Seit 60 Jahren Schätze aus der Erde

Erdöl- und Erdgasförderung: Experten äußern sich zu Bodenveränderungen

Bodenschätze prägen den Landkreis Diepholz. Erdöl und Erdgas werden gefördert.
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Bodenschätze prägen den Landkreis Diepholz. Erdöl und Erdgas werden gefördert.

Landkreis  Diepholz. Schon seit mehr als 60 Jahren werden Bodenschätze im Landkreis Diepholz gefördert. 47 Erdöl- und Erdgasfelder bestehen aktuell in diesem Lebensraum. Damit gehört er nach Informationen des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) zu den bedeutendsten Gebieten der Erdöl- und Erdgasproduktion in Deutschland. Aber welche Spuren hat das hinterlassen? Ist der Boden im Einzugsbereich der Ölfelder belastet?

Systematische Beprobung

Das LBEG hat bei einer systematischen Beprobung zwar in Einzelfällen erhöhte Werte in Förderbereichen des Landkreises Diepholz festgestellt, aber keine Überschreitungen der Grenzwerte. Das geht aus einer umfangreichen Dokumentation des LBEG hervor. Schädliche Bodenveränderungen im Umfeld von Erdölplätzen gibt es demnach nicht.

Landesweit hatten die LBEG-Fachleute Erdölplätze und ihr Umfeld systematisch untersucht. 1088 Proben (davon 1024 Boden- und 64 Sedimentproben) hatten sie nach unterschiedlichsten Kriterien ausgewertet. „Wir sind positiv überrascht, dass es nur so wenige Auffälligkeiten an den untersuchten Plätzen gab“, wird Diplom-Geograph Uwe Hammerschmidt in einer Pressemitteilung zitiert. Er ist Projektleiter des LBEG-Untersuchungsprogramms, das 2019 gestartet war.

Auffallende Werte lieferten demnach die Grafschaft Bentheim, die Region Hannover und das Emsland – aber keine konkreten Gefahren. „Im Ergebnis gab es im Umfeld von vier Erdölförderplätzen Auffälligkeiten im Sinne von Überschreitungen von Prüf- oder Maßnahmenwerten der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung beziehungsweise der Schwellenwerte von Oberflächengewässern, die zur Beurteilung des aquatischen Ökosystems herangezogen werden“, heißt es wortwörtlich in der Pressemitteilung des LBEG. „An zwei Plätzen gab es eine Überschreitung des Maßnahmenwertes Grünland.“

Vorwarnsignale

Stoffe wie Arsen und Quecksilber oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe waren gefunden worden. Aber: „Im Laufe der Untersuchungen haben die Experten des LBEG erwartungsgemäß zahlreiche Überschreitungen von sogenannten Vorsorgewerten ermittelt.“ Will heißen: Sie werten diese Stoffanreicherungen als Vorwarnsignal vor schädlichen Bodenveränderungen.

Das LBEG erläutert das so: „Die Überschreitung eines Vorsorgewertes zeigt die Besorgnis des Entstehens einer schädlichen Bodenveränderung an. Sie löst jedoch keinen Gefahrenverdacht aus und bedingt entsprechend keine weiteren (Untersuchungs-)Maßnahmen.“

Es ist ein immenser Datenbestand an Proben und Analysen, die Experten des LBEG zusammengetragen haben. Allein im Landkreis Diepholz zogen sie im Bereich von 45 Erdölplätzen insgesamt 287 Bodenproben.

Allein im Bereich Aldorf (Samtgemeinde Barnstorf) setzten sie 23 Bohrungen auf drei Plätzen. In keiner der Proben waren Kohlenwasserstoffe nachzuweisen, außerdem unterschritten alle ermittelten Stoffkonzentrationen den Vorsorgewert für Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

46 Proben in Barenburg

In Barenburg (Samtgemeinde Kirchdorf) zogen die LBEG-Mitarbeiter 46 Proben an sieben Stellen. In keiner der untersuchten Bodenproben wurden Kohlenwasserstoffe nachgewiesen, ebenso unterschritten alle ermittelten PAK-Stoffkonzentrationen den Vorsorgewert. Aber die Experten entdeckten eine Überschreitung der Vorsorgewerte für Cadmium und eine sehr geringe Überschreitung für Quecksilber. Außerdem lag bei einer Probe der Chromgehalt über dem Vorsorgewert. Die Ursache für diese erhöhten Werte könnten vielfältig sein, so das LBEG. Insgesamt aber liege kein Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung vor.

Außerdem nahmen die LBEG-Experten neun Proben von einem Betriebsplatz. Ergebnis: keine Kohlenwasserstoffe über der Bestimmungsgrenze. Aber zwei Proben von einem Grünstreifen enthielten Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe: „Die Ursache für den PAK-Gehalt kann nicht eindeutig benannt werden“, heißt es im Bericht. Aber genauso: „Für keinen der untersuchten Stoffe wird der Vorsorgewert überschritten.“

Genau das gilt auch für das Untersuchungsergebnis in Bockstedt. Dort hatte das LBEG 32 Proben an vier Plätzen genommen. Ergebnis: „An allen untersuchten Plätze liegen die ermittelten Stoffkonzentrationen unterhalb der Vorsorgewerte.“

Im Fördergebiet Düste-Valendis (Samtgemeinde Barnstorf) untersuchten die Experten 41 Proben von sechs Erdölplätzen und stellten in einer (von einem Grünstreifen in unmittelbarer Nähe der Betriebsanlagen) Kohlenwasserstoffe „knapp oberhalb der Bestimmungsgrenze“ fest. Dennoch liege dieses Ergebnis „weit unter“ dem Abgrenzungswert. Ausnahmslos alle Prüfwerte seien unterschritten worden, heißt es im Bericht.

Unbedenklich sind laut LBEG auch die fünf Proben vom Erdölplatz Groß Lessen. In einer wurden allerdings Chrom und Kupferkonzentrationen leicht oberhalb des Vorsorgewertes gefunden. Der Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung bestehe aber nicht.

In Siedenburg (Samtgemeinde Siedenburg) untersuchte das LBEG drei Erdölplätze und zog 17 Proben. „Nur in einer Teilfläche eines Ölförderplatzes wurden in den untersuchten Bodenproben Kohlenwasserstoffe nachgewiesen“, heißt es im Bericht. Die Konzentration lag unter dem Vorsorgewert. Auch Arsen und Blei fand das LBEG. Die Werte lägen aber noch unterhalb der Prüfwerte für Kinderspielflächen. Den Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung rechtfertigen sie nicht.

Cadmium, Chrom, Kupfer

Acht Proben nahmen die Experten vom Erdölförderplatz Sulingen – und entdeckten im Nahbereich der Förderpumpe Überschreitungen der Vorsorgewerte für Cadmium, Chrom, Kupfer und Zink. „Auffällig sind hier insbesondere die Chromgehalte“, erläutern die Experten mit Blick auf Werte zwischen 217 und 453 Milligramm pro Kilo. Sie kommen aber zu dem Schluss: „Die Ergebnisse der orientierenden Untersuchungen im Umfeld des Erdölplatzes im Ölfeld Sulingen (Valendis) zeigen, dass kein Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung vorliegt.“

Das größte Untersuchungsgebiet im Landkreis Diepholz lag in Voigtei. Dort liegen 14 Erdölplätze, von denen 87 Proben genommen wurden. In neun davon wurden zwar Kohlenwasserstoffe nachgewiesen, aber der Vorsorgewert in allen Fällen deutlich unterschritten. Andererseits ergaben die Analysen zum Teil „sehr massive Überschreitungen“ der Vorsorgewerte für Arsen, Blei und Kupfer, Cadmium und Chrom, ist im 98 Seiten langen Bericht nachzulesen. „Überschreitungen der Prüfwerte für die Nutzung Park- und Freizeitanlage sind hier ebenso wenig zu verzeichnen wie Überschreitungen der Prüfwerte für die Nutzung Industrie- und Gewerbegrundstücke“, lautet die Bewertung der Experten. Es liege kein Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung vor.

15 Proben nahmen die Fachkräfte auf den drei Erdölplätzen in Wehrbleck-Ost. Vier davon – in unmittelbarer Nähe zur Bohrung – waren auffällig, zwei überschritten die Vorsorgewerte für Blei und zwei die für Zink. Auch in einer Ackerprobe war der Vorsorgewert für Blei überschritten. Doch insgesamt lag kein Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung vor.

Das gilt genauso für die drei Ölförderplätze im Bereich Wietingsmoor (13 Proben). Nur in einer wurden Kohlenwasserstoffe nachgewiesen, aber in einer Konzentration weit unterhalb des Vorsorgewertes. Die Experten entdeckten außerdem Bleikonzentrationen „leicht bis mäßig“ oberhalb der Vorsorgewerte, aber weit unterhalb der Prüfwerte nach der Bodenschutzverordnung. Außerdem wurden erhöhte Zinkgehalte gemessen, die wahrscheinlich auf verzinktes Zaunmaterial zurückzuführen seien. Auch in diesem Fall gilt: „Kein Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung“.

Weitere Infos

Den Gesamtbericht sowie die Einzelberichte über die Erdölförderplätze veröffentlicht das LBEG im Internet:

Von Anke Seidel

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