Erneuerung des Glockenstuhls erweist sich als Kraftakt / Jubiläumsfest am 8. September

Sanftere Klänge aus dem Kirchturm

Mit einem Kran wurden die neuen Teile in den Turm der St.-Veit-Kirche gehievt. Fotos: Müller, Speckmann

Barnstorf - Von Thomas Speckmann. Die Kirchengemeinde St. Veit feiert das 500-jährige Bestehen ihrer großen Glocke. Beim Jubiläumsfest am Sonntag, 8. September, sollen die Besucher die Möglichkeit bekommen, das Bronzestück in Augenschein zu nehmen. Der Weg in den Kirchturm ist zwar beschwerlich, die Treppenstufen sind schmal und steil. Aber der Aufstieg lohnt sich, denn neben dem Geläut können Interessierte auch den neuen Glockenstuhl bewundern, der in dieser Woche fertiggestellt worden ist.

Wer dem Geläut der mehr als 800 Jahren alten St.-Veit-Kirche in Barnstorf lauscht, wird den feinen Unterschied womöglich nicht gleich auf Anhieb merken. Für die Ohren eines Laien ist ein leicht veränderter Klang kaum wahrzunehmen. Aber vielleicht haben Kirchgänger in der Vergangenheit eine Vibration im vorderen Bereich des Gotteshauses gespürt, wenn die Glocken in Betrieb waren. Dieser Zustand soll sich ebenfalls durch den Austausch des Glockenstuhls verbessern.

„Die Schwingung des alten Glockenstuhls war unten in der Kirche zu spüren. Durch den Austausch von Holz gegen Metall wollen wir die Vibration rausnehmen und den Klang verbessern“, erläutert Dr. Ralph Müller, der als Mitglied des Kirchenvorstands die Baumaßnahme von der Planung bis zur Realisierung begleitete. Dabei stand er in engem Austausch mit den Firmen aus Thüringen und Hamburg sowie dem Amt für Bau- und Kunstpflege der Landeskirche Hannovers.

Das Amt muss für derartige Arbeiten rund um die Bausubstanz seinen Segen geben. Am Mittwoch haben sich die Vertreter aus Verden von dem Ergebnis überzeugt. Mit dem Austausch des Materials gehe die Gemeinde wieder zurück zu den Wurzeln. Vermutlich habe der Stuhl nicht die gleiche Konstruktion wie in den Anfangsjahren, aber die massive Eiche entspreche den Ursprüngen, sagt der neue Amtsleiter Christian Baus, der erst seit wenigen Tagen im Dienst ist und erstmals die St.-Veit-Kirche in Barnstorf betrat.

Bei solchen Maßnahme sei es wichtig, die vorhandene Bausubstanz zu respektieren und damit behutsam umzugehen, fügte Diplom-Ingenieur Alexander Reuter hinzu. Es sei auch über eine Instandsetzung des alten Metallstuhls nachgedacht worden, aber nach Rücksprache mit dem beauftragten Glockensachverständigen Andreas Philipp aus Göttingen seien die Verantwortlichen zu dem Schluss gekommen, dass eine Holzausführung aus „konstruktiver, klanglicher und historischer Sicht“ für das Gebäude angemessener sei. Um den Austausch des Glockenstuhls vorzunehmen, war ein echter Kraftakt nötig. Die Handwerker hängten zunächst das schwere, dreiteilige Geläut mithilfe von Kettenzügen ab. Anschließend erfolgte die Demontage des alten Metallgestells. Die Einzelteile wurden dann durch die Schallluken des Kirchturms auf ein Gerüst befördert und mit einem Kran nach unten gebracht. Auf demselben Weg erfolgte der Transport der neuen Holzteile. Die Zimmerei Ständer aus Geismar hatte die Eichenbalken in ihrem Betrieb bereits maßgerecht zugeschnitten und probeweise aufgebaut, sodass die Einzelteile dann im Kirchturm nur noch zusammengesetzt werden mussten. Zwischen Betonboden und Sockel brachten die Fachleute eine Drainageschicht auf, damit keine Feuchtigkeit in die Balken zieht. Die neuen Träger der Glocke bestehen ebenfalls aus Holz.

Für die Installation der Läutetechnik zeichnete schließlich die Firma Iversen, Dimier & Cie aus Hamburg verantwortlich, die sich auf Glocken-, Läute- und Turmanlagen spezialisiert hat. Sie hängte die drei Glocken wieder ein und montierte neue Motoren, Schwingräder und Klöppel. Damit soll der neue Antrieb sanfter sein. Schließlich sei es wichtig, Glocken und Bausubstanz schonend zu behandeln, damit keine Schäden hervorgerufen würden, erklärt Kirchenvorstandsmitglied Müller. „Das soll jetzt ein paar hundert Jahre halten.“

Für die alten Klöppel will die Kirchengemeinde ein passendes Plätzchen zur Ausstellung finden. Auch der alte Glockenstuhl soll nicht auf den Müll wandern. Er geht in den Besitz des Heimatvereins Samtgemeinde Barnstorf. Konkrete Pläne über die weitere Verwendung haben die Heimatfreunde aber noch nicht. „Wir werden die Konstruktion erst einmal zwischenlagern“, erklärt Vorsitzender Jürgen Rattay.

Die Kosten für die Baumaßnahme beziffert die Kirchengemeinde mit mehr als 40 000 Euro. Die Finanzierung erfolge nahezu aus eigenen Mitteln, sagt Müller. Das Geld sei seit dem Beschluss des Kirchenvorstands im Jahr 2012 angespart worden. Dabei habe es Zuschüsse aus der St.-Veit-Stiftung gegeben, die sich die Förderung der kirchengemeindlichen Arbeit und den Erhalt des Gotteshauses auf die Fahne geschrieben hat.

Der Großteil des Geläutes kann jetzt in Betrieb gehen, die rund 1 100 Kilogramm schwere Jubiläumsglocke soll aber erst am großen Festtag im September erklingen. Sie wird die Besucher nach dem Gottesdienst beim Auszug aus der Kirche begleiten und das Sommerfest einläuten. Die Besucher erwartet rund um das Gotteshaus ein buntes Programm mit Kaffeetafel und Aufführungen der Kinderchöre.

Wer den hohen Kirchturm nicht besteigen kann, soll den neuen Glockenstuhl samt Geläut per Videoschaltung verfolgen können. Küsterin Petra Tinnemeyer informiert über die Läuteordnung der Kirchengemeinde. Bereits am Freitag vor dem Jubiläumsfest wird Sachverständiger Philipp einen Vortrag über die Kulturgeschichte der Glocke halten.

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