Schönes erleben, Sorgen aufarbeiten

Selbsthilfegruppe „Das besondere Kind“ in Barnstorf bietet Austausch für Eltern und Geschwisterkinder

Ein Kind blickt auf einem Feld freudig in den Himmel, der mit Schmetterlingen versehen ist.
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Kinder sind wie Schmetterlinge im Wind. Einige können höher fliegen als andere, aber jeder so gut er kann. Alle sind verschieden, aber jeder einzelne ist schön und etwas Besonderes, wissen die Mitglieder der Selbsthilfegruppe.

Familien von Kindern mit Handicap stehen täglich vor großen Herausforderungen. Ihr intensiver Einsatz erfordert viel Zeit und noch mehr Kraft. Die Selbsthilfegruppe „Das besondere Kind – mein Kind mit Handicap“ möchte betroffenen Eltern neben einem umfassenden Informationsaustausch auch einen kleinen Ausgleich bieten.

Barnstorf/Landkreis Diepholz –„Wir wollen Schönes erleben, Sorgen zusammen aufarbeiten“, erläutert Sarah Steinemann das Anliegen der Gruppe. Bereits 2017 gründete die Mutter eines Kindes mit Gendefekt zusammen mit Freundin Monika Barmbold, ebenfalls Mutter eines Kindes mit Handicap, mit Unterstützung der KIBiS-Selbsthilfe-Kontaktstelle im Igel die Selbsthilfegruppe .

Jeden vierten Mittwoch im Monat bietet die Selbsthilfegruppe betroffenen Eltern, Geschwistern und Interessierten die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch.

„Als Eltern eines Kindes mit Behinderungen steht man ziemlich alleine da. Gerade hier in der ländlichen Region gibt es so gut wie keine Anlaufstellen, um sich Rat und Unterstützung zu holen“, weiß die 36-jährige Kinder-Physiotherapeutin aus eigener Erfahrung und freut sich, dass seit der offiziellen Gründung der Selbsthilfegruppe auch Fördergelder fließen, mit denen Informationsangebote möglich werden.

Geschwisterkinder brauchen Austausch mit Gleichgesinnten

„In heutiger Zeit wird zwar der Gedanke der Inklusion groß geschrieben, doch es ist etwas anderes, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen als mit nicht betroffenen Freunden oder Bekannten“, macht Steinemann aufmerksam.

Gleiches gelte für die Geschwisterkinder, die untereinander nicht nur auf größeres Verständnis träfen, sondern auf Altersgenossen, die das gleiche durchleben wie sie selbst. „Nur Gleichgesinnte können verstehen, welche Sorgen und Ängste Kinder haben, wenn ein Geschwisterteil beispielsweise krampft; können verstehen,welche Todesangst sie mitunter durchleben“, sagt Steinemann.

Informationen, Unterstützung und vieles mehr

Neben dem monatlichen Austausch der Eltern untereinander stehen daher auch Treffen und Ausflüge auf dem Programm, bei denen sich Geschwisterkinder austauschen können. „Wir haben schon Kutschfahrten, Bauernhofbesichtigungen und sogar eine Fahrt in einen Freizeitpark unternommen“, erzählt Sarah Steinemann.

Auch Ausflüge wie diese Kutschfahrt gehören zu den Unternehmungen der Selbsthilfegruppe, in der auch Geschwisterkinder Gelegenheit haben, sich untereinander auszutauschen und ihre Sorgen und Ängste zu besprechen.

Doch auch Dinge, um den ganz normalen Alltag mit einem Kind mit Behinderungen zu meistern, werden besprochen. „Was steht mir zu? Wo bekomme ich Hilfe? Infos rund um Pflegeversicherung, Pflegegrad und Pflegegeld, Reha- und Kurangebote, Therapien, Hilfsmittel, aber auch die Entwicklung des Kindes, Krankheitsbilder und vieles mehr wollen wir mit Unterstützung von Referenten und im Austausch beleuchten.“

Große Bandbreite an Handicaps, Sorgen und Fragen sind gleich

„Die Behinderung eines Kindes kann sehr vielfältig sein und von kleinen bis zu großen Einschränkungen reichen“, beschreibt Steinemann den Teilnehmerkreis. Diabetes, Epilepsie, Downsyndrom, schwerst Mehrfachbehinderungen, Gendefekte oder Kiefer-Gaumenspalte seien nur einige Beispiele für die Handicaps, die in der Gruppe vertreten seien. „Und doch sind die Sorgen, Gedanken und Fragen der Eltern in den meisten Fällen gleich.“ Auch der Begriff Kind sei sehr weit gefasst. „Es sind teilweise Eltern gleich nach der Geburt des Kindes zu uns gekommen, bei anderen Familien ist das Kind schon im jungen Erwachsenenalter.“ Auf elf Familien sei die Gruppe mittlerweile angewachsen. „Selbst wenn Eltern im fortgeschrittenen Alter mit einem 40-jährigem Kind sich an uns wenden würden, wären auch sie willkommen, denn auch für sie gilt: Sie sind Angehörige eines besonderen Kindes.“

„Zusammen sind wir stark.“

„Kinder sind wie Schmetterlinge im Wind. Einige können höher fliegen als andere, aber jeder so gut er kann. Alle sind verschieden, aber jeder einzelne ist schön und etwas Besonderes“, beschreiben die Gruppenmitglieder ihre Sichtweise. Offene Gespräche unter Gleichgesinnten, gemeinsames Lachen und Weinen, Geschwistertreffen und gemeinsame Ausflüge sollen dazu beitragen, dass dieser Gedanke gelebt werden kann. „Denn allein ist man einzigartig, aber zusammen sind wir stark.“

Nächstes Treffen am 27. Oktober

Das nächste Mal kommt die Gruppe am Mittwoch, 27. Oktober, 20 Uhr, zusammen. Treffpunkt ist das Mehrgenerationenhaus in der Dr.-Rudolf-Dunger-Straße in Barnstorf. „Pandemiebedingt ist eine kurze telefonische Voranmeldung erforderlich“, macht Sarah Steinemann aufmerksam. Anmeldungen sind bei ihr (Tel. 0171/8329299, E-Mail pt-s.steinemann@web.de) oder Monika Barmbold (Tel. 0170/5408488, E-Mail moni@barmbold.de) möglich.

Im Gespräch sollen Fragen, Probleme und Tipps gemeinsam betrachtet und Unterstützung in allen Lebenslagen geboten werden. „Neue Gesichter sind gern gesehen“, sagt Sarah Steinemann und hofft, mit der Selbsthilfegruppe nun noch mehr Betroffenen Hilfestellung bieten zu können. „Selbst während der Kontaktbeschränkungen und der Lockdowns hatten wir über die sozialen Medien ständig Kontakt und standen im Austausch. Bei uns ist, wenn er oder sie Hilfe braucht, niemand allein.“

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