Neue Initiative will Betrieb und Verbraucher zusammenführen

Solidarische Landwirtschaft: Vorteile für beide Seiten

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Auf einem Acker in Donstorf hat Hildegard Stubbe (2.v.r.) bereits reichlich Gemüse angebaut. Einige Unterstützer für das ambitionierte Projekt gibt es schon. Bei einer Informationsveranstaltung am morgigen Sonnabend werden die Pläne vorgestellt.

Donstorf  - Hildegard Stubbe sprüht voller Tatendrang. Das erste Gemüse hat sie schon geerntet und unters Volk gebracht. Nun geht die Donstorferin mit ihren Mitstreitern in die Öffentlichkeit, um deutlich zu machen, was hinter ihrer neuen Initiative steckt. Denn bei diesem Anbau geht es nicht etwa um das herkömmliche Geschäft, das immer mehr den Mechanismen des Marktes unterliegt, sondern um eine „Solidarische Landwirtschaft“, kurz SoLaWi.

Bei einer Informationsveranstaltung am morgigen Sonnabend können sich die Besucher davon überzeugen, was sich hinter dem Begriff „SoLaWi“ verbirgt, der in der Region noch weitgehend unbekannt ist. Hildegard Stubbe, die dieses Projekt auf dem Hollerhof in Donstorf verwirklichen möchte, fasst den Gedanken in wenigen Worten zusammen: „Der Hof ernährt einen Kreis von Menschen in seinem Umfeld und alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, also das Risiko, die Kosten und die Ernte.”

Das Konzept ist recht einfach: Der Hof produziert seine Erzeugnisse für eine gezielte Gruppe von Menschen aus der näheren Umgebung. Die Abnehmer stellen die dafür notwendigen finanziellen Mittel als monatlichen Festbetrag zur Verfügung und garantieren damit die Gesamtkosten des Hofes. So entsteht eine neue Form der regionalen ökologischen Landwirtschaft, die sich von der zunehmend industriellen Ausrichtung der Großbetriebe deutlich abgrenzt.

Konzept mit mehreren Vorteilen

Stubbe sieht in dem Konzept gleich mehrere Vorteile – sowohl für den Bauern als auch für den Verbraucher: Der Bauer werde unabhängig von schwankenden Marktpreisen. Er bekomme Planungssicherheit, könne verantwortungsvoll arbeiten und die Bedürfnisse von Menschen, Tieren, Pflanzen und Boden gleichermaßen achten. Derweil würden sich die Verbraucher die Ernte des Hofes teilen. Sie könnten die einzelnen Schritte der bäuerlichen Arbeit erleben, dabei sogar selbst anpacken und erfahren, wie ihre Lebensmittel hergestellt würden.

„Was und wie viel angebaut wird, ist auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft abgestimmt. Die Mitglieder bekommen, was sie wirklich benötigen und der Bauer vermeidet Über- oder Fehlproduktionen. So teilen sich beide Seiten auf diese Weise die Verantwortung für einen Hof und sichern sein Bestehen. Sie tragen dazu bei, eine vielfältige kleinbäuerliche und regionale Landwirtschaft zu erhalten“, erläutert die Donstorferin.

Was Wetter und Jahreszeit hergeben

Zur Solidarität der Verbraucher gehört auch, dass etwaige Ausfälle mitgetragen werden. Die Gemeinschaft teilt sich die Ernte und verlangt nicht, dass alle Gemüse zu jeder Zeit verfügbar sind. Dies ist zugleich der ökologische Aspekt an dem Gesamtkonzept. Es wird akzeptiert, was Wetter und Jahreszeit hergeben, und die breite Palette angebauter Sorten sorgt dafür, dass immer Gemüse verfügbar ist.

„Die Solidarische Landwirtschaft ist keine neue Erfindung, sondern ein seit vielen Jahren erprobtes Konzept mit langer Erfolgsgeschichte“, sagt Stubbe. Die Idee sei bereits in den 1960er Jahre in Japan entstanden. In Deutschland würden inzwischen mehr als 150 Betriebe diesen Weg beschreiten. Diese stünden nicht etwa in Konkurrenz, sondern seien über ein Netzwerk verbunden. Hier bekämen Neulinge auch Unterstützung und profitierten von den Erfahrungen der „alten Hasen“.

Unmengen an Salat, Blumenkohl, Bohnen und Möhren

Mit den Zukunftsplänen im Hinterkopf, hat Stubbe im Frühjahr auf einem Acker des Familienbetriebes eine lange Reihe Gemüsesetzlinge gepflanzt. Innerhalb kürzester Zeit gab es Unmengen an Salat, Blumenkohl, Bohnen und Möhren, die über den Eigenbedarf weit hinaus reichten. Da musste eine Verwendung her. So entstand ein Selbstbedienungs- und Informationsstand vor der Gaststätte Hibbeler in Rechtern.

Nun hofft die Initiative auf potenzielle Abnehmer, die den Hollerhof unterstützen und damit die Kosten der Produktion decken. Mit dem morgigen Aktionstag soll der nächste Schritt zur Realisierung ihres alternativen Landwirtschaftsprojektes getan werden. Ab 14 Uhr können Interessierte auf dem Hof Stubbe, Donstorf 11, das Konzept und die Akteure kennenlernen. 

 sp

www.solawi-hollerhof.de

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