Fachzug Gefahrgut probt Ernstfall

Kreisfeuerwehrleute in Cornau kämpfen mit Schutzanzügen

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Hohe Temperaturen und schwere Ausrüstung verlangten den Trägern der Chemieschutzanzüge bei der Übung des Fachzugs Gefahrgut einiges ab.

Cornau - Mächtig ins Schwitzen gerieten Feuerwehrleute und Helfer beim Übungsdienst des Fachzugs Gefahrgut der Kreisfeuerwehrbereitschaft 3 in Cornau.

Der stellvertretende Zugführer Lukas Heidbrink hatte die Übung, an der rund 40 Einsatzkräfte teilnahmen, mit Unterstützung der eigenen Ortsfeuerwehr Cornau vorbereitet, teilt die Feuerwehr mit. Das angenommene Szenario: „Verlorene Ladung – Austritt eines unbekannten Stoffes in die Umwelt“.

Der Fachzug Gefahrgut umfasst Mitglieder der Feuerwehren Dörrieloh, Dickel, Barnstorf, Aldorf, Wagenfeld, Barenburg, Diepholz, Wetschen und Cornau. Seine Aufgaben bestehen darin, bei Unfällen mit gefährlichen Stoffen und Gütern Sofortmaßnahmen einzuleiten und Gefahren und Schäden einzugrenzen. 

Sie müssen zum Beispiel unbekannte Stoffe bestimmen, die Konzentration ausgetretener Substanzen in der Luft messen, Absperrgrenzen und Evakuierungsmaßnahmen festlegen und Personen dekontaminieren.

Jede Ortsfeuerwehr bekommt eine eigene Aufgabe

Übungsort war die Straße „Zum Teich“ in Cornau, direkt vor der Haustür des Ortsbrandmeisters Heiko Gröne. Die Einsatzleitung oblag Dieter Mann, der dafür verantwortlich war, die Lage zügig unter Kontrolle zu bringen.

Die Ortsfeuerwehren Wetschen und Cornau sind als Messgruppe dafür zuständig, Stoffe zu identifizieren, deren Konzentration festzustellen und dem Einsatzleiter beratend zur Seite zu stehen. Die Mitglieder der Feuerwehren aus Barenburg, Dörrieloh und Dickel kümmern sich hauptsächlich um die Dekontamination von Personen. 

Die Feuerwehren Aldorf, Wagenfeld und Diepholz sind besonders im Umgang mit Chemikalienschutzanzügen (CSA) ausgebildet. Barnstorf ist mit dem Einsatzleitwagen dafür verantwortlich, dass die Einsätze lückenlos dokumentiert werden.

Im Ernstfall hätten zwei Häuser geräumt werden müssen

Die Messgruppe identifizierte den austretenden Stoff als Chlorwasserstoff, also Salzsäure. Im Ernstfall hätte die Einsatzleitung die Bahnstrecke sperren und zwei Häuser evakuieren müssen. Da bei diesem Szenario nicht wirklich Salzsäure ausgetreten war, die CSA-Träger aber den Umgang mit ihren sperrigen Anzügen üben sollten, absolvierten sie eine CSA-Rallye.

Die Anzüge sind luftdichte Einteiler, unter denen die Einsatzkräfte Pressluftatmer geschultert haben. Die ausgeatmete Luft sammelt sich im Anzug, sodass dieser sich mit der Zeit wie ein Luftballon aufbläht. Die Träger gehen immer wieder in die Knie, um die Luft über ein Ventil entweichen zu lassen. 

Eine weitere Herausforderung: Das Sichtfenster beschlägt von Zeit zu Zeit und schränkt die Sicht ein. Die Einheitsgröße des Anzugs macht sich vor allem an den Händen bemerkbar. Er endet in Gummihandschuhen, die mit Stoffhandschuhen überzogen werden. Da werde das Greifen von Gegenständen zur Kunst, heißt es in der Mitteilung.

Fingerspitzengefühl und Muskelkraft waren gefragt

An sechs Stationen mussten die CSA-Träger – Temperatur und schwerer Ausrüstung zum Trotz – verschiedene Aufgaben erfüllen. Zum Üben filigraner Tätigkeiten galt es, mit Prüfröhrchen und einer Pumpe einen Stoff zu identifizieren, Schrauben und Muttern vom Boden aufzuheben und zu verschrauben sowie eine Stoff-Messung mit pH-Papier vorzunehmen.

Muskelkraft und Ausdauer brauchten die Einsatzkräfte bei dem Aufbau eines mobilen Wasserwerfers und beim Transport zweier Schaummittel-Kanister. Bevor sie die Dekontaminationsstation erreichten, mussten sie auf das Mehrzweckfahrzeug der Feuerwehr Wagenfeld steigen, um dort einen Zettel zu finden, dessen Inhalt per Funk zur Auswertung weitergegeben werden musste. 

Die Schwierigkeit bestand in der Übermittlung der zumeist komplizierten Stoffnamen sowie deren Konzentration über die am Helm befestigten Sprechgarnituren.

Junge Feuerwehrmitglieder aus Cornau waren für die Auswertung der Übung zuständig.

Die Auswertung übernahmen vier junge Feuerwehrmitglieder aus Cornau, die zum ersten Mal an einer Zugübung teilnahmen. Marco Striethorst lobte die Arbeit der vier Kameraden: „Immer wenn ich zum Fahrzeug gegangen bin und Infos brauchte, waren alle hoch konzentriert und willig, die Infos so schnell wie möglich zu beschaffen. Alle nahmen diese Übung sehr ernst und wir konnten viel aus den Abläufen lernen, um besser zu werden.“ 

Auch Lukas Heidbrink fand laut Mitteilung beim Abschluss des Übungsabends für den gesamten Gefahrgutzug nur lobende Worte und bedankte sich für die gute Zusammenarbeit.

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