Angst um Standort Drentwede

Schulen fehlen die Lehrkräfte

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Im Mathematik-Unterricht geht die Rechnung auf. Doch was die Personalsituation betrifft, fehlen Schulleiterin Inge Beimel unterm Strich gleich mehrere Lehrkräfte.

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Stellenausschreibungen laufen ins Leere, Schulleitungen sind die Hände gebunden, Eltern machen sich Sorgen um ihre Kinder: In vielen Orten des Landes ist der Mangel an Lehrkräften deutlich spürbar. Auch in der Samtgemeinde Barnstorf steht die Unterrichtsversorgung auf der Kippe.

Die Grundschule Drebber sucht zurzeit händeringend neue Mitarbeiter. Ähnlich ist die Situation in Barnstorf, wo die Beteiligten sogar den Fortbestand der Außenstelle Drentwede in Gefahr sehen.

Elternvertreter haben sich vor Monaten an die Landesschulbehörde gewandt

Im Barnstorfer Rathaus wollen am Freitag Vertreter der Grundschulen mit Verwaltungsspitze und Bürgermeistern zusammenkommen, um über die Probleme in der Samtgemeinde Barnstorf zu sprechen und nach Lösungen zu suchen. Auch eine Dezernentin der Landesschulbehörde aus Syke wird erwartet. Schließlich ist das Land für die Genehmigung und Besetzung der Personalstellen zuständig.

„Ich hoffe sehr, dass wir uns einigen können und der Standort Drentwede erhalten bleibt. Dafür werde ich kämpfen“, erklärt Nicole Schwichtenberg, die als Elternvertreterin der Grundschule Barnstorf-Drentwede an dem Gespräch teilnimmt. Ihre Mitstreiter hätten sich bereits im Februar an die Landesschulbehörde gewandt und auf die Situation vor Ort hingewiesen. „Es ist Aufgabe der Behörde, den Kindern eine vernünftige Unterrichtsversorgung zu bieten“, so Schwichtenberg weiter.

Größere Klassen wären problematisch für schwächere Schüler

Auch in der Grundschule Drebber sehen Mütter und Väter die Unterrichtsversorgung kritisch: „Es ist schon problematisch, wenn nicht ausreichend Lehrer vorhanden sind. Da macht man sich Gedanken, ob die Kinder den nötigen Lernstoff vermittelt bekommen“, sagt Elternratsvorsitzende Beate Friederichs. Sie befürchtet, dass es aufgrund fehlenden Personals zu größeren Klassen kommen könnte. Dabei würden insbesondere schwächere Schüler auf der Strecke bleiben.

Axel Flügge, der seit mehr als 20 Jahren als Schulleiter in Drebber tätig ist, teilt die Sorgen der Eltern. Er wirkt ratlos, wenn er auf die aktuelle Planung für das Schuljahr 2017/2018 blickt: „Eine solche Situation hatte ich noch nicht“, sagt der erfahrene Pädagoge. Nach den Sommerferien komme eine siebte Klasse hinzu und eine Mitarbeiterin gehe in Mutterschutz. Um überhaupt den vorgeschriebenen Grundbedarf abdecken zu können, würde seine Schule mindestens eine zusätzliche Lehrkraft benötigen. Doch das nötige Personal ist nicht in Sicht.

„Wir bekommen einfach keinen Ersatz“

Es handele sich um ein allgemeines Problem in Niedersachsen, das sich bereits über einen längeren Zeitraum abgezeichnet habe, stellt Flügge fest. Er habe den Personalbedarf in Drebber bei der Schulaufsicht angemeldet, aber selbst eine wiederholte Stellenausschreibung habe nicht den erhofften Erfolg gebracht. Die Landesschulbehörde sei nun gefordert, die personelle Schieflage zu lösen. Aber der Schulleiter ist skeptisch: „Das wird schwer bis zum 1. August.“

Auch seine Kollegin Inge Beimel sieht große Probleme für das nächste Schuljahr. Die Leiterin der Grundschule Barnstorf-Drentwede hat bereits seit geraumer Zeit mit Personalmangel zu kämpfen. Krankheitsfälle, Schwangerschaften und Versetzungen erfordern immer wieder neue Lösungen, um die Löcher in der Unterrichtsversorgung zu stopfen. Allein in diesem Schuljahr haben sich drei Lehrerinnen in Ruhestand beziehungsweise Mutterschutz verabschiedet.

„Unsere Stellen können nicht besetzt werden. Wir bekommen einfach keinen Ersatz“, sagt Beimel. Nach aktuellem Stand würde die Unterrichtsversorgung am Standort Barnstorf im nächsten Schuljahr auf rund 81 Prozent sinken. Wie das Defizit von etwa 73 Unterrichtsstunden abgedeckt werden könnte, sei zurzeit noch völlig unklar. Es würden rund 2,5 Lehrkräfte benötigt.

Gespräch soll neue Lösungsansätze sichtbar machen

Theoretisch bestünde die Möglichkeit, Kinder aus Drentwede abzuziehen und die bestehendem Klassen in Barnstorf zu vergrößern. Aber dieser Schritt würde das pädagogische Konzept auf den Kopf stellen und wäre vor allem ein Schlag ins Gesicht für die kleine Dorfschule, die seit sechs Jahren eine organisatorische Einheit mit der Grundschule Barnstorf bildet. Die Leiterin ist sich mit den besorgten Eltern vor Ort einig und betont: „Wir müssen Drentwede erhalten – um jeden Preis.“

Während die Grundschule Eydelstedt keine akuten Personalprobleme hat, sind in den Grundschulen Barnstorf-Drentwede und Drebber Lösungen gefragt. Beimel will unter anderem versuchen, pädagogische Feuerwehrkräfte zu bekommen. Flügge hat einen Antrag auf Genehmigung einer Vertretungskraft gestellt, um mit einer potenziellen Bewerberin zumindest einen Teil der Stunden abzudecken. Weitere Lösungsansätze erhoffen sich die Beteiligten aus dem Gespräch mit der Behörde.

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