Initiative zieht positive Erntebilanz

„Solidarische Landwirtschaft“ sorgt für Begeisterung

+
Bei der Tomatenernte packt Doris Freundt-Binnewies gerne mit an.

Donstorf - Von Gerhard Scheland. Die Vertreter des Hollerhofes in Donstorf haben allen Grund zur Freude – und dürfen obendrein stolz auf ihre Arbeit sein. Zum einen ist die Gemüseernte trotz der lang andauernden Hitzeperiode in Sommer mehr als gut ausgefallen, zum anderen hat die in der hiesigen Region einmalige Initiative der „Solidarischen Landwirtschaft“ bei der Verbrauchermesse „Fair & Friends“ in Dortmund eine besondere Auszeichnung erhalten.

Bei ihrem jüngsten Stammtisch in der Gaststätte Hibbeler in Rechtern zogen die anwesenden Vereinsmitglieder eine mehr als erfreuliche Zwischenbilanz. „Wir blicken auf eine reiche Sommer-Ernte zurück, die die meisten unserer Mitglieder mit Begeisterung erfüllt hat“, resümierte Ulrike Westermann. Nicht zuletzt das regelmäßige Bewässern des Gemüses und das Abdecken der Gemüseflächen mit Planen und Netzen machten sich bezahlt. Dabei hatte Hildegard Stubbe, Kooperationspartnerin und Mitinitiatorin des Projektes, alle Hände voll zu tun.

Die Salat-Flut im Juni wurde von einer Gurken-Flut im Juli und einer Tomaten-Flut im August abgelöst. Elf Kilogramm Gemüse pro Ernteanteil der beteiligten Mitglieder konnten die Helfer vor ein paar Wochen ernten. So viel, dass schon mal Omas Einkochtechniken gefragt waren. „Wir haben Rezepte ausgetauscht und Tipps zum Konservieren gegeben“, berichtete Mechthild Kokenge und appellierte an alle Mitglieder, gute Ideen in das gemeinsame Forum der Internetseite zu stellen.

Während der angeregten Gespräche wurde deutlich, dass es in den vergangenen Wochen nicht nur erhebliche Mengen Gemüse, sondern in allen Bereichen der annähernd 7000 Quadratmeter großen Anbaufläche auf dem Hofgelände der Familie Stubbe auch größere Unkrautmengen gab. „Das hat die Grundstimmung aber nicht gedämpft. Für die Aktiven sind die regelmäßigen Einsätze zum Ernten und Jäten eine Selbstverständlichkeit geworden“, so Westermann.

Der gemeinsame Transport soll die Umwelt schonen

Die gemeinsame Arbeit und die Kaffeepausen unterm Walnussbaum sind für viele Mitglieder ein wöchentliches Ritual geworden, auf das sie gar nicht mehr verzichten möchten. Heike Tambore kredenzt den fleißigen Erntehelfern regelmäßig selbst gebackenen Kuchen, bevor sie die Gemüsekisten in ihr Auto packt und zum Depot in Heede bringt, wo die Mitglieder aus dem Raum Diepholz bedient werden. 

„Wir wollen durch den wöchentlichen Gemüsetransfer keinen zusätzlichen Autoverkehr erzeugen, deshalb haben weitere Mitglieder inzwischen eine gemeinschaftliche Abholung nach Heiligenloh und Schwaförden organisiert“, berichten die Verantwortlichen.

Vor so viel Engagement konnte der Ehrengast des Stammtisches nur den Hut ziehen. Detlev Lindau-Bank vom „Regional Centre of Expertice“ (RCE) Oldenburger Münsterland gratulierte den Vertretern des Hollerhofes zur Auszeichnung durch seine Organisation. Mit der Urkunde werde die Zusammenarbeit mit seinem Kompetenzzentrum bei der weltweiten Vernetzung von nachhaltig wirkenden Institutionen und Initiativgruppen in den Bereichen Bildung, Kultur, Soziales, Wirtschaft, Natur und Umwelt auf regionaler Ebene manifestiert.

Nachhaltigkeit und Vernetzung sind den Initiatoren wichtig

Das RCE Oldenburger Münsterland ist eines von vielen Regionalzentren, das wichtige Beiträge zu einer wirtschaftlichen Weiterentwicklung liefert. „Globale Strategien können nur erfolgreich wirksam werden, wenn sie im kleinen Rahmen und auf regionaler Ebene konkret umgesetzt werden“, unterstrich Lindau-Bank. Der Hollerhof sei eine Initiative, die einen aktiven Beitrag zu den von den Vereinten Nationen formulierten globalen Zielen leiste. Mit der Auszeichnung werde den Mitgliedern bestätigt, dass sie sich an die vorgegebenen Qualitätskriterien halten.

„Unser Beitrag ist die Weiterentwicklung und Bündelung nachhaltiger Aktivitäten sowie der Transfer guter Praxis in der Breite“, beschrieb der Repräsentant die Ziele. Dazu zähle insbesondere die Vernetzung von Schulen, Universitäten und Unternehmen. Hinzu kommt die Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung von Bildung für nachhaltige Entwicklung und die Stärkung nationaler und internationaler Kooperationen.

Die Aufnahme ins das Netzwerk des Kompetenzzentrums ist für die heimische Initiative eine schöne Bestätigung für ihre bisher geleistete Arbeit. Dem Anfang dieses Jahres gegründeten Verein gehören aktuell etwa 40 Mitglieder an. Sie stellen mit ihren monatlichen Beiträgen die notwendigen finanziellen Mittel für die Bewirtschaftung des Hofes zur Verfügung. Somit teilen sich alle die Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte. Und wer Spaß daran hat, kann auch aktiv mitarbeiten. So entsteht eine neue Form der regionalen ökologischen Landwirtschaft.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Saudi-Arabien räumt Tod von Journalist Khashoggi ein

Saudi-Arabien räumt Tod von Journalist Khashoggi ein

Fall Khashoggi: Türkische Konsulats-Angestellte sagen aus

Fall Khashoggi: Türkische Konsulats-Angestellte sagen aus

Erfolgreiche Mitarbeitergewinnung

Erfolgreiche Mitarbeitergewinnung

Fotostrecke: Abschlusstraining ohne Bargfrede

Fotostrecke: Abschlusstraining ohne Bargfrede

Meistgelesene Artikel

Der 100-jährige Kampf gegen Wohnungsnot geht weiter

Der 100-jährige Kampf gegen Wohnungsnot geht weiter

Feuerwehren absolvieren Einsatzübung auf Betriebsplatz von Wintershall

Feuerwehren absolvieren Einsatzübung auf Betriebsplatz von Wintershall

Förderverein Klinik Sulingen bereitet sich auf anstehende Aufgaben vor

Förderverein Klinik Sulingen bereitet sich auf anstehende Aufgaben vor

Katasteramt Syke feiert 125 Jahre: Auf den Millimeter genau per Satellit und GPS

Katasteramt Syke feiert 125 Jahre: Auf den Millimeter genau per Satellit und GPS

Kommentare