Heinz Fessel führt 85 Gäste

Silvesterwanderung in Barnstorf: Hunte, Teiche und Orgelmusik

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Wanderwart Heinz Fessel (r.) wird im Januar 88 Jahre. Schon vor der Jahrtausendwende führte er Gäste des Hotels Roshop an Silvester durch Ort und umgebende Natur. Ludolf Roshop (l.) freute sich auch zu diesem Jahreswechsel auf den freiwilligen Dienst des Seniors, der noch gut zu Fuß ist.

Barnstorf - Rund 85 Hotelgäste warteten in der Lobby bereits auf Wanderwart Heinz Fessel, der seit, wie er meinte, „bestimmt schon vor dem Millennium-Wechsel“, die traditionelle Silvesterwanderung in Barnstorf am Silvestermorgen führt. „Kommt denn der nette ältere Reiseführer wieder?“, war die Frage einer Dame an Hotelier Ludolf Roshop. Ein deutliches „Ja“ schallte seinem Gast entgegen und schon trat Fessel mit der roten Mappe in die Lobby.

Trotz fiesen Regens in fast waagerechter Form, der keinen Schirmgebrauch zuließ, hatten sich alle Silvester-Arrangement-Gäste entschlossen, das Angebot frische Luft vor dem üppigen Mahl am Abend und dem Tanz zur Kapelle im Saal oder Discoklängen in der Schänke, zu tanken. Die morgendliche Silvesterwandergruppe hat Tradition und Tradition gehört zu Silvester.

„Leider können wir heute aufgrund des hohen Wasserstandes nicht in die Markonah wandern“, erläuterte Roshop. Die Planung sah stattdessen den Fußmarsch über die Hunte, an der Hunte entlang zu den Walsener Teichen vor, um dann Richtung Oberschule und in Richtung Barnstorfs Mittelpunkt zur Kirche St. Veit zu wandern.

Aufwärmen mit Glühwein jund Apfelpunsch

„Folgen Sie immer der roten Mappe“, hatte Fessel die Wanderer eingestimmt, darin hatte er alte Fotos der Bebauung rund um die Kirche aus alten Tagen.

Die Gruppe wusste aus den Vorjahren, wenn sie „Wiederholungstäter“ waren, dass spätestens nach 20 Minuten wärmender Glühwein oder Apfelpunsch in der Grillhütte an den Walsener Teichen wartete. Pünktlich standen dort bereits Roshop und seine zwei Söhne Lars und Kai für die Gäste bereit.

Im Grill lag noch abgebranntes Holz und Kohlereste: „In Australien ist es Sitte, dass der vorherige Griller alle Reste entsorgt und neues Holz für den nächsten Nutzer aufschichtet, das gebietet die Höflichkeit“, erläutert ein netter älterer Teilnehmer ohne den erhobenen Zeigefinger, der weit gereist war.

Die Gruppe war in diesem Jahr größer, altersdurchmischter und mit einigen Erst- beziehungsweise Zweitteilnehmern bestückt.

Politische Diskussionen beim Wandern

Im Wandergespräch stellte sich heraus, dass vom einzelnen Ehepaar, über Gruppen aus mehreren Paaren auch Bruder mit Schwester und Freundin angereist waren. „Aus Oyten komme ich, mein Bruder aus Wuppertal und meine Freundin aus Bremen“, so das eine lustige Trio. 

Peine entsandte sechs Personen, klassisch drei Pärchen, die jedes Jahr ein anderes Ziel haben. „Uns gefällt es hier sehr gut und das Wetter können wir uns ja nicht aussuchen“. Beim strammen Lauf durfte es dann auch schon mal politisch werden. „Wenigstens zum Jahreswechsel hätte eine funktionierende Regierung stehen können“, hieß es aus der Wanderschlange.

Die Nordlichter, denen das Wetter gar nichts machte, war die Gruppe um Heinz Momsen aus Flensburg-Handewitt. „An der Ostsee weht immer ein Wind, Regen kommt fast auch nie von direkt oben“, erläutert der nette Senior. 

Er kannte Barnstorf aus seiner Zeit, als er noch an Schiedsrichterlehrgängen teilnahm. „Es ist ein schöner Ort, mit Wasser und überschaubar“. Außerdem wisse man genau, worauf man sich einlässt und der Ablauf sei bekannt, es entfalle also das „Ankommen“, denn die große Silvesterfamilie sei „eine konstante Größe“, ergänzt ein weiterer Gast aus der Runde.

Zu nass für einen Besuch bei der „Alten Oma“

Gerne wären die Gäste die sogenannte „Alte Oma“, die alte Buche im Hunteholz besuchen gegangen, aber dort war es zu nass. Mystik strahlten aber auch die dunklen fast schwarzen Walsener Teiche, auf die die Regentropfen prasselten aus, die Vorfreude auf Orgelklänge in St. Veit stieg und die auf die heiße Suppe mit anschließender Sauna oder Bad im Hotel auch.

In diesem Jahr sollte es entschleunigend zugehen: Rahel Meyer hatte sich bereit erklärt, besinnlich, ruhige Stücke auf der Orgel in der über 800 Jahre alten Kirche St. Veit in Barnstorf zu spielen.

Die Gäste nutzten das Angebot, setzten sich und schlossen die Augen.

Denn die Kirche ist sehr einzigartig: Im spätromanischen Innenraum finden seit mehr als 800 Jahren Gottesdienste statt. Der Überlieferung nach haben Mönche aus Visbek auf einem Hügel in der Nähe der Hunte, der schon in vorchristlicher Zeit als Kult- und Versammlungsstätte diente, ein Kreuz errichtet.

Barnstorf einer der ältesten Marktflecken

Auf jeden Fall ist Barnstorf einer der ältesten Marktflecken in Niedersachsen. Und damit gehört das Kirchspiel Barnstorf zu den frühesten kirchlichen Gründungen. So gingen die Blicke zur Musik auch immer wieder gen Kreuzgratgewölbe und den gut erhaltenen Deckenmalereien der romanischen Kirche.

Heinz Fessel schaut beim Klang der Orgel in den Januar: „Da werde ich 88 Jahre alt. Aber Sie wissen ja, die liegende Acht ist das mathematische Zeichen für Unendlichkeit“. - sbb

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