„Dieses Thema betrifft alle Eltern“

Schulbezirke und die Zukunft der Grundschule Drentwede: Schreiben will Diskussion „versachlichen“

Neben der Zukunft des Grundschulstandortes in Drentwede geht es in dem Schreiben des Samtgemeinde Schulelternrates auch um die Einführung von Schulbezirken.
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Neben der Zukunft des Grundschulstandortes in Drentwede geht es in dem Schreiben des Samtgemeinde Schulelternrates auch um die Einführung von Schulbezirken.

Barnstorf – Der Barnstorfer Samtgemeinde-Schulelternrat (SER) hat ein Dokument an alle Eltern der Samtgemeinde Barnstorf, an alle politischen Entscheidungsträger sowie die Schulleitungen versand „mit dem Ziel der Versachlichung der Diskussion sowie korrekter Darstellung der Fakten zum Thema Grundschule Drentwede und der Einführung von Schulbezirken“, wie es in einer Mitteilung heißt.

Folgende Fragen werden in dem Schreiben aufgeworfen und zugleich beantwortet:

Was ist eigentlich das Problem?

Für den Schulstandort Drentwede liegen derzeit und wie auch schon in der Vergangenheit zu wenig Anmeldungen vor. Dies führt zu diversen Schwierigkeiten, insbesondere zu sehr großen Klassen in Barnstorf.

Weiter kleine Klassen in Drentwede?

Drentwede und Barnstorf bilden organisatorisch und rechtlich eine Grundschule. Das bedeutet unter anderem, dass die Schüler aus Drentwede und Barnstorf zusammengezählt werden.

Beispiel: Wenn es acht Kinder für Drentwede und 55 Kinder für Barnstorf gibt: Die Landesschulbehörde rechnet also, dass 63 Kinder an der Grundschule Barnstorf-Drentwede eingeschult werden. Bei 26 Kindern muss eine Klasse geteilt werden. Dies legt ein Erlass so fest. Der Schule würden also Lehrerstunden für drei Klassen zugewiesen (21 plus 21 plus 21). Wenn in Drentwede eine Klasse aus acht Kindern bestünde, müssten die 55 Kinder in Barnstorf auf zwei Klassen aufgeteilt werden (= zwei große Klassen mit 27 und 28 Kindern). Diese zu große Klassenstärke ist nicht erlaubt. Es müssten deshalb – um gleich große Klassen zu erzielen – 13 Kinder aus Barnstorf nach Drentwede fahren. Einfach eine vierte Klasse zu bilden geht nicht, da die Schule für diese Klasse keine Lehrerstunden bekommt.

Was hat es mit den Schulbezirken auf sich?

Aktuell gibt es einen gemeinsamen Schulbezirk für die Samtgemeinde Barnstorf. Das bedeutet: Alle Eltern können frei entscheiden, welche Schule für ihr Kind am besten ist und wo es angemeldet werden soll. So kann zum Beispiel ein Kind aus Drebber auch in Barnstorf zur Schule gehen. Von dieser Wahlmöglichkeit machen aktuell die Eltern von insgesamt 66 Kindern Gebrauch. Das heißt, 66 Kinder gehen nicht in ihrer Wohnsitzgemeinde zur Schule, sondern einer anderen Schule ihrer Wahl.

Was passiert, wenn Schulbezirke eingeführt werden?

Dann gibt es für niemanden mehr eine Wahlfreiheit. Das heißt, die Schulbezirke legen fest, wo ein Kind in der Samtgemeinde Barnstorf zur Schule gehen muss.

Warum werden Schulbezirke als Lösung für die Sicherung des Standortes Drentwede diskutiert?

Mit Schulbezirken werden die Schülerzahlen gesteuert. Dies führt zu gleichmäßigeren Klassengrößen in allen Schulen. Sehr kleine Klassen (in Eydelstedt und Drentwede) werden damit vermieden. Da es nicht in allen vier Gemeinden genug Kinder gibt, um jeweils Klassenstärken zu erreichen, müssen deshalb Schüler aus anderen Gemeinden den Schulen zugeordnet werden. Dies führt dazu, dass zum Beispiel Wohngebiete und Straßen aus Barnstorf den Bezirken Drentwede oder Eydelstedt zugeordnet werden. Die Kinder, die in diesen Straßen/Wohngebieten wohnen, müssen dann in die Schulen nach Drentwede beziehungsweise Eydelstedt fahren.

Schulbezirke müssen immer wieder angepasst werden, wenn sonst die Verteilung der Schüler nicht mehr gleichmäßig stattfinden kann. Eine Straße kann deshalb erst einem Bezirk und bei einer Änderung einem anderen Schulbezirk zugeordnet werden. Über den Zuschnitt der Bezirke entscheidet die Politik.

Besonderes Konzept?

Gibt es keine andere Lösung?

Bisher konnte keiner der Beteiligten eine andere realisierbare Lösung darstellen.

Und wenn man einfach alles lässt, wie es ist? Die Schülerzahlen zeigen, dass in den nächsten Jahren weiter zu wenig Schüler für den Standort Drentwede zu erwarten sind. Wird keine Entscheidung getroffen, „blutet der Standort schlicht aus“, da keine neuen Klassen dort eingeschult werden.

Und wenn man in Drentwede ein besonderes (pädagogisches) Konzept entwickelt?

Das war im Oktober auch ein Gedanke unter anderem vom Samtgemeinde-Schulelternrat. Inzwischen ist klar: dadurch, dass Barnstorf und Drentwede eine Schule darstellen, würden besondere Konzepte immer für beide Standorte gelten. Ein Attraktivitätsvorteil für Drentwede bliebe deshalb aus. Deshalb muss davon ausgegangen werden, dass dies die Schülerzahlen in Drentwede nicht positiv beeinflussen würde.

Warum diese Eile?

Bereits zum Schuljahr 2021/2022 sind nicht ausreichend Kinder für den Standort Drentwede angemeldet worden. Das bedeutet, dass nach aktuellem Stand keine Klasse in Drentwede gebildet werden kann. Die neuen Erstklässler müssten in Barnstorf beschult werden.

Außerdem muss am Standort Barnstorf saniert werden. Dabei muss klar sein, für wie viele Klassen die Schule zukünftig geplant werden muss. Solange es keine Entscheidung über die Zukunft aller Schulen gibt, kann keine Entscheidung zur Sanierung getroffen werden. Auch in Drentwede stehen Entscheidungen über Investitionen an.

Wie geht es weiter?

Am 11. März 2021 soll eine öffentliche Schulausschusssitzung stattfinden. Dort wird das Thema weiter diskutiert. Der Schulausschuss gibt eine Empfehlung ab, die im Samtgemeindeausschuss beraten wird. Eine endgültige Entscheidung muss danach der Samtgemeinderat treffen. Auch dies geschieht in einer öffentlichen Sitzung. Der Samtgemeinde Schulelternrat hat die Interessen aller Eltern in den Blick zu nehmen. Egal welche der aktuell diskutierten Alternativen gewählt wird, wird dies zu Enttäuschungen bei den jeweils betroffenen Eltern führen. Eine Bewertung der Fakten bleibt deshalb der Politik überlassen.

„Dem Barnstorfer Samtgemeinde-Schulelternrat ist es wichtig, dass dieses Thema alle Eltern der Samtgemeinde Barnstorf betrifft, da die Zukunft der Grundschule Drentwede geknüpft wird an die Einführung von Schulbezirken für alle schulpflichtig werdenden Kinder in der Samtgemeinde Barnstorf und somit weitreichende Folgen hat. Da der Samtgemeinde Schulelternrat alle Eltern vertritt, gibt es aus den genannten Gründen keine Gesamtmeinung zu diesem Thema“, erklärt Sabine Peinz, Mitglied des Barnstorfer Samtgemeinde Schulelternrats, in dem Schreiben.

Wie verlief die Diskussion?

Oktober 2020: Aufgrund des Antrags einer Ratsfraktion zur Befassung mit der Zukunft der Grundschule Barnstorf-Drentwede und eines Briefes des Kollegiums der Grundschule Barnstorf-Drentwede erstellte die Verwaltung eine Vorlage, die viele Fakten und Zahlen zur derzeitigen Situation aller Grundschulen darstellt und Varianten für eine Lösung skizziert. Auf Grundlage der Informationen zu diesem Zeitpunkt hat sich der Samtgemeinde- Schulelternrat getroffen, um eine Stellungnahme zu der Vorlage abzugeben. Diese wurde in der öffentlichen Sitzung mündlich vorgetragen und für das Protokoll schriftlich eingereicht. Die Vorlage und die Stellungnahme sind abrufbar bei den Unterlagen zur Schulausschusssitzung vom 29. Oktober 2020.

In der Schulausschusssitzung wurde das Thema zur Beratung in die Fraktionen zurückgegeben. In der Folge fanden zwei Informationsveranstaltungen statt, in der die rechtlichen Grundlagen und Möglichkeiten unter anderem mit Hilfe der Landesschulbehörde aufgearbeitet wurden.

Diese Veranstaltungen sollten dazu dienen, eine gemeinsame Faktenbasis zu schaffen, um dann erneut mit und in der Öffentlichkeit sachgerecht diskutieren zu können.

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