Hobbyzüchter „Das war der Wolf“

Sechs getötete Schafe auf Weide an der Meisterstraße

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Wolfsberater Dr. Marcel Holy (l.) nahm die getöteten Tiere aus der Schafherde von Almir Gasi genau unter die Lupe.

Eydelstedt - Von Thomas Speckmann. Almir Gasi wirkte fassungslos, als er gestern Mittag auf seine arg dezimierte Schafherde in Eydelstedt schaute. Ein Anwohner der Meisterstraße hatte den Barnstorfer informiert, dass mehrere Tiere regungslos in der Weide liegen. Das Ergebnis: Sechs von elf Schafen, darunter ein Muttertier und fünf Lämmer, sind tot. Sie wurden in der Nacht zu Mittwoch Opfer eines Übergriffs. Für die Beteiligten liegt der Verdacht nahe, dass es sich um einen Wolf handelte.

Für Almir Gasi ist es ein Rätsel, wie ein Wolf auf das Grundstück gelangen und sich so den Tieren nähern konnte. Der Züchter der seltenen Zwartbles-Rasse hatte die gepachtete Weide mit einem Elektrozaun ausgestattet, der an den niedrigsten Stellen immer noch gut und gerne 110 Zentimeter misst. Ein Loch konnte Gasi bei einhegender Überprüfung nicht entdecken. Seine Schlussfolgerung: „Er muss gesprungen sein.“

Zaun höher als gefordert

Wolfsberater Dr. Marcel Holy hielt sich gestern Mittag mit voreiligen Schlüssen zurück. Er stellte bei der Untersuchung allerdings verdächtige Kehlbisse an mehreren Tieren fest. Die Spuren würden Fällen ähneln, wo ein Wolf der Verursacher gewesen sei, ließ der Experte durchblicken. Was ihn wunderte, war in der Tat die Höhe des Zauns, der die rechtliche Definition von wolfsicheren Zäunen, die ein Mindestmaß von 90 Zentimetern haben sollen, klar erfüllt.

Der Wolfsberater nahm von jedem Tier eine DNA-Probe, die nun im Labor untersucht werden soll. Dann wird sich zeigen, ob es sich um einen oder vielleicht auch um zwei Wölfe handelte. Sofern Letzteres der Fall wäre, könnte dies ein Beleg dafür sein, dass jetzt auch der neu hinzugekommene Rüde über Zäune springt und sich dieses Verhalten von der Goldenstedter Wölfin abgeschaut hat. Aber das ist vor dem genetischen Nachweis noch reine Spekulation.

Naturfreunde glauben DNA-Proben des Landes nicht

Holy war übrigens nicht der Einzige, der sich die toten Überreste der Herde aus der Nähe anschaute. Auch Bodo Wessels machte Fotos und wollte Proben nehmen. Das Mitglied der Naturfreunde Goldenstedt beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit dem Thema Wolf, nimmt Übergriffe in der Region unter die Lupe und hat inzwischen Zweifel, ob es sich überall wirklich um einen reinrassigen Wolf handelt.

„Es ist vermutlich ein Hybrid, eine Kreuzung zwischen Wolf und Hund“, so Wessels. Bei dieser These stützt er sich unter anderem auf die Untersuchung von Haarproben, die vor wenigen Monaten auf dem Gelände der BTR-Logistik in Rehden sichergestellt worden seien. Der vierbeinige Eindringling wurde damals von einer Überwachungskamera gefilmt. Wessels traut den Ergebnissen des Instituts nicht, das die DNA-Proben von Schaf- und Nutztierrissen im Auftrag des Landes Niedersachsen untersucht, und strebt nun Gegenproben an. „Wir wollen das kontrollieren“, sagte der Goldenstedter.

Ende der Zucht wegen „emotionalem Chaos“?

Für Almir Gasi lag der Fall in Eydelstedt Mittwochmittag klar auf der Hand. „Das war der Wolf“, zeigte sich der Züchter überzeugt. Er könne nicht nachvollziehen, warum dem Thema kein Ende gemacht werde. Wenn der Mensch dem Wolf etwas tue, dann werde er bestraft, aber der Wolf dürfe den Züchtern Schaden zufügen. „Wolfsfreie Zone“, forderte der Barnstorfer. Dabei verwies er auch auf das angrenzende Wohngebiet, in dem sich kleine Kinder aufhalten würden.

Nach dem „emotionalen Chaos“, das er und seine Familie beim Anblick der blutigen Überreste durchlebt hätten, will Almir Gasi nun möglicherweise den Rest der Herde abgeben und die Zucht an den Nagel hängen. Ganz leicht dürfte ihm dieser Entschluss nicht fallen, denn bei Zwartbles handelt es sich um eine niederländische Schafrasse, die hierzulande selten anzutreffen ist. Er sei der einzige Züchter dieser Rasse im Bezirk Hannover, so der Barnstorfer.

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