„Seitenräume sehen schrecklich aus“

Nach B 51-Vollsperrung: Gemeindestraßen von Drebber und Cornau in desolatem Zustand

Alexander Grimm und Friedrich Iven (rechts) ärgern sich, dass die Samtgemeinde mit ihren Mitgliedsgemeinden allein auf den Kosten für die durch die gesperrte B 51 beschädigten Gemeindestraßen sitzen bleibt.
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Alexander Grimm und Friedrich Iven (rechts) ärgern sich, dass die Samtgemeinde mit ihren Mitgliedsgemeinden allein auf den Kosten für die durch die gesperrte B 51 beschädigten Gemeindestraßen sitzen bleibt.

Viele Gemeindestraßen von Drebber und Cornau sind seit der Vollsperrung der Bundesstraße 51 kaputt gegangen. Die Reparaturen werden die Samtgemeinde und seine Mitgliedsgemeinden Zeit und Geld kosten.

Drebber / Cornau – Bundesstraße saniert, aber Gemeindestraßen kaputt. „Das ist unser Desaster“, klagt Samtgemeindebürgermeister Alexander Grimm über den Zustand einiger Straßen in Drebber und Cornau. Seitdem die B 51 zwischen Diepholz und Barnstorf vom 27. September bis zum 24. November voll gesperrt war, „sehen die Seitenräume unserer Straßen schrecklich aus“, bewertet Grimm und stellt einen Zusammenhang mit dem Ausbau der Bundesstraße her. Die Gemeindestraßen nun im Nachgang zu reparieren, sei kosten- und zeitintensiv. Und so wie es aussieht, bleibt die Samtgemeinde Barnstorf mit ihren Mitgliedsgemeinden allein mit den Kosten zurück, die auf sie zukommen werden.

Tiefe Gräben und Löcher im Seitenraum der Straßen in Drebber und Cornau sind seit der Sperrung entstanden.

Als die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Nienburg Ende September 2021 öffentlich machte, dass die B 51 zwischen Barnstorf und Diepholz gesperrt werde, ging es Schlag auf Schlag. „Wir konnten uns nicht vorbereiten. Das ist ein generelles Kommunikationsproblem“, kritisiert Grimm. „Man hätte sich vor der Maßnahme mit den Behörden an einen Tisch setzen müssen“, ergänzt Drebbers Gemeindebürgermeister Friedrich Iven. Dann, da sind sich beide Bürgermeister einig, hätten einige Schäden, die jetzt entstanden sind, verhindert werden können.

„Die B 51 ist eine der meistbefahrenen Straßen überhaupt“, meint Iven. Da sei es fast unvermeidlich, dass angrenzende Straßen bei einer Vollsperrung in Mitleidenschaft gezogen werden. Mangels ausreichender Absprache sei der Schaden an den Gemeindestraßen jetzt allerdings größer ausgefallen, als er hätte sein müssen. „Es gibt überall eine gewisse Vorlaufzeit für Maßnahmen, in der wir Gespräche mit den Anliegern, der Straßenmeisterei und unserem Bauhof hätten führen können“, so Grimm,

Einbahnstraßensystem nach B 51-Vollsperrung kam zu spät

Als Beispiel nennt er das Einbahnstraßensystem, das der Bauhof für einige Straßen zwischen Drebber und Cornau einrichtete. – aber erst einige Zeit, nachdem die B 51 schon gesperrt und das Kind gewissermaßen in den Brunnen gefallen war. Iven lobt zwar den Bauhof für die schnelle Reaktion und Umsetzung, „aber wenn wir eher Bescheid gewusst hätten, hätten wir die Einbahnstraßen sofort einrichten können“. So sei insbesondere in den ersten Tagen der Vollsperrung der größte Schaden an den Seitenräumen entstanden.

Grimm klopfte bei der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr an und habe nach eigener Auskunft „sehr konstruktive Gespräche geführt“. Er wollte wissen, ob sich die Behörde an den Kosten für die entstandenen Schäden beteiligen kann und wird. Er erhielt eine Absage. Für Iven nicht überraschend: „Das Problem ist, wenn sie uns etwas zugestanden hätten, dann hätten wir jetzt einen Präzedenzfall.“ Das Echo wäre enorm, glaubt Drebbers Bürgermeister: „Das würde sich rumsprechen und andere Kommunen würden dann auch so wie wir verfahren. Das würde die Behörde ungern zulassen.“

Ein sehr langer Umweg: Während der Sperrung der Bundesstraße 51 zwischen dem Kreisel in Sankt Hülfe und Cornau führte die offizielle Umleitung über Barver (grüner Stift rechts unten). Wer also von Diepholz nach Barnstorf wollte, musste fast die doppelte Strecke als üblich fahren – rund 15 Kilometer mehr. Daher nutzten nach Einschätzung des Samtgemeindebürgermeisters zu viele Ortskundige die Gemeindestraßen von Drebber und Cornau (brauner Stift links oben), um Fahrtweg einzusparen.

Es sei bei der Vollsperrung der Bundesstraße rechtlich alles glatt gelaufen, betonen Alexander Grimm und Friedrich Iven. Eine Umleitung sei eingerichtet und ausgeschildert worden. In diesem Falle allerdings eine besonders lange: Wer während der Sperrung von Diepholz nach Barnstorf über die offizielle Umleitung über Barver gefahren ist, musste annähernd die doppelte Strecke – fast 15 Kilometer mehr – in Kauf nehmen. Das sei für einige Ortskundige zu viel gewesen, Grimm ein. Deswegen hätten sie auf die Gemeindestraßen von Cornau und Drebber zurückgegriffen, um Fahrtweg einzusparen. Grimm: „Schuld an den Schäden ist auch ein Stück weit die Unvernunft mancher Verkehrsteilnehmer.“ Deswegen appelliert er, bei künftigen Vollsperrungen die offizielle Umleitung zu fahren.

In dieser Sache stimmt er mit der Landesbehörde für Straßenbau überein, in einer anderen ganz und gar nicht: Aus einem Schreiben der Behörde an den Samtgemeindebürgermeister geht hervor, dass sich die zuständige Straßenmeisterei vor Ort ein Bild von den Gemeindestraßen gemacht habe und zu dem Schluss gekommen sei, dass es während der Sperrung der Bundesstraßen keinen übermäßigen Verkehr auf Ausweichstrecken gegeben habe und dass der Schaden an den Seitenräumen hauptsächlich durch landwirtschaftlichen Verkehr entstanden sei. „Das kann ich so nicht stehen lassen“, sagt Grimm. Denn: Jahrelang hätte sich an den Straßenzuständen nur wenig verändert. „Normalerweise ist das ein schleichender Prozess, aber mit der Vollsperrung kamen auch die Schäden von jetzt auf gleich.“ Das könne kein Zufall sein.

2018 für 400.000 Euro sanierte Verbindungsstraße von Drebber und Cornau jetzt wieder kaputt

Zumal die Gemeinde Drebber beispielsweise vor einigen Jahren auf eigene Kosten Ausweichbuchten an ihren landwirtschaftlichen Verkehrswegen installierte. Friedrich Iven: „Die Betriebe sprechen sich schon untereinander ab, damit sie sich möglichst wenig begegnen. Und wenn das doch mal passiert, können sie die Buchten nutzen, um den Seitenraum nicht zu beschädigen.“ Somit sei klar, dass die entstandenen Schäden eindeutig mit der Sperrung der B 51 zusammenhängen.

Besonders ärgerlich: Im Jahr 2018 hat die Samtgemeinde Barnstorf eine Verbindungsstraße zwischen Drebber und Cornau sanieren lassen. 70 Prozent der Kosten in Höhe von rund 400.000 Euro trug die Kommune selbst. „Jetzt sieht sie fast schlimmer aus als vor der Sanierung“, meint Alexander Grimm. „Das war damals nötig, aber wenn wir das vorher gewusst hätten, hätten wir die Straße später ausgebaut.“

Nun sieht es so aus, dass die Samtgemeinde wieder Geld in die Hand nehmen muss, um eine Straße zu reparieren, für die sie erst vor wenigen Jahren annähernd eine halbe Million Euro ausgegeben hatte.

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