz

-Mittwoch, 9. Dezember, 19.30 Uhr, Podiumsdiskussion

„Zwischen lnklusion und Bluttest“ mit Eckhart Schätzel, Pastor in Lemförde; Sabine Hirtler, Mutter einer Tochter mit Handicap; Johannes Meyer, Förderschulleiter; Mareike Koch, Beratungsstelle Cara, Bremen; Christiane Rießelmann, Lebenshilfe

Ort: Rathaussaal Barnstorf.

sr

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