Munterer Erfahrungs- und Informationsaustausch zum Thema Flüchtlinge / „Wir kümmern uns direkt um sozialen Frieden“

Runder Tisch liefert Ideen für das Hilfspaket

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Runder Tisch im Rathaus: Etwa 40 Vertreter mehrerer Institutionen diskutierten über die Flüchtlingssituation in der Samtgemeinde Barnstorf.

Barnstorf - Der erste Runde Tisch zum Thema Flüchtlinge war ein Erfolg. Etwa 40 Vertreter ganz unterschiedlicher Institutionen aus der Samtgemeinde Barnstorf kamen am Dienstagnachmittag im großen Saal des Rathauses zusammen, um sich über die aktuelle Situation auszutauschen, Informationen zu bündeln und neue Ansätze der Integration zu diskutieren. Dabei war die Einführung einer Informationsbroschüre nur eine von vielen Anregungen.

In der zweistündigen Zusammenkunft gab die Verwaltung einen aktuellen Überblick über die Flüchtlingszahlen. Demzufolge sind derzeit rund 260 Flüchtlinge in der Samtgemeinde Barnstorf untergebracht. Allgemeines Ziel der Integration der Flüchtlinge mit Bleibeperspektive sei kurzfristig die Wohnraumbeschaffung, mittelfristig der Spracherwerb und langfristig die Bildungsintegration, erklärte Fachbereichsleiterin Frauke Brüning. Aufgrund der gesellschaftlichen Herausforderung sei der Kreis der Akteure auch kein geschlossener, sondern offen für weitere Mitstreiter.

Stark engagiert in der Flüchtlingsbetreuung ist der Arbeitskreis „Willkommen in Barnstorf“. Sprecherin Erika Schneider appellierte erneut an die Bürger, sich als ehrenamtliche Paten in die Integrationsarbeit einzubringen. „Schließlich kümmern wir uns direkt um den sozialen Frieden“, so Schneider. Eine enge Kooperation pflegt der Arbeitskreis mit dem örtlichen Secondhand-Laden des Deutschen Roten Kreuzes. Auch hier ist Unterstützung aus der Bevölkerung gefragt: „Wir benötigen dringend Sportkleidung, Sportschuhe und Umhängetaschen für die Schule.“

Die Teilnehmer berichteten von den kleinen Hürden im täglichen Leben, sei es beim Miteinander in Wohnstätten, Kindergärten oder Jugendzentrum. Konsens: „Wir brauchen mehr Informationen nach außen, denn Unwissenheit macht Angst.“ Dazu passte eine Anregung von Ann-Kristin Hübner, die sich im Auftrag der Interessengemeinschaft Gesundes Leben (IGEL) um die Flüchtlingsbetreuung im Hülsmeyer-Park kümmert und als Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Barnstorf tätig ist. Sie wünschte sich eine Schrift als Orientierungshilfe, um den Menschen deutlich zu machen: „Wie funktioniert Deutschland“.

Susanne Best vom Familien- und Kinderservicebüro regte an, einen Workshop zu Grundlagen der interkulturellen Kommunikation anzubieten. Auch das könnte zur besseren Verständigung zwischen Einheimischen und Flüchtlingen beitragen.

Gelegenheit zum Austausch besteht bereits im „Café Liri“, das einst von türkischen Frauen mitgegründet wurde, um einen kleinen Freiraum zu genießen, wie es Renate Kruse formulierte. Schon das Wort „Liri“ komme von Freiheit. Die Gruppe sei heute eine Anlaufstelle, wo sich Frauen gegenseitig unterstützen könnten.

Am Runden Tisch wurden weitere Ideen formuliert, wie Flüchtlinge in die Gesellschaft integriert werden könnten. Dazu könnte auch ein Schnuppertag beim MTV „Jahn“ Barnstorf gehören. Vereinsvertreter Wolfgang Reimann machte auf die sportlichen Angebote aufmerksam und erklärte, dass der Landessportbund bereits reagiert habe: „Flüchtlinge sind versichert, auch ohne Mitgliedschaft.“

Reinhold Bömer stellte zahlreiche Angebote vor, die im Welthaus an der Bahnhofstraße angeboten werden. Zur Förderung des interreligiösen Dialogs werde im Fastenmonat Ramadan ein öffentliches Fastenbrechen-Essen für Muslime und Nicht-Muslime veranstaltet. „Vielleicht können wir dieses Jahr im Ratssaal das Fest stattfinden lassen“, schlug Bömer vor.

Die Bedeutung des religiösen Aspektes wurde in der Runde deutlich thematisiert. In diesem Zusammenhang mussten sich die Vertreter der muslimischen Moschee in Barnstorf Kritik gefallen lassen, weil sie nicht der Einladung gefolgt waren. Das Forum wünschte sich auch von Seiten der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden mehr Engagement. Zwar waren die Pastoren Ilka Strehlow und Michael Lier anwesend, hielten sich aber mit Statements zurück.

Die Christian-Hülsmeyer-Schule war am Dienstag nicht vertreten. Sie hatte sich entschuldigen lassen. „Ich finde es sehr traurig, dass niemand da ist“, machte Diakon Jörg Brand seinem aufgestauten Unmut Luft. Er war entgegen der Schulleitung der Meinung, dass viel Arbeit bei den Schülern liege, das sehe er jeden Tag außerhalb der Schule, sagte der Leiter des Jugendzentrums.

Laut Jugendpfleger Ole Sterzik hatte die Schulleitung mitgeteilt, dass die meisten Flüchtlingskinder gut beschulbar seien, sich im Realschulbereich bewegten und manche sogar die gymnasialen Anforderungen schaffen könnten. Für aus Afghanistan stammende Jungen und Mädchen habe die Christian-Hülsmeyer-Schule eine separate Klasse zur Alphabetisierung eingerichtet, berichtete der Jugendpfleger.

Zum Abschluss der Runde war den Teilnehmern klar: „Wir treffen uns noch vor den Sommerferien im Juni wieder.“ Vielleicht gibt es bis dahin schon weitere Beiträge zum Hilfspaket. Den Wunsch nach einer Broschüre, eine Art „Wegweiser Flüchtlinge“, wurde von Seiten der Samtgemeinde begrüßt. „Das muss nicht immer eine Hochglanzbroschüre sein“, regte Ann-Kristin Hübner an, „die Akteure mit Kontaktdaten sollten gebündelt erfasst sein, damit man im Überblick sieht, wer wo hilft.“

sbb

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