Angespannte Finanzsituation

BUEZ: Im schlimmsten Fall droht die Schließung

Das zehn Hektar große Gelände am Bremer Dreh in Barnstorf bietet den Besuchern viele Möglichkeiten zur Umweltbildung. Foto: Bömermann

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Es ist eine ganz neue Erfahrung für Jürgen Lübbers, als er vor fünf Wochen einen Aushilfsjob im Lidl-Markt in Barnstorf annimmt. Anlässlich der Wiedereröffnung sitzt der Samtgemeindebürgermeister eine gute halbe Stunde an der Kasse des Discounters. Der Umsatz ist beachtlich. Am Ende gibt es sogar eine Spende in Höhe von 1000 Euro für das Barnstorfer Umwelt-Erlebnis-Zentrums (BUEZ). Das Geld kann die Einrichtung gut gebrauchen, denn die finanzielle Situation ist angespannt. Sollten sich keine neuen Einnahmequellen für die Zukunft auftun, könnte sogar eine Schließung des Zentrums drohen.

„Wir versuchen, über die Runden zu kommen“, berichtet Lübbers, der als Geschäftsführer der Betreibergesellschaft „BUEZ gGmbH“ ein besonderes Interesse am Fortbestand der Umweltbildungseinrichtung hat. Das idyllische Gelände am Bremer Dreh gewährt Besuchern einen Einblick in die Natur, dient als Annahmestelle für Wertstoffe und als Schauplatz für überregionale Veranstaltungen wie die Barnstorfer Gartentage, die jedes Jahr tausende Besucher in den Hunte-Flecken locken. Aber solche Angebote gibt es nicht zum Nulltarif. Der Betrieb kostet Geld.

Wie ernst die Lage im BUEZ ist, zeigt ein Blick auf die aktuelle Personalentwicklung. Ein verdienter Mitarbeiter hat die Kündigung erhalten und Ende September seine Sachen packen müssen. Die Vollzeitstelle sei in den vergangenen Jahren über die Agentur für Arbeit mitfinanziert worden, aber die Förderung laufe aus, sodass eine Weiterbeschäftigung der Verwaltungskraft nicht mehr möglich sei, erläutert der Geschäftsführer im Gespräch mit dieser Zeitung.

Das Personal stelle einen erheblichen Kostenfaktor dar, weiß auch Dr. Oliver Nixdorf, der nur noch in ehrenamtlicher Form als Zentrumsleiter tätig ist, seitdem er vor einem Jahr die Geschäftsführung der Planungs- und Entwicklungsgesellschaft Barnstorf (PEB) übernommen hat. Zurzeit werden sechs Voll- und Teilzeitkräfte, unter anderem gefördert durch staatliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, beschäftigt. Hinzu kommen zwei junge Menschen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) absolvieren. Mit solchen Kräften hat die Einrichtung gute Erfahrungen gemacht. Es sind günstige Arbeitskräfte, aber an dieser Stellschraube lässt sich nur begrenzt drehen. Darum geht es neben der Begrenzung der Ausgaben für die Verantwortlichen mit Blick in die Zukunft vor allem auch darum, die Einnahmen zu optimieren. Veranstaltungen, Wertstoffannahme und Café sind wichtige Quellen, aber den größten Posten bilden die Erlöse aus den Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen, die in Eigenregie auf dem rund zehn Hektar großen Gelände betrieben werden.

„Wir sind auf Wind und Sonne angewiesen“, erklärt Lübbers. Allerdings hätten die Windräder zuletzt weniger Ertrag abgeworfen und seien teilweise reparaturanfällig. Das größte Problem sei jedoch, dass die staatlich garantierte Vergütung im Rahmen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) nach 25 Jahren auslaufe. Ab Anfang 2021 sei die Gesellschaft gezwungen, den produzierten Strom selbst zu vermarkten. Der Verkaufspreis dürfte dann deutlich unter dem bisherigen Satz von 9,8 Cent pro Kilowattstunde liegen.

„Da kommt eine erhebliche Einnahmenminderung auf uns zu“, erklären Lübbers und Nixdorf unisono. Die finanzielle Situation sei generell schwierig. In der Vergangenheit habe es schon Situationen gegeben, wo eine Insolvenz gedroht habe, die dann aber abgewendet worden sei. Damit es nicht wieder so weit komme, suche die Gesellschaft nach Lösungen, um auch künftig den Finanzbedarf für den Betrieb des Zentrums in Höhe von etwa 50 000 bis 60 000 Euro pro Jahr zu decken.

Um zusätzliche Einnahmen zu generieren, ist das Café bereits im Frühjahr an Ewald Moll aus Diepholz verpachtet worden, wenngleich sich mit solchen Maßnahmen die zu erwartende Lücke kaum schließen lässt. Darum bemühen sich die Verantwortlichen zurzeit intensiv um alternative und vor allem langfristige Lösungen. „Wenn wir keine Finanzierungsmöglichkeiten finden, steht die Gesellschaft auf der Kippe“, verdeutlicht Lübbers den Ernst der Lage.

„Wenn alles nichts hilft, müssen wir an die Kommune herantreten und einen Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen“, fügt Lübbers in seiner Funktion als Geschäftsführer hinzu. Bisher habe die Samtgemeinde Barnstorf keinerlei Zuschüsse für die Einrichtung gezahlt. Dies sei politischer Wille, wenngleich die Kommune einen Anteil von 24 Prozent an der Gesellschaft hält und über ihre Tochtergesellschaft, die Planungs- und Entwicklungsgesellschaft Barnstorf (PEB), auch Eigentümer des Geländes ist. Der Löwenanteil von 76 Prozent liegt beim „Förderverein Großes Moor“.

Wichtig sei es, dass die Einrichtung auch in Zukunft ihrem Charakter als Umweltbildungszentrum gerecht werde und die Gemeinnützigkeit aufrecht erhalten bleibe, unterstreicht Diplom-Biologe Nixdorf. Um die dazu erforderlichen Projekte durchführen zu können, sei jedoch ein gewisser Eigenanteil erforderlich. Um das Kapital aufzubringen, sei die Gesellschaft auf Spenden und Kooperationspartner angewiesen, wie das Beispiel einer bereits realisierten Streuobstwiese zeige.

„Für die Samtgemeinde Barnstorf ist das BUEZ ein Imagegewinn. Es ist eine sehr wichtige Einrichtung für die Kommune“, erklärt der Samtgemeindebürgermeister. Er macht darauf aufmerksam, dass von einem Fortbestand auch der Waldkindergarten und die Ländliche Erwachsenenbildung abhängig sind, die schon seit vielen Jahren ihr Domizil auf dem Gelände haben. Doch ohne neue Finanzmittel würde es düster aussehen. „Im schlimmsten Fall müssten wir das Zentrum schließen“, sagt Lübbers.

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