Standort bleibt erhalten

Schock für Wintershall-Mitarbeiter in Barnstorf: 180 Stellen fallen weg

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Schock für den Wintershall-Standort Barnstorf: 180 Stellen sollen wegfallen.

Schlechte Nachrichten für den Wintershall-Standort Barnstorf. Nach dem Zusammenschluss mit DEA sollen zahlreiche Stellen im Südkreis wegfallen.

Barnstorf/Kassel - Von Thomas Speckmann. Über Monate wussten viele Mitarbeiter nicht genau, wie es um die Zukunft ihrer Jobs bestellt ist. Gerüchte über Stellenabbau machten die Runde. 

Nun gibt es die offizielle Bestätigung: Durch den Zusammenschluss von Wintershall und Dea bleibt der traditionsreiche Standort Barnstorf zwar erhalten, allerdings sollen vor Ort 180 von aktuell 280 Stellen abgebaut werden. Dies hat die Unternehmensführung am Hauptsitz in Kassel am Donnerstagmittag bekannt gegeben.

Wintershall Dea: Zusammenschluss in 2019 im Visier

Nachdem die Mutterkonzerne BASF und Letter One im September 2018 eine verbindliche Vereinbarung zum Zusammenschluss ihrer jeweiligen Öl- und Gasgeschäfte unterzeichnet hatten, nimmt die Planung jetzt ganz konkrete Züge an. Wie Wintershall mitteilte, haben die Unternehmen inzwischen die behördlichen Genehmigungen beantragt und rechnen mit dem Zusammenschluss im ersten Halbjahr 2019. Damit wird der neue Verbund „Wintershall Dea“ zu Europas größtem unabhängigen Gas- und Ölproduzenten.

„Dieser Zusammenschluss ist der richtige Schritt zur richtigen Zeit, um auf die Veränderungen in unserer Branche zu reagieren. Damit tun wir genau das, was die 125-jährige Geschichte von Wintershall schon so oft ausgezeichnet hat: Wir nehmen Veränderungen und Herausforderungen an und haben den Mut, neue Wege zu gehen. Der Weg ist der richtige Weg. Auch, wenn er steinig und mit Entscheidungen verbunden ist, die nicht leicht sind“, sagte Wintershall-Vorstandschef Mario Mehren.

Wintershall Dea will Produktion erheblich steigern

Durch die Fusion ist nicht nur eine Steigerung der Produktion vorgesehen, sondern es sollen auch Synergieeffekte bei Betrieb, Investitionen und Personal in Höhe von mindestens 200 Millionen Euro pro Jahr genutzt werden. Damit geht ein massiver Stellenabbau einher. Wintershall und Dea wollen rund 1 000 von 4 200 Stellen weltweit streichen, rund 800 Stellen in Deutschland. 

In Norwegen ist geplant, rund 200 Stellen abzubauen, hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Abschluss großer Entwicklungsprojekte. Der größte Teil des Personalabbaus in Deutschland, mehr als die Hälfte, ist in den Konzernfunktionen von Wintershall und Dea, also in Kassel und Hamburg, vorgesehen. 

Barnstorfer Stellen werden gestrichen oder verlagert

Am Standort Kassel beschäftigt Wintershall derzeit 650 Mitarbeiter. Gut 200 werden wohl wegfallen. Auch an den Förderstandorten in Deutschland sollen zahlreiche der knapp 400 Stellen gekürzt werden. Barnstorf trifft diese Entwicklung besonders hart. Hier ist der Personalbestand bereits in den vergangenen Jahren aufgrund des rückläufigen Öl- und Gasgeschäftes reduziert worden. Nun sollen fast zwei Drittel der Stellen abgebaut werden. Sie werden entweder gestrichen oder an andere Standorte verlagert.

Kassel bleibt weiterhin wichtiger Standort mit dem Großteil der globalen Konzernfunktionen für das neue Unternehmen. Am Dea-Standort Hamburg werden weniger Konzernfunktionen angesiedelt, dafür werden die Verwaltungseinheiten für die Öl- und Gasproduktion in Deutschland in Hamburg gebündelt. Das bedeutet, dass der Verwaltungssitz der deutschen Aktivitäten der Wintershall aus Barnstorf verschwindet. 

Barnstorf bleibt Technologie- und Ausbildungsstandort

„Das ist leider auch mit Stellenverlagerungen von Barnstorf nach Hamburg verbunden. Aber Barnstorf bleibt Förderstandort und wird zentraler Technologie- und Ausbildungsstandort von Wintershall Dea“, erklärte Mehren gegenüber dieser Zeitung. Das weltweite, zentrale Bohrkernlager bleibe ebenso vor Ort wie das erst kürzlich eröffnete Technologiezentrum. Sowohl das Bohrkernlager als auch das Labor der Dea im niedersächsischen Wietze (Landkreis Celle) würden nach Barnstorf umziehen. Der Dea-Standort in Wietze werde geschlossen.

Laut Mitteilung des Unternehmens ist der Stellenabbau aktuell Gegenstand der Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen. Wintershall und Dea hätten garantiert, dass es bis zum 30. Juni 2020 keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll. Auch Standortschließungen soll es in diesem Zeitraum nicht geben. Als Sozialpartner wolle sich das Unternehmen mit den Arbeitnehmervertretungen auf sozialverträgliche Lösungen für die notwendigen Personalanpassungen verständigen.

„Mir ist klar, dass das keine erfreulichen Nachrichten sind. Und, dass diese Nachrichten für Unruhe und Unsicherheit sorgen. Aber wir wollen als Wintershall Dea auch in Zukunft erfolgreich sein. Das heißt auch: Wir müssen uns noch wirtschaftlicher aufstellen“, erklärte Mehren.

IG BCE hält Streichungen für überzogen

Die Gewerkschaft IG BCE hält die geplanten Stellenstreichungen für überzogen und unrealistisch. Michael Winkler, der für die Gewerkschaft im Aufsichtsrat der Wintershall sitzt, erklärte: „In ihrem Ehrgeiz, das neue Unternehmen hübsch für den Börsengang zu machen, sind die Vorstände um Längen übers Ziel hinausgeschossen. Das können und werden wir uns nicht gefallen lassen.“

Generell unterstütze die IG BCE die Fusion von Wintershall DEA. Doch die vorgelegten Plänen wurden jeden Rahmen sprengen.

Kommentar: Auswirkungen auch auf die Kommune

Von Thomas Speckmann.

Die Führung von Wintershall hat in der Vergangenheit immer wieder betont, welche große Bedeutung der Standort Barnstorf für den weltweit agierenden Erdöl- und Erdgasproduzenten hat. Millionenschwere Investitionen in die Infrastruktur und neue Projekte haben diese Position unterstrichen. Doch was vor mehr als sechs Jahrzehnten mit einer Bohrung in Aldorf begonnen und sich zu einem florierenden Geschäft entwickelt hat, bekommt nun einen gewaltigen Dämpfer. Der Stellenabbau ist ein Schlag ins Kontor. 

Fast zwei Drittel der Mitarbeiter in Barnstorf können in absehbarer Zeit ihre Sachen packen. Entweder sie wechseln im Zuge der Fusion ihren Arbeitsplatz, müssen sich einen neuen Job suchen oder verabschieden sich vorzeitig in den Ruhestand. Neben dem persönlichen Schicksal der Mitarbeiter und ihrer Familien wird die Stellenkürzung aber auch gravierende Auswirkungen auf den Flecken Barnstorf und die übrigen Mitgliedsgemeinden haben, sei es durch den Rückgang von Gewerbe- und Einkommensteuereinnahmen, den Verlust von Kaufkraft oder die schwindende Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt. 

Der einst größte Arbeitgeber in der Samtgemeinde Barnstorf fällt in der Rangliste gewaltig zurück. Dabei spielt es offenbar kaum noch eine Rolle, dass das Unternehmen stets auf seine enge Verbundenheit zu Barnstorf und den hier lebenden Menschen hingewiesen hat. Unter dem zunehmenden Druck auf dem weltweiten Öl- und Gasmarkt gerät die Tradition unter die Räder.

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